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Fischach-Siegertshofen

05.10.2019

Tante Paulas begehrtes Erbe

Noch sind alle einträglich vereint: von links (vorne) Brigitte Karlinger, Brigitte Köbler, Marianne Koos und (hinten) Benni Wiest, Dirk Gerlach, Rupert Oechsle, Florian Auer, Stephan Fischer und Marion Kleber.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Gelungene Premiere bei den Theaterfreunde Siegertshofen: Die Komödie „Da kahle Krempling“ ist vergnüglich, spannend und pendelt zwischen Wunsch und Realität.

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, ja, dann wäre alles anders. Auch bei den Theaterfreunden Siegertshofen hat das kleine Wörtchen große Bedeutung, ist es bei der Premiere der Peter-Landstorfer-Komödie „Da kahle Krempling“ im Vereinsheim doch um eine ungeduldige Erbengesellschaft gegangen. Doch das Ableben der rüstigen und lebenslustigen Erbtante ist noch lange nicht in Sicht. Was tun?

Gleich vorweg: Der Dreiakter ist nicht nach den herkömmlichen Regeln der Komödie gestrickt. Er beinhaltet zwar Ironie und hintergründigen Humor und auch eine gewisse Leichtigkeit und übertriebene Darstellung von menschlichen Schwächen. Parallel dazu wird vom Ensemble aber dezent eine knisternde Spannung aufgebaut, gepaart mit unzulänglichen Charakteren, unterschwelligen Intrigen und Wortspiele, die sich schließlich in Sein und Schein begegnen, in Wunschtraum und Wirklichkeit.

Zu unterschiedlich sind die Charaktere

Dabei ist der Inhalt schnell erzählt. Die scheinbar reiche Tante Pauline – eine Rolle, die Brigitte Köbler auf den Leib geschnitten ist - lädt zu ihrem 70. Geburtstag ihre Nichten und Neffen ein, eine eigentlich – wie es Maisonette (Marion Kleber) nennt - „unpräsentable Verwandtschaft“. Zu unterschiedlich sind die Charaktere. Da ist Olga Fetzinger, köstlich gespielt von Marianne Koos, die gerne ein oder mehrere Gläschen Cognac trinkt. Möchtegern-Opernsänger Blasio Fortano träumt von der großen Karriere, an die die Anverwandten aber nicht so recht glauben wollen und ihn als „Leierkasten-Puccini“ abtun. Verkörpert wird er mit viel Bühnenpräsenz und Schwung vom erstmals bei den Theaterfreunden mitwirkenden Stephan Fischer.

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Rupert Oechsle mimt fetzig und derb den schlitzohrigen Hopfenbauern Lenz Feichtmeier. Ganz im Gegensatz zu der feinen Damen Brunhilde zu Löffelholz (Brigitte Karlinger) präsentiert sich ihr Bruder Otto Hasenfuß (witzig und gestenreich gespielt von Florian Auer). Er gibt sich als General aus, der kein Blut sehen kann, aber euphorisch von seinen Kriegsschlachten schwärmt. Mit dabei sind noch Hausdiener Heinrich - von Benni Wiest würdig und später mit viel Raffinesse gespielt - und Überraschungsgast Kriminalrat Findus Feigl (Dirk Gerlach), der seine Rolle punktgenau und charismatisch zugleich interpretiert.

Das Erbe soll zu gleichen Teilen ausbezahlt werden

Während des gemeinsamen Essens teilt Tante Paula der Verwandtschaft ihren letzten Willen mit: Das Erbe soll zu gleichen Teilen ausbezahlt werden. Allerdings mit der Bedingung, dass jeder Erbberechtigte ihr zu jedem Geburtstag als Zeichen der Wertschätzung ein Kuvert mit einem „symbolischen Geldbetrag“ überreicht. Im ersten Jahr „nur 70 Goldmark“, wie sie lächelnd betont. Danach verdopple sich die Summe jährlich bis ans Ende ihres Lebens. Den Geldsegen benötigt die Tante dringend: Sie hat ihr komplettes Vermögen bei Pferdewetten verloren. „Jeder geldgierige Verwandte ist besser als eine Bank“, meint sie in diesem Zusammenhang.

Erst allmählich dämmert es den Nichten und Neffen, welche Geldforderungen da auf sie zukommen. Das könne sehr, sehr teuer werden, meint der Hopfenbauer. Immerhin sei Tantchens Mutter 97 Jahre alt geworden. Köstlich dabei für das Publikum die Gesichtsmimik der Betroffenen anzusehen. Und plötzlich denken alle: Kann man die Lebenszeit der Tante nicht etwas verkürzen? Vorschläge werden unterbreitet: die Manipulierung ihres Autos, das Einseifen der Haustreppe, Rattengift oder - wie der vermeintliche General einwirft - „eine standrechtliche Exekution“.

Die Erben einigen sich auf einen Plan

Da meldet sich der Hausdiener zu Wort. Er wisse, gegen eine Erfolgsbeteiligung am Erbe, eine Möglichkeit, die Tat als perfekten Mord auszuführen. Dem Schwammerlgulasch, die Lieblingsspeise der Tante, solle der „Kahle Krempling“, ein sehr giftiger Pilz, beigefügt werden. Die Erbengesellschaft braucht nicht lange zu überlegen. Sie stimmt der Tat zu. Hier kommt jedoch das eingangs erwähnte Wörtchen „wenn“ ins Spiel.

Die Komödie lebt von originellen Charakteren, aufwendigen Kostümen, die ins gepflegte Bürgertum der Biedermeierzeit führen, und einem langsam aufgebauten kriminellem Drang. Auf der Bühne agiert lebensnah und authentisch ein glänzendes Ensemble, dem die Spielfreude anzusehen ist. Hinter und vor der Bühne tragen Verena Landherr und Nadine Rössle (Maske), Thomas Köbler (Technik), Luise Erlinger (Souffleuse) und Claudia Köbler (Inspizientin) zur erfolgreich gelungenen Inszenierung bei.

  • Info Weitere Vorstellungen finden am Samstag und Sonntag, 12. und 13. Oktober, sowie von Freitag bis Sonntag, 18. bis 20. Oktober, statt. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, außer sonntags um 19.30 Uhr. Karten im Vorverkauf gibt es bei Luise Erlinger unter der Telefonnummer 08204/429.
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