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Langweid-Stettenhofen

17.05.2015

Tornado-Opfer flüchten in das Pfarrheim

Metallteile auf dem Dach, geborstene Fenster – auch sie vermitteln nur einen schwachen Eindruck von der Urgewalt, der Stettenhofen ausgesetzt war.
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Metallteile auf dem Dach, geborstene Fenster – auch sie vermitteln nur einen schwachen Eindruck von der Urgewalt, der Stettenhofen ausgesetzt war.

Um ein Haar wäre das Pfarrhaus selbst vom Sturm getroffen worden. Dekan Georg Schneider erinnert sich an die Nacht

Am Anfang, sagt Dekan Georg Schneider, habe er sich noch gewundert über den plötzlich aufgetretenen starken Regen. Nach der Messe in der Kapelle des Eggelhofes war er gegen 21:30 Uhr nach Hause in sein Pfarrhaus nach Stettenhofen gekommen. „Ganz plötzlich hatte ich einen Druck auf den Ohren und dachte, nun ist das Schlimmste vorbei.“ Später wusste er: Das muss der Moment gewesen sein, in dem der Tornado knapp am Pfarrhaus vorbei geschrammt war. Schneider ahnte nichts und ging zu Bett – dass es eine lange Nacht werden würde, wusste er bis dahin noch nicht.

Gegen Mitternacht wachte er von Geräuschen im neben seiner Wohnung gelegenen Pfarrheim auf. „Die Feuerwehr hatte den Schlüssel vom Kirchenpfleger geholt“, erinnert sich Schneider. Als er nach draußen blickte, gingen die Menschen aus den beschädigten Häusern schon ins Pfarrheim. Man hatte wohl Rücksicht auf ihn nehmen wollen, da er erst kürzlich nach längerer Krankheit wieder seine Arbeit aufgenommen hatte, vermutet Schneider.

„Die Ruhe und Professionalität der Mitarbeiter des Roten Kreuzes und des Kriseninterventionsteams der Feuerwehr waren bewundernswert“, so Schneider. Es dauerte etwa drei Stunden, bis die plötzlich obdachlos gewordenen Menschen das Pfarrheim verliessen und mit Bussen in die Jugendherberge nach Augsburg gebracht wurden. Bis etwa vier Uhr blieb noch ein kleines Team des Roten Kreuzes vor Ort um eventuelle späte Hilfesuchende noch aufnehmen zu können. „Angesichts der immensen Schäden ist es ein wahres Wunder, dass niemand an Leib und Leben Schaden genommen hat. Doch an den seelischen Wunden werden die Betroffenen sicher lange leiden“, ist er überzeugt. „Hier sind wir als Christen gefordert alles in unserer Macht stehende zu tun um zu helfen.“ Bei einem frühmorgendlichen Gang durch die Gemeinde führte er Gespräche mit Mitbürgern, die ebenfalls von den Ereignissen noch sehr aufgewühlt waren. Die Kollekte im Feiertagsgottesdienst wurde spontan den Opfern des nächtlichen Schreckens gewidmet und glücklicherweise gibt es schon Angebote für dringend benötigten Wohnraum. Schneider berichtet vom Anruf einer Familie aus Haunstetten, die ihre möblierte Einliegerwohnung anbot. „Da muss man doch helfen“, hatten die Leute gesagt und er hofft, dass dieses Angebot viele Nachahmer findet.

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