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Stadtbergen

14.09.2019

Ulrich Lange prägte das moderne Gesicht Stadtbergens

Mehr als 30 Jahre arbeitete Ulrich Lange im Stadtberger Rathaus, davon 20 Jahre als Stadtbaumeister. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Bild: Marcus Merk

Der Stadtberger Stadtbaumeister Ulrich Lange geht in den Ruhestand. Was der 60-Jährige jetzt garantiert nicht macht und worauf er sich besonders freut.

Er soll einmal gesagt haben, es sei ihm egal, wer unter ihm Bürgermeister ist. Als Stadtbaumeister mit jahrzehntelanger Erfahrung wäre das ja vielleicht sogar verständlich, denn Bürgermeister kommen und gehen – aber so hat das Ulrich Lange nicht gemeint: „Ich habe einfach immer meine Arbeit gemacht und das Beste versucht, egal wer gerade Bürgermeister war“, sagt Lange. Er habe mit allen Amtsinhabern – von Raimund Bertele über Ludwig Fink bis zu Paul Metz sehr gut zusammengearbeitet. „Außerdem saß der Bürgermeister tatsächlich immer unter mir, nämlich ein Stockwerk tiefer“, schmunzelt Ulrich Lange, der in dieser Woche seinen 60. Geburtstag feierte.

Die Entscheidung, in den Ruhestand zu gehen, fiel etwas vor einem Jahr, erzählt Lange. Der Stadtberger möchte noch, so lange er fit und gesund ist, die Zeit mit seiner Frau, seinen vier Kindern und Enkelkindern – bald kommt das fünfte auf die Welt – genießen. „Jetzt sind sie noch in einem Alter, wo man das Zusammensein mit dem Opa genießt, das möchte ich nicht verpassen.“

1987 fing Lange als Sachbearbeiter im Bauamt an

Im Stadtberger Rathaus fing Lange 1987 zunächst als Sachbearbeiter im Bauamt an, 1999 wurde er Stadtbaumeister. Im Laufe der Jahrzehnte gestaltete er maßgeblich das Stadtbild mit, Stadtbergen entwickelte sich unter seiner Leitung des Bauamts von der kleinen Gemeinde zur Stadt mit allen wichtigen Infrastruktur-Einrichtungen. „Ich weiß noch, dass der Außenbereich des Gartenhallenbads mein erstes großes Projekt war“, erinnert sich Lange. Damals entschied man sich bewusst gegen den Bau eines weiteren großen Spaßbads in der Region.

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Jede Amtszeit der jeweiligen Bürgermeister hatte auch ihre eigenen Vorzeichen: „Bei Bürgermeister Bertele war immer ein strikter Sparkurs angesagt“, erinnert sich Lange. Unter Ludwig Fink in den 80-er und 90-er Jahren gab es dann einen Bauboom mit großem Druck seitens der Bauwirtschaft, die in Stadtbergen auf den Markt drängten und das Bauamt und die Kommunalpolitik vor große Aufgaben stellte. Durch den Abzug der Amerikaner taten sich auch neue Möglichkeiten für den sozialen Wohnungsbau auf. Damals galt es, die städtebauliche Entwicklung in die richtige Richtung zu lenken.

Doch oftmals erarbeitet das Bauamt sorgfältig eine - scheinbar perfekte – Lösung, die dann aber von den Stadträten wieder geändert oder gar „zerpflückt“ wird. Auch Ulrich Lange musste sich in politischen Gremien schon viel anhören und gefallen lassen. „Das darf man nicht persönlich nehmen“, sagt der scheidende Stadtbaumeister. Da sei manchmal viel „Show“ und Parteipolitik dabei, das sei aber nicht böse gemeint. Wie lange er gebraucht habe, um sich diese entspannte Sichtweise zuzulegen? „Schon ein paar Monate“, lacht Ulrich Lange.

Die Liste der prägenden Großprojekte ist lang

Andererseits sei die Diskussion im Stadtrat auch immer „der erste Prüfstein“ für eine Planung, und oftmals kommt danach immer eine noch bessere Lösung heraus, „die dann auch von den Bürgern akzeptiert und mitgetragen wird“, so Lange. Lange betont mehrfach, dass er auch ein hervorragendes Team hatte, Kollegen, die einander sehr am Herzen liegen und die gemeinsam sehr gute Arbeit geleistet haben.

Die Liste der weiteren prägenden Entwicklungen und Großprojekte unter Langes Ägide, die Bürgermeister Paul Metz bei der Verabschiedung aufzählte, ist lang: der Bau des Bürgersaals und die Gestaltung des Platzes rundherum; erst der Bau der Osterfeldhalle, dann der neuen Sporthalle; unzählige Bauprojekte für Schulen, Kindergärten und Wohngebiete; die Dauerbrenner-Themen B 17, Ortskerngestaltung, Verkehr – im Bauamt liefen alle Fäden zusammen. „Es hat mich immer fasziniert, dass man hier wirklich etwas mitgestalten und bewegen kann, zum Besseren und zum Wohle für Stadtbergen“, sagt Ulrich Lange nicht ohne Stolz.

Welche Pläne hat lange für den Ruhestand?

Dass er immer top vorbereitet war, alle Stellungnahmen und Fakten parat hatte, wussten Bürgermeister und Stadträte besonders zu schätzen. Auch war es keine Seltenheit, dass Ulrich Lange schon am frühen Morgen an seinem Schreibtisch saß und für Fragen zur Verfügung stand. Seine Leistungen wurden bei der Verabschiedung diese Woche entsprechend gewürdigt. Von den Fraktionen im Stadtrat und von Bürgermeister Paul Metz. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Mair sagte bei der Verabschiedung: „Dem Wildwuchs und der manchmal überbordenden Fantasie mancher Stadträte entgegen zu treten, war für dich enorm wichtig, aber diese Eigenschaft hat Stadtbergen in seiner Eigenart erhalten – nämlich schön und lebenswert, ein Verdienst, den du im Konsens mit dem Stadtrat erarbeitet hast.“

Auch Langes Kollegen hoffen, ihn noch dann und wann zu sehen. „Privat ja“, sagt Lange „aber ich werde garantiert nicht weiterhin im Rathaus ein- und ausgehen und meinem Nachfolger dreinreden.“ Er wird wahrscheinlich nur noch vorbeikommen, um sich Gelbe Säcke zu holen, lacht der 60-Jährige.

Eine Absage erteilt er auch den Hoffnungen mancher, er werde für ein politisches Amt in Stadtbergen kandidieren.

„Ich habe auch keine festen Pläne für den Ruhestand, denn ich genieße jetzt einfach mal den Freiraum, den ich nie hatte“, nachdem sein Alltag jahrzehntelang einer strengen Zeittaktung unterlag. Mit der Zeit habe er dann vielleicht wieder Lust, sich der Kunst zu widmen, für die er kaum Zeit hatte, zum Malen und Zeichnen, für die Fotografie. Und für Reisen. „Aber noch nicht gleich.“

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