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München überschreitet Corona-Grenzwert
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Landkreis Augsburg

15.06.2020

Trotz Corona-Lockerung: Busunternehmer aus der Region üben scharfe Kritik

Nussbaum Reisen hat sich bereits an einer Demo in München beteiligt, um auf die wirtschaftliche Not aufmerksam zu machen. Es fand ein Korso vor dem Wirtschaftsministerium statt.
Bild: Nussbaum Reisen

Plus Die Corona-Pandemie hat auch die Ausflüge mit dem Bus gestoppt. Doch über die Startbedingungen sind Unternehmer aus der Region alles andere als zufrieden.

Reisebusse dürfen wieder auf Fahrt gehen. Doch glücklich sind die Busunternehmer darüber nicht wirklich. Die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer und des europäischen Auslands seien eine Zumutung für Reisegäste und Veranstalter, sagt Claudia Ziegelmeier von Helmut Ziegelmeier Reisen in Fischach.

Schützenhilfe erhält sie von Markus Fleiner, Geschäftsführer von Nussbaum-Reisen in Biburg. „Die derzeitigen Regelungen sind ein inakzeptabler Weg. Damit kann man die Reisebusbranche nicht auf Vordermann bringen.“ Der Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband mit Sitz in Köln, Benedikt Esser, spricht gar von einem „vollendeten Chaos“. In der Corona-Krise sei es zentrale Funktion des Bundes, für einheitliche bundesweite Regeln zu sorgen. „Diese primäre Aufgabe erfüllt der Bund bislang überhaupt nicht“, betont er kämpferisch.

Gruppenreisen sind weiterhin verboten

Der Anlass des Ärgers: Organisierte touristische Busreisen, also auch Tagestouren oder Gruppenfahrten, dürfen zwar wieder stattfinden - aber nur teilweise. Über die Bedingungen entscheiden die Bundesländer. Und diese sind zum Teil sehr unterschiedlich. So schreibt Bayern unter anderem eine Mund-Nasen-Bedeckung vor und zwischen Personen einen Abstand von 1,5 Meter - Ausnahme: Personen eines Haushalts - einzuhalten. Außerdem gilt hier ein Verbot von Gruppenreisen. Im Ausland ist der Reisebusverkehr wiederum anders geregelt.

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Markus Fleiner rechnet vor: „Demnach darf ich meinen Bus in Bayern nur mit maximal 15 bis 17 Reisenden belegen.“ Doch das sei wirtschaftlich gänzlich unrentabel. So könne die Reisebusbranche nicht arbeiten. Unterstützung bekommt er von Claudia Ziegelmeier. „Die laufenden Kosten gehen ja weiter“, sagt sie. „Eine Busanschaffung kostet zwischen 320.000 und 450.000 Euro.“ Bei einem Ausfall der Rückzahlung hätten die Banken sicherlich wenig Verständnis. „Hinzu kommt, dass die Reisebusunternehmen eine der kostenintensivsten Branchen sind“, ergänzt Fleiner.

Apropos Geld: Die erhaltene Soforthilfe wertet Claudia Ziegelmeier lediglich „als einen Tropfen auf dem heißen Stein“. Auch das Konjunkturpaket der Bundesregierung helfe ihrer Meinung nach nicht wirklich weiter. „Für uns ist es zu pauschal“, urteilt sie. Darüber hinaus fehle es an klaren Strukturen. Fleiner bezeichnet das Paket als „ungenügend und vollkommen unzureichend“.

 

Beiden ist auch ein Dorn im Auge, dass die Bundesregierung die massiven Schäden des bisherigen Fahrverbots für Reisebusunternehmen seit dem 17. März vollkommen außer Acht lasse. In diesem Zusammenhang verweist Claudia Ziegelmeier auf ihre aktuell abgemeldeten Reisebusse. „Das zeigt, dass unserer Branche nach wie vor Stillstand hat.“ Ihre einfache Rechnung dazu: „Leere Busse ist gleich leere Kasse“.

Firmen fordern Gleichbehandlung

Ihre Sorgen wollen Claudia Ziegelmeier und Markus Fleiner deshalb öffentlich zeigen, und zwar im Rahmen einer Großdemonstration am 17. Juni in Berlin. „Dort fordern wir einheitliche Corona-Regelungen im Reisebusverkehr für ganz Deutschland“, erklären sie unisono. Es müsse eine Gleichbehandlung mit anderen Verkehrsmitteln wie Bahn und Flugzeug kommen. Beide befürworten auch eine Klage auf Schadensersatz für die Folgen des Fahrverbots für Reisebusse, die als einziges Verkehrsmittel mit einer derartigen Komplettsperre belegt worden seien.

Nicht bange ist ihnen jedenfalls vor der Rückgewinnung von Kunden. „Die Leute sind inzwischen hungrig auf Reisen und Erlebnisse“, zieht Claudia Ziegelmeier Bilanz. „In unserem Reisebüro stellen wir eine verstärkte Nachfrage nach Urlaubszielen fest.“ Markus Fleiner präsentiert sich ebenfalls optimistisch, „auch wenn es zur Normalität noch ein langer Weg“ sei. Sein Unternehmen starte jedenfalls, unter Einhaltung der Hygiene-Schutzmaßnahmen, bereits mit Tagesfahrten in Bayern, um wieder Interesse zu wecken.

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