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Fischach-Willmatshofen

16.07.2020

TV Willmatshofen hofft auf ein "blaues Auge" durch Corona

Beim Turnverein Willmatshofen wurden noch nicht alle Vereinsangebote aufgenommen. Übungsleiter Marlitu bietet wieder Zumba an – mit dem notwendigen Abstand.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Unterm Strich wird Corona dem TV Willmatshofen ein Minus bescheren, vermutet der Vorsitzende. Viele haben Verständnis. Aber nicht alle sind solidarisch.

Viel Informationsarbeit musste der rund 1000 Mitglieder starke Turnverein Willmatshofen in den vergangenen Wochen leisten. Die Corona-Pandemie hat auch hier den Sport zeitweise zum Erliegen gebracht. „Wir hoffen, dass wir aus der Krise nur mit einem blauen Auge rauskommen“, verdeutlicht Vorsitzender Wolfgang Angerer. Covid-19 bereite dem Verein nicht nur großen Arbeitsaufwand, sondern auch Kosten. „Zum Glück halten sich die Beschwerden der Vereinsmitglieder in sehr engen Grenzen“, freut er sich.

Der TV Willmatshofen hat seinen Sportbetrieb seit 15. Juni eingeschränkt wieder aufgenommen. „Selbstverständlich unter Beachtung der Auflagen und Einschränkungen“, versichert Angerer. So sei zum ersten Training zwingend ein Covid-19-Kontaktformular ausgefüllt mitzubringen. „Das ist eine Vorgabe des Bayerischen Turnverbands (BTV).“

Nach zehn Wochen würde der Bogen mit den persönlichen Angaben vernichtet. Doch nicht alle Vereinsmitglieder bringen Verständnis auf. „Manchen erscheinen sie willkürlich“, erzählt Angerer. Gleichzeitig schränkt er ein: „Ärger und Schwierigkeiten hat es dennoch kaum gegeben.“ Vereinsaustritte wegen Corona seien ihm nicht bekannt, lediglich einige Beschwerden über den vollen Mitgliedsbeitrag.

TV Willmatshofen ist auf Mitgliedsbeitrag angewiesen

„Dabei wird der Vereinsbeitrag von einigen Mitgliedern als Entgelt für Leistungen gewertet“, so Angerer. Doch dem sei nicht so. „Der Beitrag ist kein Gegenwert zu einer Leistung, sondern quasi die Eintrittskarte zum Verein.“ Das heißt: Die Mitgliedsbeiträge dienen der Förderung beziehungsweise Erreichung des Vereinszwecks, wie es auch in der Satzung geregelt ist. Aus diesem Grund seien Vereinsmitglieder auch dann zur Zahlung verpflichtet, wenn sie die Angebote vorübergehend nicht nutzen können. „Bei wirtschaftlichen Notlagen wie Arbeitskündigung sind wir selbstverständlich sensibel und würden einen einvernehmlichen Konsens finden“, ergänzt Angerer.

Momentan laufen nach seinen Angaben höchstens 70 Prozent der Vereinsangebote. Als kleine Alternative sieht er deshalb die auf der Vereinshomepage zusammengestellten Links. Dort werden Videos von Kerstin Hopfenzitz, beispielsweise zu Wirbelsäulengymnastik und Bodyforming, oder Entspannungsübungen angeboten.

Sport für Senioren ist noch nicht im Angebot

Noch gar nicht aufgenommen wurden beim TV Willmatshofen beispielsweise die Angebote für Senioren und für Kinder unter sechs Jahren. „Uns treibt die Sorge um das persönliche Wohlergehen eines jeden Einzelnen um“, versichert Angerer. Letztlich seien bei einem Corona-Ausbruch im Verein der Vorstand und die jeweiligen Übungsleiter in der Verantwortung.

Der Vorsitzende wirft auch ein, dass trotz abgesagter Angebote die Kosten für Personal und Unterhalt gleich bleiben. So kosten nun nach der Wiederaufnahme des Betriebs die Übungsleiter 50 Prozent mehr. „Vorher wurden sie für eine Übungsstunde entlohnt, jetzt fallen durch Desinfizieren und Lüften eineinhalb Stunden an, zudem kann die Einheit nur mit weniger Teilnehmern belegt werden.“

Warum auch ein Sportvereins-Vorsitzender viel Kraft braucht

Positiv wertet Angerer deshalb die jetzige Verdoppelung des Sportförderzuschusses für die Vereine. „Doch dies wird nicht unsere anfallenden Kosten decken“, ist er sich sicher. Er rechne deshalb damit, dass Corona seinem Verein ein Minus bescheren wird. Dieser Verlust könne voraussichtlich nur deshalb gestemmt werden, weil der Klub in der Vergangenheit gut finanziell gewirtschaftet habe.

Immerhin hat der Verein aus Corona etwas gelernt. „Dass man unwahrscheinlich viel Kraft braucht, um alle Auflagen zu schultern und die sich dauernd ändernden Regelungen anzupassen“, antwortet Angerer. Doch zum Glück habe der Verein dazu die notwendige Männer- und Frauenpower. Der Vorsitzende freut sich jedenfalls, nach den Sommerferien das Vereinsangebot weiter öffnen zu können. „Doch ehrlich gesagt, wissen wir nicht, was uns im Herbst erwartet“, dämpft er allzu großen Optimismus.

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