Dialekte

08.12.2014

Unrat in unserer Mundart

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten widmet sich heute dem „Glump“

Dass die bayerisch-schwäbische und die bairische Mundart recht eng miteinander verwandt sind und sich oft nur durch Aussprache, Betonung oder gar nur einen Buchstaben mehr oder weniger unterscheiden, haben wir in unserer Dialekt-Reihe oft feststellen können. Auch heute wieder ist es nur ein Buchstabe, ein kleines „e“, dass die beiden Mundarten voneinander trennt: Links des Lechs sagt man vorrangig „Gelump“ und „Geraffel“ und rechts des Lechs heißt es meist nur knapp „Glump“ und „Graff(e)l“. Beides sind bei uns Begriffe für wertlose Dinge, Unrat, kaputtes Zeug, Kram, umgangssprachlich auch Krimskrams oder wienerisch Kramuri. Statt „G(e)raffel“ sagt der Schwabe auch mal „Gräffel“ und meint damit nicht nur, wie der altbayerische Nachbar, unnütze Gegenstände, sondern auch ein lautes Geräusch, wie es beim Herunterfallen von Geschirr etwa entsteht.

Und damit ist der Schwabe auch recht nah an der mittelhochdeutschen Bedeutung des Wortes dran. Denn, und da sind sich die Herkunftswörterbücher einmal einig, der Begriff hat seinen Ursprung im Wort „raffeln“ für klappern und scheppern. Und dieses Wort wiederum ist mit dem Verb „raffen“ verwandt, was ursprünglich wohl abschneiden, abreißen und zerkleinern bedeutete.

Womit wir beim wertlosen, weil abgeschnittenen, zerstörten Gegenstand wären. Und auch heute noch sprechen wir ja umgangssprachlich noch von „abgerissen dahergelaufen“, wenn einer unordentlich angezogen ist, ja schon beinah zerlumpt auf die Straße geht. Dieses „zerlumpt“ heißt im Bayerisch-Schwäbischen „gelumpet“ und „gelumpig“, im altbairischen Raum wieder ohne jenes „e“ einfach „glumpert“. Neben den bayernweit üblichen Bedeutungen dieser Wörter kann in Schwaben aber auch ein auf seinen Vorteil bedachter Zeitgenosse „gelumpet“ sein. Und ein kleines Kind, so Sprachexperte König, ist „gelumpet“, wenn es besonders aufgeweckt, auch stets zu Streichen aufgelegt ist. Der Ursprung der „G(e)lump“-Wörter liegt auf der Hand. Es ist tatsächlich der Bekleidungs- oder Putzlumpen und auch der Mensch Lump. Das Bild dahinter ist der in Fetzen gekleidete und somit natürlich schlechte Mensch – denn Kleider machen ja Leute. Und am „glumpeten“ Donnerstag gratuliert man sich entsprechend verkleidet zum Namenstag aller Lumpen.

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