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Gersthofen

11.11.2019

TSV-Wirt zeigt wegen der AfD allen Parteien die Rote Karte

Wirt Jürgen Bouska vom Sportheim Gersthofen zeigt jetzt wegen Veranstaltungen der AfD allen Parteien die Rote Karte.
Bild: Marcus Merk

Plus Der TSV Gersthofen möchte keine regelmäßigen Veranstaltungen der AfD mehr in seiner Sportgaststätte. Jetzt schmeißt der Wirt auch alle weiteren Parteien raus.

Ab Januar kommenden Jahres finden in der Wirtschaft des TSV Gersthofen keine politischen Veranstaltungen mehr statt. Das hat Wirt Jürgen Bouska entschieden. Er reagiert damit auf Druck seitens des Vereins.

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Auslöser für die politikfreie Zone sind nach Aussagen des TSV-Präsidenten Hinrich Habenicht Veranstaltungen der AfD, die dort in den vergangenen Jahren regelmäßig stattgefunden haben. Für die Vereinsführung sei das nicht tragbar. Habenicht betont, Veranstaltungen der rechtspopulistischen Partei seien mit den Werten eines Sportvereins nicht vereinbar. „Der Verein distanziert sich ganz klar von der inhaltlichen Ausrichtung der Partei.“ In diesem Punkt stellt sich der TSV-Präsident hinter die Aussage einer Pressemitteilung des Bayerischen Landessportverbands. In dieser erklärt er, „Werte wie Toleranz und gegenseitigen Respekt als Verband“ schützen zu wollen. Ausgrenzung, Rassismus und Diskriminierung hätten in Sportvereinen keinen Platz.

AfD führt regelmäßig Veranstaltungen in dem Wirtshaus durch

Erst vor zwei Wochen habe Habenicht erfahren, dass die AfD regelmäßig Veranstaltungen in dem Wirtshaus durchführt. In einer Präsidiumssitzung vergangene Woche beschloss die Vereinsspitze, die Veranstaltungen der AfD nicht weiter zu akzeptieren. „Wir haben daraufhin mit dem Pächter Jürgen Bouska gesprochen“, erklärt Habenicht. „Er hat sich dann entschlossen, ab Januar gar keine politischen Veranstaltungen mehr in seiner Wirtschaft zuzulassen.“

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Als Pächter der Wirtschaft kann Jürgen Bouska entscheiden, wer bei ihm Gast ist. Er stellt gegenüber unserer Zeitung den Sachverhalt ein wenig anders dar. Mit dem Schritt will der Wirt nach eigener Aussage seine Gäste schützen. „Ich bin nicht politisch aktiv, in meine Wirtschaft darf grundsätzlich jeder reinkommen.“ Schluss ist für den Wirt aber, sobald seine Gäste unter der schlechten Stimmung unter den Parteien zu leiden hätten. „In den letzten Jahren ist es extremer geworden“, sagt Bouska, der seit Beginn im Jahr 2014 politische Veranstaltungen in seiner Gaststätte zugelassen hatte. „Es war zuletzt soweit, dass manche Partei bei mir keine Veranstaltungen abhalten wollten, wenn andere Parteien zuvor bei mir waren.“ „Finanziell hat es sich sowieso nicht für mich gelohnt, man macht damit kein Geld.“

Wirt macht von seinem Hausrecht Gebrauch

Für Reinhard Kistner, Kreisvorsitzender AfD Augsburg-Land, kommt diese Entscheidung überraschend. „Wir haben von Unstimmigkeiten nichts gemerkt“, sagt Kistner. „Ich finde es schade, dass wir schon so weit sind.“ Er könne aber auch nachvollziehen, dass der Wirt von seinem Hausrecht Gebrauch macht. Für die AfD heißt das, sie müssen sich wieder eine neue Gaststätte suchen. Erst kürzlich sagte ein Wirt in Neusäß nach öffentlichem Druck eine Veranstaltung der AfD in seiner Wirtschaft ab. Entsprechend froh war Kistner über die Räume der TSV-Wirtschaft. „Wir haben dreiviertel der Veranstaltungen in Gersthofen abgehalten.“ Selbst der Kreisverband Augsburg-Stadt sowie der Bezirksverband seien dort untergekommen. Alternative Veranstaltungsräume gebe es nach Aussage von Kistner zwar. Allerdings dürfte die Partei nicht immer öffentlich für ihre Treffen werben. „Wir sprechen uns im Vorfeld mit dem Wirt ab“, sagt der Vorsitzende.

Aber auch andere Parteien sind von dem Schritt des Pächters betroffen. So müssen sich beispielsweise auch SPD und Freie Wähler, die in der Wirtschaft oft zu Gast sind, ab dem kommenden Jahr nach neuen Veranstaltungsorten umschauen.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Christoph Frey: Platzverweis für alle Politiker im TSV-Vereinsheim

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