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Thierhaupten/Gersthofen

29.06.2017

Treffen der Raketenbauer von morgen

Der kleine Treibstoffsatz wird elektrisch oder mit Feuer gezündet und schießt die Rakete bis in eine Höhe von etwa 100 Meter. Danach schwebt sie an einem kleinen Fallschirm zum Erdboden zurück.
Bild: Foto: Marcus Merk

Vier Tage Raketen bauen, fliegen lassen und analysieren: MINT-Schüler erklären, was sie an den Fluggeräten reizt

„Drei, zwei, eins“, zählt Veronika Merkl, wischt sich ihre blonden Haare aus dem Gesicht und drückt mit ihrem Daumen den roten Knopf der Auslösestation. An den Lechauen zwischen der Marktgemeinde Thierhaupten und dem Ortsteil Ötz will die 16-jährige Augsburgerin den Versuch wagen. Die Rakete hat sie zuvor mit einer Hand über das Feld getragen. Die 40 Zentimeter lange, 20 Gramm schwere, mit vier Gramm Kaliumperchlorat gefüllte Rakete schiebt sie vorsichtig über eine Führung auf die dreibeinige Startrampe. Der plattgeklopfte Bienendraht steckt im Zünder, das schwarze und rote Kabel ist mit der kleinen Energiestation am Boden verbunden.

Für eine halbe Sekunde geschieht nichts: Die weiße Rakete aus Papprohren, mit den drei weißen Flossen an der Außenseite und der roten Plastikspitze verharrt in der Startposition. Ein leichter Südostwind streicht über die Rakete. Plötzlich schlägt ein Funken über, ein lautes Zischen durchschneidet die idyllische Atmosphäre. Die Rakete schnellt in die Höhe, für einen Sekundenbruchteil schiebt die Sprengstoffladung den Flugkörper an, am Boden ziehen Rauchschwaden über die gemähte Wiese, es riecht wie an Silvester. Vier Sekunden lang bahnt sich die Rakete ihren Weg in den Himmel.

Der Höhenmesser verrät es nach der Landung: Exakt 100 Meter hoch ist die selbst gebaute Rakete gestiegen, dann löst der Motor den schwarz-roten Kunststofffallschirm aus. Nach nicht einmal einer halben Minute kreist die Rakete langsam nach unten.

Trotz der Sonne, die auf die freie Fläche brennt, starren 17 Schüler in den mit wenigen Wolken bedeckten Himmel. Sie nehmen am sogenannten MINT-EC-Camp Raketenflug teil. Im Excellence-Schulnetzwerk machen nur besonders begabte Schüler mit. MINT setzt sich zusammen aus den Unterrichtsfächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Vier Tage lang führen die Schüler naturwissenschaftliche Versuche an Hochschulen und in Unternehmen durch und ergänzen ihr schulisches Fachwissen durch die Praxis. Dabei lernen sie Studiengänge und Berufsbilder genauer kennen.

Die Gruppe in Thierhaupten interessiert sich für die Raketenwissenschaft und setzt sich aus Schülern aus ganz Deutschland zusammen. Allein acht der Teilnehmer stammen aus Bayern. Veronika Merkl kommt aus Augsburg und besucht dort das Jakob-Fugger-Gymnasium. Genau wie Jeremia Scholz. Der 16-Jährige kniet sich gerade auf den Boden, um die Rakete für den Start vorzubereiten, als Herbert Gründler mit dem Zeigefinger nach oben deutet. Der Vorsitzende der Raketenmodellsportgemeinschaft mit Sitz in Gersthofen sagt: „Immer den Luftraum beobachten.“

Scholz hat sich bei seinem ersten Flug nicht für die elektrische Zündung, sondern für die Variante mit dem Feuerzeug entschieden. Kaum hat die Flamme die grüne Zündschnur erreicht, hastet er mit kleinen Schritten in die Sicherheitszone, die 15 Meter von der Startrampe entfernt ist. Wie an einer Schnur gezogen rast die kleine Rakete senkrecht nach oben. „Bilderbuchstart“, attestiert Gründler, der zusammen mit seinem Kollegen Rainer Scherle den technischen Ablauf überwacht.

Die beiden waren es, die den Höhenmesser in der Referenzrakete installierten, um den Schülern später wichtige Messergebnisse liefern zu können. Denn nach dem Praxisteil geht es für die Teilnehmer des Camps zurück an die Hochschule.

Dort saßen die Schüler am Montag fast zwei Stunden lang zusammen und werkelten an ihren Raketen. Im Windkanal bei 240 Stundenkilometern wackelte das Modell keinen Zentimeter, nicht einmal vibriert habe es, sagen die Schüler.

Die erste Konstruktion einer Rakete – für Merkl und Scholz ein Erfolg. Die Rakete von Scholz ziert den Namen „Flitzbox Stellaris“. Sie segelt unbeschadet auf die Wiese nieder. Über den Jungfernflug sagt er: „Es hat Spaß gemacht, wir haben viel gelernt.“ Auch Merkl ist mit ihrem Pionierflug zufrieden: „Der Fallschirm hätte besser auslösen können, aber es hat sich gelohnt.“ Zeit für Dekoration sei ihr am Vortag im Vergleich zu ihren Mitstreitern nicht geblieben. „Lieber funktioniert die Technik, als dass die Rakete schön aussieht“ sagt sie und lacht.

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