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Corona-Gipfel beendet: Lockdown wird verlängert, aber Öffnungen sind möglich
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Landkreis Augsburg

17.02.2021

Trotz Corona: Friseure bereuen Schritt in Selbstständigkeit nicht

Friseurmeisterin Annette Baumeister hat im November ihren Friseursalon Haarraum in Königsbrunn eröffnet.
Bild: Victoria Schmitz

Plus Hinter den Friseuren und Kosmetikerinnen aus dem Landkreis Augsburg liegen harte Monate. Warum sie trotzdem optimistisch sind.

Seit Mitte Dezember sind Friseure im zweiten Lockdown und müssen ihre Läden, zumindest noch bis März, geschlossen lassen. Fußpflegerinnen müssen sich auf den medizinischen Teil ihres Angebots beschränken. Im Landkreis Augsburg ließen sich einige von ihnen von der ersten Schließungsphase nicht davon abhalten, neue Salons zu gründen. Für unsere Serie über Unternehmer, die vergangenes Jahr den Neustart wagten, hat unsere Redaktion mit drei dieser Mutigen gesprochen.

Einen eigenen Friseursalon aufzumachen war schon seit längerer Zeit Annette Baumeisters Traum. Ende vergangenen Jahres war nach einem Jahr Babypause und einem längeren Angestelltenverhältnis der ideale Zeitpunkt da. Am 10. November machte der Königsbrunner Salon Haarraum auf. Dass sie nach nur vier Wochen Öffnung am 15. Dezember wieder schließen müsse, konnte die Friseurmeisterin nicht erahnen. Allerdings: Negativ beeinflusst habe Corona ihre Selbstständigkeit nicht, sagt Baumeister.

Königsbrunner Salon Haarraum ist ein Einmannbetrieb

Ihr Salon ist ein Einmannbetrieb, das heißt, außer ihr ist nur ein Kunde im Salon. Schon bei ihrer kurzzeitigen Öffnung im November hat sie dies als sehr angenehm empfunden, da sich Hygiene-Vorschriften gut umsetzen ließen. Obwohl Baumeister eine Schließung finanziell nicht einkalkuliert hat, hatte sie Glück im Unglück: Da der Salon im Untergeschoss ihres eigenen Wohnhauses liegt, musste sie keine Miete zahlen. Dennoch musste auch sie auf einen Lohn verzichten.

Die "Zwangspause" machte sie hauptsächlich traurig. Da sie gerade erst eröffnet hatte, wollte die Friseurmeisterin durchstarten und neue Kunden aufnehmen. Nun suchte sie andere Wege, um den Kundenkontakt aufrechtzuerhalten: Baumeister pflegt aktiv die Facebook-Seite ihres Salons. Außerdem verkauft sie weiterhin Pflegeprodukte und Haarfarbe für zu Hause und berät Kunden telefonisch. Für die Kundenbindung sei das optimal, finanziell aber nur "ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein".

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat Baumeister trotz finanzieller Einbuße nicht bereut. Sie sagt, über die Wochen habe ihr "eine Öffnung als Lichtblick Kraft" gegeben. Jetzt, wo das Öffnungsdatum feststeht, spürt sie Wertschätzung der Kunden und wie froh diese sind, wieder zum Friseur zu dürfen. Während des Lockdowns erhielt sie schon zahlreiche Anfragen für Hausbesuche, auch von Kunden, die noch nie bei ihr waren. Ab dem 1. März ist Baumeisters Terminkalender für drei Wochen komplett gefüllt.

Stadtberger Friseur Karsten Peter plante den zweiten Lockdown ein

Auch Karsten Peter aus Stadtbergen kann sich vor Anfragen kaum retten seit das Öffnungsdatum feststeht: "Seit gestern glüht das Telefon. Jeder wollte sofort einen Termin haben", sagte er. Er eröffnete seinen Salon in Stadtbergen im Oktober vergangenen Jahres.

Friseur Karsten Peter hat kurz vor dem zweiten Lockdown seinen Friseur-Laden in Stadtbergen eröffnet. Jetzt freut er sich auf die Wieder-Öffnung.
Bild: Marcus Merk

Obwohl er Mitte Dezember schon wieder schließen musste, und somit bis zur Wiedereröffnung am 1. März etwa genauso lange geschlossen gehabt haben wird wie offen, sagt er: "Ich habe es zu keinem Zeitpunkt bereut." Und auch jetzt, nach zwei Monaten ohne Kundschaft steht der Friseur hinter seiner Entscheidung. "Ich würde es jederzeit wieder machen, trotz der schwierigen Situation", sagt Peter.

Die Selbstständigkeit sei immer sein Traum gewesen. Durch Zufall sei dann vergangenes Jahr der Laden in der Dr.-Frank-Straße frei geworden. Peter zögerte keine Sekunde: "Das war's für mich, ich hab mich sofort wohlgefühlt." Dennoch ging er die Herausforderung nicht blauäugig an.

Der Friseur aus Stadtbergen erteilt Hausbesuchen eine Absage

"Es war mir jederzeit klar, dass wieder mal ein Lockdown kommen würde", sagt der Saloninhaber. Diese Aussicht hatte er finanziell eingeplant. Peter konnte dadurch bisher die 60 Prozent Kurzarbeitergeld seines Mitarbeiters auf dessen volles Gehalt aufstocken.

Obwohl Friseursalons seit zwei Monaten geschlossen haben, sehen einige Menschen weiterhin frisch frisiert aus. Wurde Peter um private Haarschnitte gebeten? "Es gab einige Fälle, da musste ich aber eine Absage erteilen", sagt er. Für ihn als Start-up sei Schwarzarbeit besonders heikel. Außerdem wolle er seine Qualität ja im Salon verkaufen. Die könne er bei Hausbesuchen nicht im gleichen Maß gewährleisten, sagt Peter. Die letzten Tage vor der Wiedereröffnung nutzt er, um die letzten Details des Hygienekonzepts auszuarbeiten.

Zweites Standbein als Rettung für Friseure im Kreis Augsburg

Auch die Königsbrunner Fußpflegerin Gisela Bußjäger-Jung hat den Schritt in die Selbstständigkeit vergangenes Jahr nicht bereut. Im Januar 2020 empfing sie die ersten Kunden im Salon Fußpflege Gisela im Untergeschoss ihres Hauses. Hier bietet sie sowohl medizinische als auch kosmetische Fußpflege an.

Gisela Bußjäger-Jung darf aktuell nur medizinische Fußpflege anbieten. Normalerweise empfängt sie in ihrem Salon in Königsbrunn auch Kundschaft zur kosmetischen Fußpflege.
Bild: Marcus Merk

Ersteres sei "die Rettung ihres Lebens" gewesen: Denn als ausgebildete medizinische Fußpflegerin durfte sie auch während des zweiten Lockdowns weiterhin Kunden empfangen, da Fußpflege als medizinisch notwendige Behandlung gilt. Darüber hinaus sei die kosmetische Fußpflege, wie das Nägellackieren, über die Herbst- und Wintermonate ohnehin nicht groß gefragt.

Im Frühjahr 2020, als sie nur wenige Wochen nach der Eröffnung für fast zwei Monate schließen musste, konnte sie auf die finanzielle Abfindung ihres vorherigen Jobs zurückgreifen. So gab es zwar Einbußen, die aber nicht existenziell waren. Da sie zuvor als Angestellte im Außendienst gearbeitet hatte, sehnte sie sich danach, direkt mit Menschen zu arbeiten, und wollte weg von Termindruck und Büroarbeit. Dank Abfindung und dem zweiten Standbein der medizinischen Fußpflege nennt sie ihren Start in die Selbstständigkeit vergangenes Jahr "Glück im Unglück".

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