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Fischach

18.12.2020

Unternehmer aus Fischach warten wochenlang auf die Corona-Hilfen

Alexandra und Erwin Gastel vom Nagel- und Kosmetikstudio in Fischach üben heftige Kritik an der Abwicklung der Corona-Wirtschaftshilfe des Bundes. Weil ihr Antrag ein Stichprobenverfahren durchläuft, verzögert sich ihre Finanzhilfe um mehrere Wochen. Dabei sind sie dringend auf das Geld angewiesen.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Plus Alexandra und Erwin Gastel vom Kosmetikstudio in Fischach sind von der Corona-Hilfe im November enttäuscht. Sie warten auf das Geld.

Alexandra und Erwin Gastel sind sauer. "Immens sauer", wie der Inhaber des Nagel- und Kosmetikstudios Mrs. Nail am Marktplatz in Fischach und seine Ehefrau äußern. Auslöser ihres Ärgers ist die "außerordentliche Wirtschaftshilfe" der Bundesregierung, auch Novemberhilfe genannt, für den am 2. November gestarteten Corona-Teil-Lockdown. Während viele Kosmetikstudios diese Finanzhilfe bereits erhalten haben, kann es bei den Gastels noch mehrere Wochen dauern. Und das wegen einer Prüfung im Fachverfahren, für das sie nicht verantwortlich sind.

Das steckt hinter ihrer Wut: Am 26. November stellte Erwin Gastel vorschriftsmäßig über den Steuerberater für sein Kosmetikstudio einen Antrag auf Novemberhilfe. Schon am Tag darauf erhielt er von seiner zuständigen Bewilligungsstelle, der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, eine E-Mail, dass der Antrag eingegangen und erfasst worden sei.

Unternehmer aus Fischach: Bei Kollegen ist das Geld schon auf dem Konto

Tage später registrierte Alexandra Gastel, dass viele ihrer Kolleginnen nicht nur einen Eingang der Bewilligung der Novemberhilfe, sondern trotz zum Teil späterer Antragstellung sogar schon Gelder daraus erhalten hatten. Ihr Ehemann machte die IHK auf diesen Sachverhalt aufmerksam und fragte, wann bei ihm mit einer Bewilligung zu rechnen sei.

Zu seiner Überraschung teilte die IHK mit, dass aufgrund der Vollzugshinweise des Bundes vorgesehen sei, die Anträge der Novemberhilfe vor der Zahlung einer stichprobenweisen Prüfung zu überprüfen. Und weiter: "Die Programmierungsarbeiten zu diesem Fachverfahren erfolgen durch den Dienstleister des Bundes und werden voraussichtlich erst in wenigen Wochen abgeschlossen sein." Die IHK bat Erwin Gastel "daher noch um etwas Geduld".

Familie aus Fischach hat keine Geduld mehr bei Corona-Hilfen

Doch diese Geduld wollte die Familie nicht aufbringen. Noch am gleichen Tag forderte sie die IHK auf, wenn ihr Antrag schon aus von ihnen nicht verschuldeten Gründen nicht abschließend zu bearbeiten sei, ihr wenigstens eine Abschlagszahlung zukommen zu lassen.

Doch da waren der IHK die Hände gebunden. Sie verwies darauf, dass Abschlagszahlungen ausschließlich über die Bundeskasse erfolgen. Die Bewilligungsstellen der Länder hätten keinen Zugriff in das Kassenverfahren des Bundes und könnten daher auch keine Abschlagszahlungen veranlassen. Eine Auskunft dazu erfolge ausschließlich durch den Bund.

Diese Hinhaltetaktik erinnere ihn an die Buchbinder-Wanninger-Methode, meint Erwin Gastel. Eine Frechheit sei es schon, dass für diese Hilfe die Formulare erst so spät bereitgestellt wurden. Seine Ehefrau ergänzt: "Für eine stichprobenweise Prüfung der Anträge haben wir Verständnis. Nicht aber dafür, dass wir deswegen wochenlang auf die Finanzhilfe warten müssen." Immerhin habe der Teil-Lockdown ihr Kosmetikstudio besonders hart getroffen. Ganz zum Schweigen vom aktuell veranlassten Corona-Shutdown.

Mit etwas Glück komme die Novemberhilfe Ende Januar, meint Alexandra Gastel. Das seien dann drei Monate ohne Einkommen. "Dabei sprechen wir noch gar nicht von einer Dezemberhilfe. Die Fixkosten und Ratenzahlungen für Leasing-Geräte laufen aber kontinuierlich weiter", verdeutlicht sie. "Womöglich brauchen wir Ende Januar oder gar Februar keine Novemberhilfe mehr, sondern eine Insolvenzhilfe."

Corona: Die zweite Welle war absehbar, sagen die Unternehmer aus Fischach

Das Studio der Gastels wurde im März 2002 an der Augsburger Straße in Fischach als Sonnen- und Nagelstudio eröffnet. Seit 2010 befindet sich ihr Geschäft am Marktplatz und firmiert als Nagel- und Kosmetikstudio.

Alexandra und Erwin Gastel sind enttäuscht. Vor allem auch deswegen, weil bei der ersten Corona-Welle im März die staatliche Finanzhilfe noch ruckzuck auf ihrem Konto eingegangen sei. "Eine zweite Pandemie-Welle im Winter war abzusehen", verdeutlicht der Kosmetikstudio-Inhaber. "Doch der Staat hat über den gesamten Sommer hin nicht seine Hausaufgaben gemacht." Jetzt fühlen sie sich nach eigenen Worten "im Regen stehen gelassen". "Doch dagegen müssen wir uns wehren", gibt sich Alexandra Gastel trotz allem kämpferisch.

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