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Dialekte

26.05.2014

Süße Mehlspeis und dummes Zeug

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten ist heute aber kein Schmarren

Wer sich mit den Mundarten in unserer Region beschäftigt, mit offenen Ohren hinhört, wie hier wer redet, der stellt bald fest, dass es die viel genannte Sprachgrenze Lech eigentlich gar nicht gibt. Vielmehr leben wir in einem Gebiet, in dem sich zwei Dialekte miteinander vermischt haben. Und zwar nicht erst seit der napoleonischen Neuaufteilung der Grenzen. Ein lebhafter Austausch, ein Hin und Her von West nach Ost und umgekehrt hat zu dieser sprachlichen Mixtur geführt.

Und dies ist keine subjektive Wahrnehmung, sondern wissenschaftlich untermauerte Tatsache, bestätigen Sprachforscher der Uni Augsburg wie etwa der an dieser Stelle oft zitierte Professor König. Für manch eingefleischte Schwaben und Altbayern mag diese Erkenntnis eher unangenehm sein. Doch auch ihnen muss gesagt werden, dass keiner von uns so richtig Mundart spricht. Es sind eher Tonfall, Sprachfärbung und Aussprache, die eine Zuordnung rechts oder links des Lechs erlauben, etwa das „r“ der Schwaben und der zwischen „a“ und „o“ angesiedelte Ton der Bayern – kein anderer spricht „abR“ so aus oder „Ma/oß“.

Dem Autor ist dieser Tage im Chiemgau aufgefallen, dass Einheimische ein modernes „Denglisch“ (Deutsch-Englisch) „pflegen“ und wohl als Mundart interpretieren. Da heißt es dann beispielsweise schon mal: „Woaßt scho, des is süpi und obercool“… Aber richtigen Dialekt spricht keiner, kann auch keiner mehr, schad drum, lässt sich doch im Dialekt vieles genauer ausdrücken.

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Eigentlich ein bairisch-österreichischer Begriff, der aber auch bei den Schwaben links des Lechs nicht nur verstanden, sondern auch benutzt wird, ist „Schmarr(e)n“. Schleckmäulern wird das Wasser im Mund zusammenlaufen, denken sie doch sofort an jene köstliche österreichische Mehlspeise namens Kaiserschmarrn aus Mehl, Eiern, Rosinen, Puderzucker, Apfelmus. Richtig, aber „Schmarrn“ heißt ja bei uns auch so viel wie Blödsinn, Unfug, Nebensächliches – es ist wohl genau genommen nicht Mundart, es ist Sprachgebrauch, Umgangssprache.

Die Herkunft oder vielleicht besser die Verwandtschaft des urdeutschen Wortes ist ein alter Begriff für Fett, nämlich „smero“. Nach Duden ist der Begriff „Schmer“ für das Bauchfett des Schweins noch heute in einigen deutschen Regionen in Verwendung. Deutschlandweit kennt man heute aber noch „schmieren“, also einfetten. Im Altbairischen heißen Pusteln und Wundschorf übrigens „Schmarre“, eine Variation von „Schmarrn“.

Und da gibt’s dann noch den „Schmarrer“, das ist einer, der „Schmarren“ redet, also immer dummes Zeug schwatzt, Unsinn verzapft. Auch im Fränkischen kennt man diesen Ausdruck. Auch wenn es sich vielleicht in Verbindung mit der Mehlspeise Kaiserschmarrn anbietet: Der Wiener „Schmäh“ hat mit unserem „Schmarrn“ nichts zu tun …

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