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Landkreis Augsburg

29.12.2020

Trotz Corona-Impfstart: Das Hoffen und Bangen in den Heimen geht weiter

Im Johann-Müller-Altenheim in Langerringen wurden am Sonntagnachmittag die ersten Bewohner im Landkreis Augsburg geimpft. In anderen Einrichtungen bleibt die Corona-Situation weiterhin angespannt.
Bild: Marcus Merk

Plus Die ersten Bewohner sind geimpft. Doch die Corona-Situation in den Alten- und Pflegeheimen im Landkreis Augsburg bleibt angespannt.

Es ist eine traurige Bilanz: Seit Beginn der Pandemie sind 57 Bewohner von Alten- oder Pflegeeinrichtungen an oder mit Covid-19 gestorben. Derzeit sind 58 Bewohner in zwölf von 25 Alten- und Pflegeeinrichtungen im Augsburger Land positiv auf das Coronavirus getestet. Auch die Personalsituation bleibt angespannt.

Im Zusmarshauser Seniorenheim St. Albert brach das Virus kurz vor Weihnachten aus. Vor einer Woche wurden 25 Bewohner und zwölf Mitarbeiter positiv getestet. Mittlerweile habe sich die Lage etwas beruhigt, sagt Heimleiter Wolfgang Lichtblau. Demnach wurde zuletzt nur noch ein Bewohner positiv getestet, neue Tests der Mitarbeiter standen am Dienstag noch aus. Von den betroffenen Bewohnern sind nach der Infektion drei gestorben, zwei weitere mussten im Krankenhaus behandelt werden. Lichtblau betont aber, dass die Bewohner wohl nicht wegen des Virus gestorben seien.

Personalsituation in den Heimen ist weiterhin angespannt

Weiter angespannt bleibt in Zusmarshausen die Personalsituation. Weil viele Mitarbeiter in Quarantäne sind, sei man auf Unterstützung angewiesen. Die komme unter anderem aus dem Pflegepool der Heimaufsicht des Landkreises, sagt Heimleiter Lichtblau. Wichtig sei aber auch die ehrenamtliche Hilfe aus der Bevölkerung. Lichtblau hofft, dass man die Lage im Heim durch Isolation der Betroffenen weiter in den Griff bekommt. Bis die Bewohner in Zusmarshausen geimpft werden, werde es wohl noch einige Wochen dauern. Solange einige Bewohner infektiös sein könnten, könne nicht geimpft werden, so Lichtblau. Grundsätzlich sei die Bereitschaft unter den Bewohnern und deren Angehörigen aber groß.

Weiterhin von Corona betroffen ist auch das Paul-Gerhardt-Haus in Gersthofen, das zur Diakonie Augsburg gehört. Auch dort haben sich etliche Bewohner und Mitarbeiter mit dem Virus angesteckt. Aktuelle Zahlen lagen am Dienstag nicht vor. In der Zeit von Mitte Dezember bis kurz vor Weihnachten hatten sich dort 28 Bewohner und sieben Mitarbeiter angesteckt. Zwei der positiv getesteten Bewohner sind in diesem Zeitraum gestorben.

Die Corona-Krise hat das Haus Raphael in Schwabmünchen schlimm getroffen

Schlimm getroffen hat es auch das Haus Raphael in Schwabmünchen. In dem Pflegeheim sind 16 Menschen, bei denen das Coronavirus nachgewiesen worden war, gestorben. Sie waren zwischen 74 und 93 Jahre alt. Von den 34 Einwohnern haben sich 30 infiziert. Die Bewohner, die zwischenzeitlich in anderen Einrichtungen untergebracht waren, sollen noch in diesem Jahr ins Haus Raphael zurückkehren.

"Wir haben im Mitarbeiterkreis im Rahmen eines Gedenkgottesdiensts von den verstorbenen Bewohnern Abschied genommen. An Silvester wird es eine kleine Trauerfeier mit den Mitbewohnern geben", sagt Einrichtungsleiter Andreas Claus. Die anderen Senioren seien, wenn auch teilweise geschwächt, wieder in stabilerer Verfassung und scheinen die Covid-19-Erkrankung überstanden zu haben. "Die Quarantäne wurde für die meisten Bewohner zwischenzeitlich aufgehoben. Es muss aber weiter mit umfangreicher Schutzausrüstung gearbeitet werden", sagt Claus.

Trotz der schwierigen Situation hat es in der Einrichtung eine Weihnachtsfeier im kleinen Kreis, mit Abstand und zusammen mit Pflege- und Betreuungskräften gegeben. Angehörige konnten die Heimbewohner besuchen, wenn sie einen negativen Test vorlegten. Es wurden auch Schnelltests vor Ort durchgeführt. "Natürlich lag über der Weihnachtsstimmung auch die Trauer um jene, die nicht mehr mitfeiern konnten. Für uns alle, Bewohner wie Mitarbeiter, waren es stillere, nachdenklichere Weihnachten als sonst. Wir vermissen die verstorbenen Bewohner. Zugleich fühlen wir uns mit jenen Einrichtungen verbunden, die aktuell mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen haben", so Heimleiter Claus.

Im Haus Raphael soll noch in diesem Jahr geimpft werden

Noch in diesem Jahr sollen die Impfungen im Haus Raphael stattfinden, so die Planungen, und zwar sowohl für die Bewohner als auch für das Personal. "Nach den uns aktuell vorliegenden Informationen können und sollen auch Personen geimpft werden, die an Covid-19 erkrankt waren, nun aber wieder negativ getestet und symptomfrei sind", sagt Claus.

Trotz Corona-Impfstart: Das Hoffen und Bangen in den Heimen geht weiter
26 Bilder
So verlief der Corona-Impfstart im Landkreis Augsburg
Bild: Marcus Merk

In der Johann-Müller-Altenheimstiftung in Langerringen ist man bereits einen Schritt weiter. Dort wurden am Sonntag die ersten Bewohner und Mitarbeiter im Landkreis Augsburg geimpft. Weil zunächst unklar war, ob die erste Charge des Impfstoffs richtig gelagert wurde, verzögerte sich der Start bis in den späten Nachmittag. "Es war für alle Beteiligten Neuland", sagt Stiftungspfleger Michael Brzeski.

Organisatorisch sei es ein enormer Aufwand gewesen. Das Personal musste aufgestockt werden, um den Ablauf stemmen und die Bewohner während des Prozedere begleiten zu können. Um Kontakte auf den einzelnen Zimmern zu vermeiden, wurde der Essraum zur zentralen Impfstation mit drei Plätzen umfunktioniert. Das Impfteam richtete die zur Datenerfassung notwendige EDV-Struktur ein. So konnten am Sonntagnachmittag und Montag die ersten Impfdosen gespritzt werden.

Mitte Januar soll die zweite Impfung in der Einrichtung erfolgen

Etwa 80 Prozent der rund 70 Bewohner hätten sich impfen lassen, schätzt Brzeski. Einige seien erleichtert gewesen, andere seien etwas verunsichert gewesen wegen möglicher Impffolgen. Brzeski selbst ließ sich ebenfalls spritzen. "Ich habe nichts gespürt, es war wie bei jeder anderen Impfung", sagt er. Bislang habe es keine Probleme wegen der Impfungen gegeben.

Wenn alles nach Plan läuft und ausreichend Dosen verfügbar sind, soll am 18. Januar die zweite Impfung in der Einrichtung erfolgen. "Ich bin natürlich froh, dass es jetzt losging", sagt Brzeski. Aber es gebe Menschen im Heim, die nicht geimpft seien. Ihm ist deshalb wichtig, dass die strengen Hygienemaßnahmen weiterhin eingehalten werden. "Wir sollten jetzt nicht nachlässig werden", sagt Brzeski.

Was den Ablauf der Impfung angeht, ist Brzeski insgesamt zufrieden: "Für die Kürze der Zeit ist es gut gelaufen. Es war mit so vielen Hürden verbunden und natürlich auch mit Anspannung und Stress. Aber alle haben an einem Strang gezogen und ihren Beitrag geleistet." Er habe dem Landratsamt bereits Rückmeldung gegeben. Brzeski geht davon aus, dass sich der Impfablauf in den kommenden Wochen stabilisieren und es für die nächsten Einrichtungen bereits einfacher wird.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Impfung hat begonnen: Doch die Verwirrung ist groß

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