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Justiz

15.03.2013

Todessturz vom Dach: Angeklagte räumen Fehler ein

Im Prozess um den Tod eines Bauarbeiters widersprechen sich der Prokurist, der Geschäftsführer und der Bauleiter

Augsburg/Langweid-Foret Im Prozess um den Tod eines tschechischen Bauarbeiters in Langweid-Foret räumten die Angeklagten am ersten Verhandlungstag ein, sich nicht genügend um Sicherheitsvorschriften am Bau gekümmert zu haben.

Im November 2011 war der Bauarbeiter auf das Dach einer Lagerhalle geklettert, durchgebrochen, acht Meter gestürzt und gestorben (wir berichteten). Der Prokurist der Hallen-Firma und der Geschäftsführer einer Betreiberfirma, der sich um den Ausbau einer Solaranlage auf dem Hallendach kümmern sollte, stehen wegen fahrlässiger Tötung und Baugefährdung vor dem Amtsgericht. Dem zuständigen Bauleiter wirft die Staatsanwaltschaft zusätzlich Anstiftung zur Strafvereitelung vor. Er soll die Kollegen des Arbeiters angewiesen haben, gegenüber der Polizei falsche Angaben zu machen.

Richter Christoph Dössinger wies die Angeklagten mehrmals auf einen Sicherheitsschutzplan hin, der im Vorfeld von Bauarbeiten gemacht werden muss, wenn diese eine Höhe von sieben Metern übersteigen. „Ich habe noch nie von einem solchen Plan gehört“, sagte der Bauleiter. Der Prokurist gestand, er habe sich für die Sicherheit auf der Baustelle nicht verantwortlich gefühlt. Der Geschäftsführer stellte erst nach dem Tod des tschechischen Arbeiters einen zuständigen Sicherheitskoordinator ein. Das Gericht muss nun die Frage beantworten, wer dafür geradestehen muss.

Todessturz vom Dach: Angeklagte räumen Fehler ein

Die Angeklagten widersprachen sich in ihren Aussagen zum Teil gegenseitig. Der Bauleiter sagte, nach dem Sturz des Arbeiters habe er mit dem Geschäftsführer der Betreiberfirma telefoniert. Dieser habe Andeutungen gemacht, dass der Arbeiter „vielleicht nach dem offiziellen Ende des Arbeitstages“ noch einmal auf die Halle geklettert sein könnte. Daraus habe der Bauleiter geschlossen, er solle die tschechischen Arbeiter instruieren, dass sie eine solche Version der Polizei schildern. Der Geschäftsführer bestritt das vehement, „nie im Leben“ habe er eine solche Andeutung gemacht.

Der Bauleiter wirkte vor Gericht gezeichnet; mehrmals stockte seine Stimme. Er habe am Tag des Todessturzes unter Schock gestanden, sagte der Angeklagte. „Ich habe zu dem Zeitpunkt nicht gewusst, was ich tue.“ Den Tschechen nahezulegen, eine falsche Version des Todessturzes zu erzählen, sei sicherlich ein Fehler gewesen. Der Bauleiter bestritt aber, von den Arbeitern gewarnt worden zu sein, dass das Dach rutschig wurde. „Ich habe auch keine Anweisung gegeben, weiterzuarbeiten.“

Im Frühling 2011 war bereits ein Arbeiter durch das Dach gebrochen und hatte mit zerschmettertem Becken und mehreren Rippenbrüchen überlebt. Der Bauleiter sagte, er habe bis zum Todessturz des Tschechen nichts davon gewusst. Dem widersprach der Prokurist der Hallenfirma. Er könne sich sehr genau daran erinnern, wie er dem Bauleiter davon erzählt hatte.

Ein Kollege des Toten erhob vor allem gegen den Bauleiter schwere Vorwürfe. Die Baustelle sei nicht genügend gesichert gewesen. „Wir hatten lediglich acht bis zehn Netze, dabei hätten wir 30 benötigt“, sagte der Zeuge. Es sei dunkel und rutschig geworden, und die Arbeiter hätten angefangen zu murren. Der Bauleiter habe jedoch gegenüber einem tschechischen Vorarbeiter darauf bestanden, dass noch gearbeitet wird. „Wir hätten sonst längst aufgehört“, sagte der Zeuge.

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