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Stadtbergen

20.11.2019

Symphonieorchester Stadtbergen: Schurken, Swing und Schicksal

Unter Leitung von Irene Anda spielte das Symphonieorchester Stadtbergen ein kontrastreiches Konzert.
Bild: Andreas Lode

Das Symphonieorchester Stadtbergen unter Irene Anda spielt Werke von Louis Hérold, George Gershwin und Ludwig van Beethoven.

An Kontrastreichtum fehlte es nicht im Konzert des Symphonieorchesters Stadtbergen. Das Programm reichte von der Bildkraft der französischen Oper, über Gershwins jazzige Power im symphonischen Gewand bis zu Beethovens Dramatik. Im ausverkauften Bürgersaal führte Irene Anda ihr Orchester durch anspruchsvolle Musikliteratur, Kultstücke und eine Rarität.

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So gut wie nie hört man im Konzert Musik der französischen romantischen Oper. Louis Hérold (1791–1833) verstand sein Handwerk. Das Melodram „Zampa“ berichtet über einen schurkenhaften Macho-Piraten à la Don Giovanni, dessen Testosteron Frauen ins Unglück stürzt. Die Ouvertüre, die zwischen klanglichen Kraftattacken, schaurigem Tremolo, Idylle und finsteren Schicksalsakkorden pendelt, war ein schwungvoller Einstieg.

In eine andere Welt wurde man mit Gershwins „Rhapsodie in Blue“ für Klavier und Orchester versetzt. Jazz und Swing sind im orchestralen Rahmen gefasst. Ferde Grofé, Arrangeur von Swing-Legende Paul Whiteman, hat ihn erstellt. Das ist nicht unheikel, wenn sich Big-Band-Gestus und symphonische Optionen mischen.

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Der junge Serbe Leo Borisavjlevic bewältigte, nach der bluesig glühendenden Glissando-Einleitung der Soloklarinette, mit metrischer Zuverlässigkeit die vertrackten rhythmischen Geflechte, zeigte Virtuosität, groovendes Jazz-Feeling stellte sich nicht immer ein. Manchmal übertönend, bot das Orchester eine beachtliche Leistung in dem tollen musikalischen Zwitter.

Symphonieorchester Stadtbergen spielt ein kontrastreiches Programm

Bei Beethoven sind die Fronten klar – er fordert bis zum Äußersten die Energie, das Klangvolumen, die Farbpalette, das dramatische Potenzial des Orchesters seiner Zeit. Alles ist enthalten in der 5. Symphonie c-Moll, apostrophiert als „Schicksalssymphonie“. Das heftig pochende Auftaktmotiv wurde sofort mit spannungsvoller Präsenz in Szene gesetzt, taucht immer wieder permanent verändert auf. Es wird durch eine Fahrt der Kontraste geführt – Aufruhr, Glanz, Beruhigung. Das Andante spinnt lyrische Fäden, hymnische Gesten werden von geheimnisvollen Bewegungsrastern gewissermaßen unterwandert, mit Pathos herangeführt an das Scherzo-Allegro. Eine mysteriöse Linie der Bässe leitet es ein, gipfelnd in der Wucht einer ebenfalls von den Bässen gestarteten Fuge, alles gesteigert ins ausbrechende Finale.

Irene Anda forderte und bekam bedingungslosen Beethoven-Drive ohne „rücksichtsvolle“ Tempodrosselungen oder Kompromisse beim Ausdruckswillen.

Natürlich gibt’s da in einem Laienorchester heikle Passagen, doch man verlor, mutig im Zugriff, nicht die Spannung in den organisch sich entwickelnden Passagenwechseln. Großer Beifall.

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