Starkbierfest

04.04.2017

Und eing’schenkt is

Zum 29. Mal unterhielten Anton Kraus (links) und Hanns Rieblinger die Besucher des Starkbierfestes mit ihrer scharfzüngigen Fastenpredigt.
Bild: privat

Seit fast 30 Jahren nehmen Hanns Rieblinger und Anton Kraus die Prominenz aufs Korn. Doch diesmal machte sich das Duo auch Gedanken über die eigenen Nachfolger

Mit der ersten Spitze in Richtung örtliche Politik-Prominenz begann das traditionell gut besuchte Starkbierfest in Herbertshofen. Die Fastenprediger Hanns Rieblinger und Anton Kraus wiesen Bürgermeister und Gemeinderäte darauf hin, dass sie unter Umständen von den Kameras eines Regionalsenders eingefangen werden könnten. „Immer schön lachen, wenn euch die Kamera einfängt – auch wenn’s wehtut“, erklärten sie zum Auftakt der Veranstaltung, in der das Duo seit fast drei Jahrzehnten kräftig einschenkt – verbal, versteht sich.

Feste Tradition beim Starkbierfest hat auch die Suche nach einem „Nachfolger“, haben doch die Festredner nun bereits zum 29. Mal die regionale Politik-Prominenz auf die Schippe genommen. Doch beim diesjährigen Starkbierfest warteten die beiden mit einem Vorschlag auf: Pfarrer Krammer und Bürgermeister Higl könnten doch als Don Camillo und Peppone ans Rednerpult folgen. Im Gegenzug möchten die Fastenredner sich allerdings nicht für den vakanten Posten des evangelischen Pfarrer Maiwalds bewerben. Ihr Grund: „Eine Predigt pro Jahr ist völlig ausreichend.“

29 Jahre stehen Rieblinger und Kraus als Fastenprediger ihren Mann und können damit auf mächtig viel Konstanz zurückblicken – ganz im Gegensatz zu den Präsidenten in Amerika, den Bundeskanzlern, den Nockherberg-Festrednern und den Päpsten. Allerdings scheint die Beständigkeit doch regional bedingt zu sein, schließlich fallen das „Hennaloch“ und der Wertstoffhof längst unter die Rubrik der Dauerbrenner-Themen.

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Ein aktuelles Thema stimmte das Duo indes mit den Diskussionen ums Tempolimit an. Die Idee der Redner? Man könne ein Förderband wie in einer Waschstraße auf die Schloßstraße bauen und den Ordnungsamtsleiter in den Aussichtsturm setzen, der die Geschwindigkeit des Bandes regelt.

Letztlich plädierten sie allerdings für ein Tempolimit mit historischem Bezug. Auf der Berta-Benz-Straße, die zum Wertstoffhof führen soll, solle Tempo 20 herrschen. Doch daraus resultiere auch ein Folgeproblem: Wenn dort nur in reduzierter Geschwindigkeit gefahren werden kann, dann wird das Risiko, dass die Muttis auf dem Weg zu Schule und Kindergarten besonders schnell fahren, noch größer.

Die verbale Ohrfeige für diejenigen, die mit mächtig großen Autos durch den Markt cruisen, folgte: „Behindertenparkplätze sind nur für Körperbehinderte und nicht für geistig unterentwickelte Zeitgenossen, Nobelhobelfahrer, SUV-Panzerfahrer oder prollige 3er-BMW-Fahrer.“ Die größte Gefahr in der Einflugschneise von Herbertshofen nach Meitingen sei allerdings Meitingens Rathauschef selbst, der dort allmorgendlich mit seinem Fahrrad vorbeirast und sich nun die Frage gefallen lassen musste, warum er einen rot-schwarzen Helm trug: „Soll das heißen, dass du mit einer Koalition mit der SPD rechnest?“

Weiter ging es im Politik-Kreisel mit Blick auf die Farben der namhaften Parteien und die Idee, eine neue Leuchte auf dem Rathausplatz einzusetzen, die sogar die Farbe wechseln kann, wenn die entsprechende Fraktion tagt: Rot für die SPD. Gelb für die Freien Wähler. Grün nicht, weil Annemarie Probst allein auf weiter Flur stehe und damit auch keine eigene Lampenfarbe bekomme. Weiß-blau für die Bayernpartei. Und die wirtschaftlichste Partei von allen: die CSU. Die schaltet die Lampen nämlich nicht einmal an. Mit einem gedanklichen Exkurs zur Zukunft des Mohrenkopfes als „Schaummasse in Schokoladenhülle mit Migrationshintergrund“ und des Zigeunerschnitzels als „umherreisendes nicht niederländisches Volk-Schnitzel“ sowie weiteren verbalen Seitenhieben Richtung Politik und Gesellschaft schlossen die Wortakrobaten ihre Rede unter großem Applaus – und mit großer Vorfreude auf das 30-jährige Jubiläum im kommenden Jahr.

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