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Bürgerversammlung

01.12.2018

Tempolimit bringt Bürgerzorn auf Touren

Mit ihren Plänen für die Gestaltung des Rathausumfeldes macht sich die Marktgemeinde wenig Freunde

Es sollte nach der Neugestaltung laut Planern mal „zur guten Stube und zum neuen gesellschaftlichen Mittelpunkt des Ortes“ werden. Die Rede ist vom Rathausumfeld und den angrenzenden Straßen und Gassen. Das millionenschwere Projekt rückte bei der Bürgerversammlung im Kernort tatsächlich ins Zentrum, allerdings in negativer Hinsicht.

Das schien Bürgermeister Bernhard Uhl schon zu Beginn der Veranstaltung zu schwanen: „Unsere Vorstellungen vom Vorplatz werden vom größten Teil der Bürgerschaft nicht akzeptiert.“ Später folgte eine hitzige Debatte im halb vollen St.-Albert-Saal.

Der hör- wie sichtbare Aufregungspegel stieg am deutlichsten bei der „Ewigkeitsgeschichte“ (Uhl), die seit Jahren neben Verwaltungen und Bürgervertretern offenbar auch zunehmend die Bewohner beschäftigt. „Man hat uns nicht ernst genommen und über unsere Köpfe entschieden“, zürnte ein Anlieger, der unter dem Applaus vieler eine Abstimmung aller zu dem Thema forderte und nicht nur im Gemeinderat. Dessen Vertreter waren an diesem Abend übrigens dick vertreten und zeigten auch bei anderen strittigen Punkten deutlich Flagge.

Das tat ebenso der Bürgermeister: „Wir brauchen eine Lösung, mit der die Bürger leben können“, betonte er und warb gleichzeitig um Verständnis für die städtebaulichen Belange und vor allem für die Förderfähigkeit, die bei der Gestaltung des Geländes berücksichtigt werden sollte. Sie kann, wie berichtet, bis zu 60 Prozent der entstehenden Kosten betragen. „Wir können da hinstellen, was wir wollen, aber die Regierung von Schwaben sagt, für einen Zuschuss gibt es bestimmte Vorgaben.“

Vor allem die vom Landratsamt geforderte und in einem Kompromiss mit der Polizei vorgeschlagene Temporeduzierung auf zehn Kilometer pro Stunde brachte einige Redner richtig in Fahrt. „Wie soll man das denn bitteschön einhalten“, gab ein Gast zu verstehen und erinnerte an die Tatsache, dass dort auch die Zufahrt zur Feuerwehr angelegt sei. „Soll man beim nächsten Einsatz mit dem Wagen oben stehen bleiben und zu Fuß zur Halle gelangen?“

Die Forderung auf Verzicht der Förderung sowie eine Neuplanung bereitete dem Versammlungsleiter Kopfzerbrechen: „So ein Vorgehen wäre langfristig nicht gut für die ganze Gemeinde“, warnte Bernhard Uhl, der zu Beginn der Debatte das Protokoll der Diskussion vom Vorjahr zückte und die abgehakten Bürgeranliegen vortrug. In diesem Zustand scheint sich auch das Projekt „Zusamklinik“ zu befinden, das laut Uhl „auf Eis liegt, weil wir mit dem Investor einfach nicht zusammenkommen“.

Ganz beim Bürger war Uhl in Sachen Belastung vor allem durch die teils rasant daherkommenden Brummis, aber auch die Vielzahl kleinerer Fahrzeuge. „Ich habe da volles Verständnis für die Klagen der Anwohner“, beteuerte der Bürgermeister, der davon ausging, dass die Umleitung bei Sortimo bald der Vergangenheit angehören dürfte. Allerdings konnte er keine Alternativen zu der ausgewählten Strecke anbieten, zumal im Saal vorgeschlagene Routen nicht befahrbar seien. Dem robust vorgetragenen Wunsch eines Besuchers, mal die Schäden in der Straße genauer unter die Lupe zu nehmen, wollte er Folge leisten.

Eine ganze Fraktion von Bürgern knöpfte sich das teilweise wilde Abstellen von Autos und anderen Transportfahrzeugen vor. Manche regten sich zum Beispiel über die Zunahme durch den Postumzug von Welden nach Zus auf, ein Hausbesitzer drohte gar mit Abschleppmanövern. „Solche Flächen fehlen überall im Ort“, fasste eine Frau die Misere zusammen, die auch der Bürgermeister auf dem Schirm hat. Uhl zeigte jedoch wenig Begeisterung beim Vorschlag, kurzerhand die Pfarrwiese nutzbar zu machen.

Ums liebe Geld ging es an dem kurzweiligen Abend ebenfalls. So beunruhigte ein Bürger der dargestellte Rücklagenschwund von achteinhalb Millionen Euro 2015 auf geschätzte 2,1 Millionen Euro in diesem Jahr. Ein anderer monierte dagegen den Schuldenzuwachs um mögliche fünf Millionen Euro. „Ob wir sie brauchen, wissen wir noch nicht“, reagierte Bernhard Uhl und verteidigte die Unsicherheit unter anderem mit den „vielen, vielen Rechnungen, die gerade bei uns eingehen“. Gemeint waren etwa Megaprojekte wie der neue und fertiggestellte Kindergarten (rund sechs Millionen Euro) oder die Ortsdurchfahrt von Vallried (zwei Millionen Euro). Solche guten wie schlechten „Schlagzeilen“ (Uhl) hatte der Bürgermeister vorsorglich in großen Schautafeln am Eingang jedem Ankömmling vors Auge gestellt.

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