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Kreis Augsburg

13.05.2019

Typisierung: Hunderte Menschen wollen der krebskranken Emma helfen

Knapp 900 Menschen ließen sich in Horgau registrieren, um der kleinen Emma zu helfen. Das Mädchen hat Blutkrebs.
Bild: Druckhey

Plus Das einjährige Mädchen hat Blutkrebs und braucht dringend einen Stammzellenspender. Fast 900 Menschen kommen zur Typisierung nach Horgau - darunter auch prominente Gesichter.

Die Helfer hatten sich gerade an den Tischen verteilt, da standen schon die ersten Besucher in der Rothtalhalle Schlange. Sie alle hatten ein Ziel: Sich typisieren zu lassen und im Notfall Leben zu retten. Denn die einjährige Emma leidet an Blutkrebs. Um zu überleben, braucht das Mädchen dringend einen Stammzellenspender. Ihr Onkel Simon Vogel aus Horgau hatte die Spendenaktion am Samstag organisiert. Mit vollem Erfolg.

Nach einer halben Stunde hatten sich über hundert Menschen registrieren lassen. Einer von ihnen ist Michael Kugelmann aus Kutzenhausen. „Ich hoffe, ich kann dem kleinen Mädchen oder anderen Menschen, die an Blutkrebs leiden, helfen“, sagt der 32-Jährige. Er habe selbst eine kleine Tochter. Immer wieder habe er daran gedacht, sich typisieren zu lassen, es aber nie geschafft. „Ich weiß gar nicht genau, wie das abläuft, aber ich freue mich darauf“, sagt Kugelmann und schon sitzt er einem der vielen Helfer gegenüber.

Die einjährige Emma braucht dringend einen Stammzellenspender

Für die Typisierung werden beim potenziellen Stammzellenspender mit drei Wattestäbchen Wangenabstriche genommen. Diese werden dann im Labor auf genetische Merkmale hin untersucht. Die Ergebnisse werden in das zentrale Knochenmarkspender-Register aufgenommen. So kann weltweit nach passenden Spendern gesucht werden. Denn bei Menschen mit Blutkrebs funktioniert das blutbildende System im Körper nicht mehr. Sie sind auf die Stammzellenspende eines genetischen Zwillings angewiesen. Den zu finden ist nicht einfach.

Knapp 900 Menschen ließen sich in Horgau registrieren, um der kleinen Emma zu helfen. Mit Wattestäbchen wurden Abstriche genommen.
Bild: Marcus Merk

Julia Stocker aus Horgau steht mit ihrer Tochter auf dem Arm Schlange, um sich registrieren zu lassen. Auch sie hofft, der kleinen Emma oder anderen Menschen mit Leukämie helfen zu können. „Ich wollte mich seit Längerem typisieren lassen, war aber wegen meiner Schwangerschaft gesperrt“, sagt die 35-Jährige. Bis vor Kurzem war die Typisierung nur über eine Blutspende möglich. Mit den Wattestäbchen hat sich das Prozedere vereinfacht. Nach zehn Minuten ist Stocker als potenzielle Spenderin registriert.

Organisator Simon Vogel ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft. „Die Menschlichkeit ist überragend“, sagt er. Wochenlang warb er für die Registrierungsaktion, ließ 10000 Plakate und Flyer drucken. Alles, um seiner einjährigen Nichte Emma, die mit ihren Eltern in Berlin lebt, zu helfen. Das kleine Mädchen hat ihren sechsten Chemoblock hinter sich. Derzeit liege sie wieder im Krankenhaus, sagt Vogel. Sie könne kaum essen, weil alles schmerzt. Aber Emma und ihre Eltern seien stark. Vogel hofft, mit der Aktion in Horgau einen genetischen Zwilling zu finden, der seiner kleinen Nichte mit einer Stammzellenspende das Leben rettet.

AEV-Profi Henry Haase ließ sich auch typisieren

Die Anteilnahme am Samstag war riesig. 898 Menschen kamen in die Rothtalhalle nach Horgau, um sich als potenzieller Stammzellenspender registrieren zu lassen – darunter auch Prominente wie der AEV-Profi Henry Haase. „Ich finde es schön, wenn sich Menschen gegenseitig helfen, egal ob sie sich kennen oder nicht“, sagte der 25-jährige Eishockeyspieler. Mit dabei war sein Team-Kollege Arvids Rekis. Dieser hatte sich schon vor einiger Zeit typisieren lassen und unterstützte die Aktion mit einer Autogrammstunde.

Simon Vogel ist der Onkel der kleinen Emma. Er organisierte die Typisierungsaktion in Horgau.
Bild: Marcus Merk

Wie Rekis kamen einige Besucher nach Horgau, die schon in die Knochenmarkspenderdatei aufgenommen waren. Sie brachten Kuchen oder hinterließen eine Geldspende. Insgesamt kamen am Samstag 12.028 Euro zusammen. Eine Typisierung kostet die gemeinnützige Organisation DKMS pro Person 35 Euro. „Für uns zählt jeder Euro“, sagt Brigitte Lehenberger von der DKMS. Auch sie freute sich, dass so viele Menschen dem Aufruf gefolgt sind. Zeitgleich zu der Aktion in Horgau fanden zwei weitere Typisierungen in Velten bei Berlin und in Braunschweig statt. Insgesamt ließen sich 2152 Menschen registrieren.

90 Helfer engagierten sich freiwillig

Möglich machten das in Horgau die über 90 freiwilligen Helfer. Sie erklärten den potenziellen Spender alles rund um die Typisierung, schminkten die Kinder oder verkauften Kuchen. Sechs Helfer zogen in Star-Wars-Kostümen durch die Halle, um die Kinder zu unterhalten, während sich die Eltern typisieren ließen.

Auch Helen Stroh aus Horgau unterstützte die Aktion. „Für mich war sofort klar, dass ich mithelfe“, sagt sie. Die kleine Emma stehe stellvertretend für andere Menschen, die an Leukämie erkrankt sind. Die 40-jährige Helferin ist sich sicher: „Sich registrieren zu lassen, ist mit wenig Aufwand verbunden, kann aber viel bewirken.“

Blutkrebs und Typisierung in Zahlen

  • Alter: Jeder, der zwischen 17 und 55 Jahre alt und gesund ist, kann sich typisieren lassen.
  • Krankheiten: Von der Registrierung ausgeschlossen sind Menschen mit entzündlichen, chronischen oder genetischen Krankheiten. Andere Krankheiten wie eine Erkältung oder Bluthochdruck haben keinen Einfluss.
  • Registrierung: Nach der Typisierung mit Hilfe von Wattestäbchen sind mögliche Stammzellenspender in das zentrale Register aufgenommen. Ob sie tatsächlich spenden möchten, entscheiden sie später. Etwa acht Millionen Menschen sind bei der DKMS im weltweiten Verbund registriert.
  • Spende: In den meisten Fällen bekommt der Spender ein Medikament verabreicht, das die Anzahl der Stammzellen im Blut steigert. Diese werden dann direkt aus dem Blut gewonnen. Bei der selteneren Methode wird dem Spender unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen, das sich nach zwei bis vier Wochen wieder regeneriert. Welches Verfahren nötig ist, hängt von den Belangen des Patienten ab.
  • Blutkrebs: Nach Angaben der DKMS erhält alle 15 Minuten ein Patient in Deutschland die Diagnose Blutkrebs. Jeder Zehnte wartet vergeblich auf einen passenden Spender.

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