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Integration

26.02.2015

Teamgeist lernt man aus Verschiedenheit

Sigrid Puschner

Sigrid Puschner beschreibt das Leben an ihrer „bunten“ Gersthofer Mittelschule

„Meine Schule ist bunt – und ich finde das schön“, sagt Sigrid Puschner, die Leiterin der Gersthofer Mittelschule. Mit ihrem Lehrerteam setzt sie auf ein Miteinander von deutschen Schülern und Schülern mit Migrationshintergrund.

So wird versucht, alle Nationalitäten gleichmäßig auf die Klassen zu verteilen. „Heterogenität ist das Beste. Toleranz, Teamgeist, einander zu helfen lernt man auch durch Verschiedenheit.“ Von den 658 Schülern, die hier unterrichtet werden, haben 33,89 Prozent einen Migrationshintergrund. Von insgesamt 30 Klassen weisen vier einen Migrantenanteil von mehr als 50 Prozent auf.

Am geringsten ist dieser Anteil in den Ganztagsklassen. „Das liegt zum Teil daran, dass die Mütter von Migranten eher mittags noch zu Hause sind als in den deutschen Familien.“

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Da stößt die Schulleiterin bei den meisten Eltern auf Gegenliebe: „Auch viele türkische Eltern möchten nicht, dass ihre Kinder in türkisch dominierten Klassen unterrichtet werden.“ Überhaupt habe sie die türkische Gemeinde in Gersthofen als sehr offen und aufgeschlossen kennengelernt.

Allerdings lasse sich die Mischung der Schüler verschiedener Länder nicht immer machen, so Puschner. Ein Grund sind unterschiedliche Religionszugehörigkeiten. „Wir laufen fünfzügig über alle Jahrgänge. Es müssen Schüler jeglicher Konfession alle Sonderklassen besuchen können.“ Ein Problem ist dabei der Umstand, dass es wenig evangelische Schüler gibt. „Wir müssen die Religionsstunden da bündeln.“ So komme es aus rein organisatorischen Gründen vor, dass es rein muslimische Klassen gibt. „Bei allem Miteinander gibt es in der Gersthofer Mittelschule ein Prinzip“, betont Sigrid Puschner: „Ich dulde nicht, dass hier im Unterricht in der Schule beispielsweise Türkisch gesprochen wird.“

Beim Speisenangebot komme schon schon mal, dass Muslime sich weigern, etwas zu essen. Aber die Schule hat den Speiseplan ohnehin angepasst. „In der Pause gibt’s ein vielfältiges Angebot für die Schüler. Hier hat es nie Probleme gegeben.“ Und für die Ganztagsklassen stehen mittags ein normales Essen – grundsätzlich ohne Schweinefleisch – sowie ein vegetarisches Mahl zur Auswahl. „Es kommt schon vor, dass Schüler nachfragen, ob es Pute oder Schwein ist“, sagt die Schulleiterin. Und auch im Unterrichtsfach „Soziales“ werde nie mehr Schweinefleisch verwendet.

Auseinandersetzungen unter den Schülern gebe es schon, räumt Sigrid Puschner ein. „Aber darunter ist nichts, was durch Migration bedingt ist.“ Hin und wieder komme es aber vor, dass sich eine Situation aus Migrationshintergrund hochschaukelt. Probleme gebe es nicht zuletzt auch mit deutschen Schülern.

„Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, unabhängig von der Herkunft – Schüler überschreiten gegenüber ihren Mitschülern heutzutage leichter Grenzen als früher.“ Zugleich nehme die Fähigkeit ab, das eigene Verhalten zu überdenken und Fehler einzugestehen. „Es ist nicht schwierig, weil hier Migranten sind, sondern weil sich die Gesellschaft verändert hat.“

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