Newsticker
RKI meldet 12.257 Neuinfektionen und 349 Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Tempo 30: Markter malen Verkehrsschilder jetzt selbst

Biberbach

25.09.2020

Tempo 30: Markter malen Verkehrsschilder jetzt selbst

Mit selbst gemalten Schildern am Straßenrand verleihen Markter ihrer Forderung nach einem Tempolimit im Ort Nachdruck.
Bild: Marcus Merk

Plus Behörden blockieren bislang die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in Markt. Jetzt werden die Bewohner selbst aktiv.

Wer durch den Biberbacher Ortsteil Markt fährt, der wird von vielen kleinen Tempo-30 Schildchen begrüßt. Sie prangen - mal einzeln, mal in langen Reihen - an den Zäunen der Grundstücke und signalisieren, was in Markt vorherrschendes Thema ist.

Für das Empfinden der Einwohner wird vor ihrer Haustüre von zu vielen Autos viel zu schnell gefahren. Abkürzungsstrecke in Richtung Meitingen sei man seit der Eröffnung der Umgehungsstraße geworden; Ausweichstrecke für Lastkraftwagen und große landwirtschaftliche Fahrzeuge; seines Lebens sei man nicht mehr sicher im Dorf, so das Argument aus vielen Bürgerversammlungen, bei denen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung eingefordert worden waren.

Neue Tempo-30-Zonen in Markt

Sonnen- und Schlossstraße müssten zu Tempo-30-Zonen erklärt werden, so der Bürgerwille. Fehlende Gehsteige, Bushaltestellen in Kurven, Rad- und Pilgerwege, auf denen die Menschen durch den zunehmenden Verkehr gefährdet seien, zählen die Unterstützer einer Verkehrswende in Markt als Argumente auf.

Der Gemeinderat hatte dann auch die Einführung einer generellen Tempo-30-Regelung für Schloss- und Sonnenstraße beschlossen. Doch Polizei und Landratsamt sind nicht dafür. Für die Anordnung einer besonderen Geschwindigkeitsbeschränkung, und darum handle es sich bei einer Abweichung von der Regelgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern, müssten nach der Straßenverkehrsordnung rechtliche Gründe vorliegen, erläuterte Werner Reschke von der Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes. In einem Schreiben rät er der Marktgemeinde von der Geschwindigkeitsbegrenzung ab und weist darauf hin, dass die Begrenzung auf Tempo 30 rechtlich angreifbar wäre, sollte sich der Gemeinderat über diese Empfehlung hinwegsetzen.

Die Begründung: an der Sonnen- und Schlossstraße sei übliche Wohnbebauung vorhanden. Einrichtungen wie Einkaufszentren, Kindergärten oder ähnliches, die ein erhöhtes Aufkommen von Fußgängern erwarten ließe, gebe es nicht. Der Schutz der Fußgänger könne durch die schmalen Gehwege weitestgehend sichergestellt werden. Die Unfallsituation in Markt sei unauffällig. Unfälle, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind, gebe es nicht. Hohe Lärm- oder Abgasbelastungen seien aufgrund der vorliegenden Verkehrsmenge ebenfalls nicht zu erkennen und daher kein Anordnungsgrund für die reduzierte Geschwindigkeit ersichtlich. Ärgerlich, aber kein Grund aufzugeben ist der Brief für die Markter Bürger. Es gebe, anders als vom Verkehrsexperten ausgeführt, nur teilweise ausgebaute Bürgersteige. Auch das Argument, es gebe in Markt keine Schulen oder Kindergärten an den fraglichen Straßen, lässt Gemeinderätin Johanna Quis nicht gelten. Die Sicherheit von Schülern müsse auch an den Bushaltestellen garantiert werden. An den beiden Haltestellen, die in Kurven liegen, komme man um eine Tempo-30-Regelung ohnehin nicht herum. „Es kann nicht sein, dass kleine Orte zu Durchgangsstationen für die Autoverkehrsströme werden, ohne dass darauf reagiert wird“, so Quis.

Eine Verkehrszählung soll prüfen, ob die Beschränkungen eingehalten werden

Ob die von den Bürgern gefühlte hohe Verkehrsbelastung der Realität entspricht, soll nun eine zweiwöchige Verkehrs- und Geschwindigkeitszählung durch das Landratsamt ergeben. Die Resultate werden zeitnah im Gemeinderat vorgestellt, verspricht Bürgermeister Wolfgang Jarasch. Ob es sinnvoll sei, Schilder aufzustellen, die einer rechtlichen Überprüfung nicht standhalten könnten, sei dahingestellt, so der Bürgermeister.

Ein Kostenvoranschlag für eine bauliche Veränderung am Ortsausgang Richtung Meitingen liege vor. 120 000 Euro würde das kosten. Viel Geld für eine Gemeinde mit knapper Kasse und einer ganzen Reihe von Straßen, an denen die Bürger sich eine Geschwindigkeitsbremse wünschen.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren