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Erschließung

07.10.2017

Teurer Torf im neuen Gewerbegebiet

Probleme gibt es bei der Erweiterung des Gewerbegebiets Wollbach an der Autobahn mit dem Baugrund. Er muss ausgetauscht werden.
Bild: Marcus Merk

In Wollbach kommen ungeliebte Bodenschätze raus. Es entsteht ein Lärmschutzwall

Was früher beim Gartenhandel haufenweise eingekauft wurde, gilt bei Planern und Baufirmen heute als Teufelszeug, auf dem man nichts rechtes aufstellen kann: Torf. Dieser Aspekt, der auch viele andere Gemeinden beschäftigt, hat die Zusmarshauser Gemeinderäte bei der jüngsten Sitzung beinahe abendfüllend in Anspruch genommen. Grund ist die weitere Erschließung des rund 41000 Quadratmeter umfassenden Gewerbegebietes Wollbach, wegen der Zehntausende Kubikmeter des natürlichen Materials ausgehoben werden müssen.

Das selbst für einen Worldplayer wie das Büro Steinbacher-Consult große Projekt kostet inklusive der Straßenanbindungen und Renaturierungen fast drei Millionen Euro, wie stellvertretender Abteilungsleiter Christian Standl einräumte. Allein ein im Nordwesten geplanter Sicht- und Lärmschutzwall mit einer Höhe von fünfeinhalb Metern schlägt mit 280000 Euro zu Buche. In seinem finsteren Innern steckt von anderer Stelle entfernter Torf, der laut Straßenplaner Standl „unkontrollierbar ist und eine stabile Bebauung verhindern würde“. Will heißen, dass geplante Objekte auf ihm wie auf Sand gebaut ausfielen. Zuvor hatte schon Marktbaumeister Thorsten Völk darauf hingewiesen, wie wichtig die Entsorgung dieses Stoffes sei, der mit zahlreichen Schadstoffen wie etwa hauptsächlich Sulfat und zudem Arsen belastet sei. Die Notizen des prüfenden Spezialunternehmens aus Leipheim IFM lesen sich wie die Giftliste aus einem Horrorstück. Weshalb die Kontamination von Ost nach West zunimmt, konnte auch eine umfangreiche Bodenuntersuchung nicht vollständig herausfinden.

Die Aufzählung generierte Fragen, etwa nach dem besonders hohen Sulfateintrag. So bemühte Marcus Bermeitinger (SPD) gleich höhere Sphären: „Wo kommt das her oder ist es sogar gottgegeben?“ Auch als sich Fraktionskollege Harry Juraschek dem anschloss, konnte von den sehr auskunftswilligen Experten aus Neusäß keine weitere Erklärung mehr abgegeben werden. CSU-Fraktionschef Hubert Kraus, der ebenfalls aus eigener Erfahrung um die Zunahme des Torfanteils westlich der Zusam weiß, fand den großen Aufwand dieser Verlagerung den Preis wert: „Wir wollen ja das Gewerbe zu uns bringen.“ Auch wer schon dort ist, will expandieren. So ist für die 21000 Quadratmeter große Erweiterung von Chefs Culinar Süd ein weiteres Umgraben des unerwünschten Stoffes notwendig, insgesamt rund 25000 Kubikmeter.

Der davon profitierende Torfehügel nördlich des großen Chefs-Culinar-Firmengeländes, der unter anderem mit Lehm, Sand und Mutter Erde gedeckelt werden soll, wird später begrünt und bepflanzt, um den Einwohnern im Westen die unschönen Ansichten einer großen Gewerbezone zu ersparen. Den dafür und für weitere Stellen erforderlichen Landschaftspflegeplan stellte Bürokollegin Angelika Otto vor und versprach zum Beispiel „schöne Wiesen“. Wegen weiterer anfallender Torfe hatte sich Bodenspezialist IFM auf die Suche nach geeigneten Ablagestellen gemacht, weil solch ein Erdtausch nur zwischen geologisch ähnlich zusammengesetztem Untergrund erfolgen darf. Baumeister Völk: „Prinzip Gleiches zu Gleichem.“ Fündig wurde das Unternehmen südlich der Autobahn, wo Niedermoortorfe existieren und die Stoffe aus Wollbach auf drei Flächen verwertet werden sollen. Bei der größten werden über 21000 Kubikmeter verbaut und mit natürlichen Materialien sicher abgedichtet. Selbst die alten Römer kamen dabei im Rathaussitzungssaal zur Sprache. Sollte es in der Nähe der Ulmer Straße an historischen Fragmenten nur so wimmeln? Für Geschichtsbewahrung scheint der Marktgemeinde offenbar nichts zu teuer. Beschloss doch der Rat neben der notwendig gewordenen Änderung des Bebauungsplans den Schutz des Bodendenkmals gleich mit.

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