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Thierhaupten

14.09.2019

Thierhaupten geht neue Wege gegen die Personalnot

In der Kindertagesstätte Peter und Paul in Thierhaupten arbeiten (hinten von links) Sabrina Foag, Sandra Hörmann und Silvia Hammerl als Quereinsteigerinnen in den Berufen Kinderpflegerin und Erzieherin. Damit können (von links) Laura, Moritz, Daliah und Amelie im Kindergarten betreut werden.
Bild: Andreas Lode

Plus In Thierhaupten ergreifen eine Friseurin, eine Floristin und eine Schreinerin ihren Wunschberuf „Kinderpflegerin“. Wie klappt es mit der zweiten Karriere?

Viele Wege führen zum Beruf der Kinderpflegerin: Das beweist derzeit die Kindertagesstätte St. Peter und Paul in Thierhaupten. Drei Frauen haben sich dort, mitten im Leben stehend, für diese Tätigkeit entschieden. Dabei haben sie alle vorher andere Berufe erlernt.

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So war Sandra Hörmann aus Thierhaupten eigentlich Friseurin. Seit Juli nun hat sie offiziell ihren Abschluss als Kinderpflegerin in der Tasche und ist sehr stolz darauf. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt sie selbst und lächelt.

Eine zweijährige Umschulung zur Kinderpflegerin

Als Mutter von drei Kindern begann sie vor ein paar Jahren, in der Thierhauptener Einrichtung als Kindergartenhelferin zu arbeiten – anfangs nur, um die Kleinen beim Mittagsessen zu begleiten. Als es in einer Gruppe zu einem Engpass kam, setzte man sie dort zur Unterstützung ein. Bald darauf startete Hörmann mit ihrer zweijährigen Umschulung zur Kinderpflegerin im Berufsbildungszentrum Augsburg. Unterstützt wurde sie dabei vom Projekt „WeGebAU“ der Bundesagentur für Arbeit mit einem Zuschuss von 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent übernahm die Katholische Kirchenstiftung als Träger der Thierhauptener Einrichtung gemeinsam mit der Kommune, wie Kita-Leiterin Sieglinde Weidenauer betont.

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Weidenauer selbst sieht diese Art der Ausbildung und Förderung als eine große Chance, um gegen den „leer gefegten Personalmarkt“ anzukämpfen. Dabei bezeichnet die Kita-Leiterin den Start als ungelernte Hilfskraft im Kindergarten als „Einstiegsportal“. Neben Sandra Hörmann habe man auch in der ehemaligen Kindergartenhelferin Christin Reibe Potenzial entdeckt. Seit Anfang September stecke die ehemalige Floristin nun in ihrer Weiterqualifizierung, ebenfalls finanziell unterstützt vom Projekt „WeGebAU“.

Die bisher beste Entscheidung in ihrem Leben

Auch für Sabrina Foag ist es noch ein Jahr bis zur abgeschlossenen Umschulung zur Kinderpflegerin. Als gelernte Schreinerin war sie auf der Suche nach einem Job, der sich besser mit der Familie vereinbaren lässt. Um nachmittags mehr Zeit für ihren kleinen Sohn zu haben, absolvierte sie erst einen Kurs zur Tagesmutter inklusiver Praktikumstage in der Kindertagesstätte St. Peter und Paul – und kam so ebenfalls über Umwege zu ihrer jetzigen Ausbildung. „Das war die bisher beste Entscheidung in meinem Leben“, schwärmt Foag.

In der Thierhauptener Einrichtung gibt es insgesamt fünf Kindergarten-, zwei Krippen- und zwei Kombigruppen, beschäftigt sind 30 Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen. „Der Bedarf ist eben sehr groß“, sagt Sieglinde Weidenauer und gibt zu: „Ich hatte heuer zum ersten Mal Schwierigkeiten, Personal zu finden.“

Auch mehr Männer könnten für Entlastung sorgen

Die Kita-Leiterin vermutet, dass hier eine höhere „finanzielle Wertschätzung und eine Verbesserung der Aufstiegschancen“ helfen könnten. Auch mehr Männer in diesem Berufsfeld könnten in den Kindergärten für Entlastung sorgen, sie brächten „einen besonderen Vorbildcharakter für Buben und einen anderen Blickwinkel in die Kindertagesstätte“. Aber eben auch eine Umschulung für Erwachsene, die bereits einen Berufsabschluss haben, sei eine tolle Möglichkeit.

Neben einem solchen Umstieg zur Kinderpflegerin gibt es in Thierhaupten auch eine neue Erzieherin auf Umwegen: Silvia Hammerl war jahrelang Kinderpflegerin, ehe sie sich mit 44 Jahren dazu entschied, eine berufsbegleitende Weiterbildung zu machen. Vier Jahre lang besuchte sie neben ihrem Alltag im Kindergarten die Abend- und Wochenendschule der Fachakademie Maria Stern in Augsburg. Seit diesem September darf sich Hammerl offiziell Erzieherin nennen und wird in den nächsten Jahren ihre erste Gruppe als Gruppenleiterin übernehmen.

Deutlich wird: Nicht nur der direkte Weg gleich nach der Schule führt hinein in das Berufsfeld Kindergarten. Die Entscheidung zum Quereinstieg würde Sandra Hörmann so immer wieder treffen: „Es ist nie zu spät.“

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