1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Und da war alles weg: Ein Gewerbegebiet geht offline

Systemfehler

16.08.2018

Und da war alles weg: Ein Gewerbegebiet geht offline

In Nordendorf hatten Betriebe unfreiwillig „Urlaub“. Wenig hilfreich war die Telekom, sagen Betroffene

Wenn Telefon und Internet nicht funktionieren, dann ist das im privaten Haushalt ärgerlich, in einem Betrieb aber eine mittlere Katastrophe. Jetzt waren verschiedene Betriebe im Gewerbegebiet in Nordendorf getroffen. Tobias Fech von der Firma Fech Fenstertechnik berichtet, dass er seinem Anbieter, der Telekom, bereits am Donnerstagmorgen der vergangenen Woche gemeldet habe, dass im Betrieb weder Telefon noch Internet funktioniere. Nach Rücksprache mit einigen Nachbarn in der Fuggerstraße, der Schaezlerstraße und der Von-Stetten-Straße wusste Fech: Auch die Betriebe in der Nachbarschaft waren vom Totalausfall betroffen.

„Das ganze Industriegebiet war tot“, erklärt Fech. Kunden, die versuchten, den Betrieb zu erreichen, stießen auf tote Leitungen und sorgten sich, was dieser Zustand sowie unbeantwortete E-Mails wohl zu bedeuten haben. Schnell wurde gemutmaßt: Ist die Firma Fech insolvent? „War sie nicht, ist sie nicht“, erklärt Fech erleichtert, dass seit Montag die Leitungen wieder funktionieren. Die Telekom selbst habe dazu allerdings nur wenig beigetragen.

Die Firma plante, die Störmeldung nach bekanntem Schema abzuarbeiten. Man erklärte Fech, der Techniker würde am Freitag in den Betrieb kommen. Doch dies war nicht der Fall. Stattdessen fand der Unternehmer am Montagmorgen einen Zettel der Telekom am Betrieb vor, der erklärte, dass der Techniker am Samstag vor Ort gewesen sei – allerdings niemanden angetroffen habe. Mit reichlich Groll im Bauch, weil nach wie vor Internet und Telefon nicht funktionierten und Fech dann auch noch den „blöden Zettel“ des Technikers vorfinden musste, rief er am Montag abermals bei der Telekom an. Deren Angebot: Der Techniker könne nun erst wieder am Donnerstag nach Nordendorf kommen. Dass dieses Angebot für den Unternehmer untragbar war, tat er bei der Hotline der Telekom kund, woraufhin der Mitarbeiter auflegte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Das war die größte Unverschämtheit“, erklärte Fech. Statt eines kooperativen Verhaltens, das er sich als Kunde gewünscht hätte, wurde seitens des Anbieters nichts unternommen, um die Gewerbebetriebe wieder mit Internet und Telefon zu versorgen – und das, obwohl die Telekom per Vertrag verpflichtet sei, die Leitung binnen 24 Stunden wieder instand zu setzen, so Fech.

Während Fech versuchte, mit dem Anbieter weiterzukommen, wählte sein Vater und Firmenchef einen anderen Weg: Er fand den Subunternehmer heraus, der einst ein Kabel im Auftrag der Telekom gewechselt hatte und erläuterte ihm die Problematik vor Ort.

Schnell war er zur Stelle und konnte das Problem bis Montagmittag wieder beheben. Den Unternehmern erklärte er: Das Kabel sei gewechselt worden, allerdings fehlte das Signal zwischen diesem und der Firma. Seitens der Telekom lautet die offizielle Presseauskunft schlicht so: „Die Störung in Nordendorf ist seit gestern (Montag) behoben. Die Kollegen des technischen Service waren vor Ort und haben den Grund der Störung sowie den genauen Ort der Fehlerquelle lokalisiert. Es wurde eine Muffe neu gespleißt und die Anschlüsse der betroffenen Kunden geprüft.“

Georg Spengler, Chef des Spengler Autoservice, kann beides bestätigen: „Seit Donnerstag ging nichts mehr, seit Montag funktionieren Telefon und Internet wieder.“ Seinen Mitarbeitern hat Spengler für die Zeit des Totalausfalls „Zwangsurlaub“ verordnet. Am Freitag arbeitete nur die halbe Belegschaft, am Samstag musste keiner kommen. Zu erledigen waren während des Totalausfalls lediglich mechanische Arbeiten. Die Recherche nach technischen Daten war unmöglich, auch der Online-Autohandel war ohne Internetverbindung nicht möglich. „Selbst Servicehefte konnten wir nicht ausfüllen, da das online passiert“, verriet Spengler auf Nachfrage.

Das Schlimmste sei gewesen, dass es seitens des Anbieters keine konkreten Aussagen gab. „Jeder kümmert sich, aber keiner sagt was.“ Dieses Gefühl hatte Spengler jedes Mal, wenn er wieder beim Anbieter nachhakte.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
_WYS1998.jpg
Landkreis Augsburg

Verkehrszeichen mit Hakenkreuzen besprüht

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden