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Hegnenbach

25.04.2015

Treibstoff für Hitlers „Wunderwaffen“

Über 200 Vertriebene wohnten ab 1947 auf dem Lerchenberg.
Bild: Konrad Friedrich

Vor 70 Jahren besetzten die US-Streitkräfte das geheime Paraxolwerk auf dem Lerchenberg. Was blieb von den Bunkern und Maschinenhäusern?

Auf einem rund 40 Hektar großen Areal, versteckt im Wald zwischen Rischgau, Emersacker, Hegnenbach, Zusamaltheim und Welden, wurde 1938 mit dem geheimen Bau eines Paraxolwerkes begonnen. Paraxol war der Grundstoff zur Herstellung von Raketentreibstoff für V1 und V2 Raketen, die zu den so genannten Wunderwaffen zählten, mit denen das NS-Regime den Zweiten Weltkrieg noch gewinnen wollte.

Im Wald entstanden vier große und zwölf kleinere Maschinenhäuser, zwei Luftschutzbunker, mehrere Pumpenhäuser, ein Wasserturm, eine Pumpanlage an der Straße Rischgau -Hegnenbach und eine Kläranlage. Im Hegnenbacher Gemeindewald wurde zudem ein mächtiger Betonbunker zur Lagerung des flüssigen Werkstoffes außerhalb der Anlage gebaut.

Im Jahre 1943 begannen die monatlichen Rohstofflieferungen. Die Belegschaft bestand damals aus knapp 200Frauen und Männern, darunter 20 internierte Italiener und 22 Arbeiter aus anderen Nationen.

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Mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Hegnenbach am 26. April 1945 wurde auch das Werk von den Amerikanern besetzt. Sie sprengten den Bunker im Wald. 1946 übergab die Militärregierung dem Landkreis Wertingen die Anlage zur Verwaltung. Eine Jahr später wurde das Werk demontiert und wanderte in die damalige Sowjetuion, die beiden Luftschutzbunker wurden gesprengt.

Im Frühjahr 1948 kommen die ersten Vertriebenen

Gemäß Kreistagsbeschluss des damaligen Landkreises Wertingen vom 22. Juli 1947 wurde im ehemaligen Paraxolwerk im Lerchenberg ein Flüchtlingslager eingerichtet. Im Frühjahr 1948 kommen die ersten Heimatvertriebenen nach Hegnenbach. Bis zu 225 Menschen wohnten zeitweise in zwei Häuserblocks. Außerdem wurden für das Lager noch mehrere Holzbarracken aufgestellt.

In den Backsteinhäusern entstanden in der Nachkriegszeit Handwerksbetriebe, wie Schreinerei, Färberei, Gerberei, Wollzupferei und ein Lebensmittelgeschäft aus Emersacker. 1950 wurde das Flüchtlingslager aufgelöst.

Die letzten Familien aber wohnten noch bis 1967 im Lerchenberg. Die Familie Manfred Reck war die letzte Familie, die aus den Baracken auszog.

Von 1961 bis 1994 mietete sich die Bundeswehr, das Korpsdepot 260 ein. Gefährliche Munition (bis zu 400 Tonnen) wurde in 32 eigens gebauten Bunkern eingelagert. Bewacht wurde die Anlage rund um die Uhr von 33 privaten Wachmännern. 1994 wurde das Depot aufgelöst. 1997 wurde das Gelände an eine Privatperson verkauft, die die einzelnen Bunker und Gebäude wiederum teilweise an Firmen vermietet.

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