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25.06.2009

Triumph auf sechs Saiten

Neusäß Ob ihm einfalle, was die Juroren beim Bundesentscheid von "Jugend musiziert" in Essen an seinem Auftritt auszusetzen hatten? Felix Spindler lacht. Der 13-Jährige aus Neusäß vergräbt sein Gesicht in den Händen und japst: "Das weiß ich gar nicht." Die Jury dürfte es auch nicht wissen. An der Gitarre hat Felix Anfang Juni bei dem Nachwuchswettbewerb die volle Punktzahl (25) erreicht und in seiner Altersklasse den ersten Platz belegt.

"Eigentlich wollte ich immer Schlagzeug spielen", sagt Felix und rückt etwas nervös seine grüne Kapuzenjacke zurecht: "Aber Mama hat das nicht erlaubt, es sei zu laut." Seit fast sieben Jahren spielt er jetzt Akustik-Gitarre. 45 Minuten jeden Tag. Und wie. "Felix ist ein Riesentalent", sagt sein Gitarrenlehrer Stefan Schmidt aus Friedberg. Für sein Alter habe sein Schüler einen "wunderbar weichen Ton". Den lässt Felix zu Hause am liebsten auf einer roten Ledercouch im Esszimmer erklingen. Drei Stücke musste er hier für den Wettbewerb einstudieren, neun Monate vorher hat er angefangen zu üben. Giuliani oder Bach: Felix paukt mit seinem Lehrer zusätzlich mindestens eineinhalb Stunden pro Woche. Von Schmidt sagt Felix, "er zieht das Ding durch". Schmidt lobt die "erwachsene" Spielweise. Zweifel habe er zwar auch vor seinem Auftritt vor der Jury und den Zuschauern im Saal in Essen gehabt, sagt Felix. Aber nur kurz. Schließlich war er nicht zum ersten Mal bei "Jugend musiziert".

Nach einer Solo- und einer Duoteilnahme setzte sich Felix heuer gegen 2758 Solisten an der Gitarre durch und sammelte damit nach dem zweiten Preis beim Ragowettbewerb für junge Gitarristen bereits den zweiten Bundestitel. Dabei gefiel ihm längst nicht jedes der drei Stücke, die er vorführte. Die für die Gitarre umgeschriebene Version der Cello-Suite No. 1 von Johann Sebastian Bach sei "ein bisserl langweilig", sagt der Schüler des St.-Stefan-Gymnasiums in Augsburg. Schnellere, abwechslungsreichere Stücke kämen ihm eher gelegen.

Privat steht er auf die US-amerikanischen Rocker von Linkin Park und findet auch an Hip-Hop Gefallen. Wenn er nicht Gitarre spielt, jagt er dem Tennis- oder dem Fußball hinterher. Sein Lieblingsklub: der Hamburger SV. Mindestens einmal im Jahr reist Spindler in die Elbstadt und besucht gemeinsam mit seinem Vater ein Spiel des Bundesligisten. "Ich habe Heim- und Auswärtstrikots und alle Schals. Naja, vielleicht nicht alle", sagt er und lacht. Fußballer will er später aber nicht werden, auch Berufsgitarrist nicht unbedingt. Felix: "Im Moment bin ich mir da noch nicht so sicher." Damit scheidet auch der Beruf des Rockgitarristen aus. Dabei wollte Felix früher nicht nur gern auf dem Schlagzeug trommeln, sondern auch die elektrische Gitarre spielen. Die Nachbarn in Neusäß wird es freuen: Rockmusik ist alles, nur nicht leise.

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