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Landkreis Augsburg

13.01.2021

Unterricht digital: Wo E-Mail und Handy schon altmodisch wirken

Distanzunterricht bedeutet, dass die Lehrkraft aus der Ferne mit ihren Schülern kommuniziert. Dazu haben die Schulen im Augsburger Land verschiedene Möglichkeiten entwickelt. Wichtig dabei: Sie müssen altersgerecht sein.
Bild: Marcus Merk (Symbolbild)

Plus Wer mit der bayerischen Lernplattform Mebis arbeiten will, weicht besser auf den Nachmittag aus. Die Schulen im Landkreis haben sich inzwischen organisiert.

Damit hatte die Schülerin der Realschule Zusmarshausen nicht gerechnet: Am ersten Schultag nach den Ferien fand sogar die Sportstunde wieder statt, und das auch noch am Nachmittag. Nach einer theoretischen Einführung der Lehrkraft darüber, wie wichtig Bewegung für den Körper ist, hieß es Yogamatten ausrollen und eine halbe Stunde Übungen machen. Marcus Langguth, Leiter der Realschule in Neusäß, findet das gut. "Das machen auch bei uns einige unserer Sportlehrer so", berichtet er. Während der Weihnachtsferien hat seine Schule erneut am Konzept für den Distanzunterricht nachgeschärft. Und dabei haben die Sportlehrkräfte nun noch eine andere Funktion.

Sie unterstützen in ihrem Nebenfach Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht nicht so gut mitkommen. An der Realschule Neusäß gilt inzwischen, wie an vielen anderen Schulen: Unterricht wird nach Stundenplan gehalten. "Um 8 Uhr geht es gemeinsam los", beschreibt Langguth. Unterschiedlich ist aber die Zeit, die die Kinder dann in Videokonferenzen verbringen. "Wir haben das nach Jahrgangsstufen gestaffelt", sagt der Pädagoge. In der übrigen Zeit sollen die Kinder und Jugendlichen selbst Aufgaben lösen. Der Schwerpunkt liege dabei auf den Hauptfächern.

Entlastung: Schulaufgaben werden gestrichen

Das gilt gerade auch für die Abschlussklasse. Hier liegt der Fokus jetzt schon auf der Vorbereitung für die Prüfungsfächer, die zur Mittleren Reife benötigt werden. Außerdem befasst sich die Lehrerkonferenz gerade mit dem Thema, welche Schulaufgaben gestrichen werden sollen. Das ist ein Vorschlag des Kultusministeriums zur Entlastung. Was der Freistaat auch bietet, ist die Möglichkeit einer Notbetreuung bis zur sechsten Klassenstufe. An der Realschule in Neusäß sind dort gerade sechs Kinder angemeldet. "Sie nehmen per Computer ebenfalls am Unterricht teil", berichtet Marcus Langguth.

Die Schulen sind aktuell leer. Lehrkräfte und Schüler sind im Distanzunterricht.
Bild: Marcus Merk (Archivbild)

So ist das auch am sonderpädagogischen Förderzentrum Helen Keller in Dinkelscherben. Dort kümmert sich das Team der Ganztagsschule aktuell um zehn Kinder in der Notbetreuung, die über Leihgeräte am Onlineunterricht teilnehmen. 32 solcher Laptops hat die Schule kürzlich über den Landkreis erhalten. Insgesamt sind dort gerade über den Bildungspakt mit dem Bund rund 1600 neue Geräte angeschafft worden. Alle Nachfragen der Schulen konnten befriedigt werden, so eine Sprecherin der Behörde. Im Moment werde daran gearbeitet, auch noch Ersatzgeräte zu beschaffen. Zurück zur Helen-Keller-Schule: Von 8 bis 12 Uhr ist dort Unterrichtskernzeit. Wie auch an der Realschule in Neusäß benutzen die Schülerinnen und Schüler dabei die Programme des Pakets "Office 365", darunter auch "Teams", die der Landkreis allen Schulen in seiner Trägerschaft zur Verfügung stellt.

Mit Technik sind nicht alle Probleme zu lösen

Doch nicht alles hat von Anfang an gut geklappt. Um seine Lehrkräfte per E-Mail erreichbar zu machen, hat Schulleiter Marvin Fogelstaller "selbst Geld in die Hand genommen" und die Adressen besorgt. Und selbst die beste technische Ausstattung löst nicht alle Probleme des Distanzunterrichts. "In der ersten Klasse ist das kaum möglich", beschreibt er. Dort würden die Lehrkräfte regelmäßig mit ausgedruckten Arbeitsblättern bei den Schülerinnen und Schülern zu Hause vorbeifahren. "Wir tun alles, damit unsere Kinder nicht zu Bildungsverlierern werden", ist Fogelstaller wichtig. Er ist überzeugt: Durchhalten lässt sich so ein Distanzunterricht je nach Notwendigkeit schon eine ganze Weile. "Aber ob er auch gewinnbringend ist? Wohl eher nicht. Präsenzunterricht geht vor."

In den Schulen, wie hier im Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf, können die Tische zusammengeschoben bleiben. Schülerinnen und Schüler sind aktuell nicht dort.
Bild: Marcus Merk (Archivbild)

Anders als die beiden anderen Schulen arbeitet die Grundschule in Meitingen mit Mebis, der Lernplattform des Freistaats. Sie wird von ungefähr 15 Prozent der Schulen in Bayern genutzt und hatte vor Weihnachten für Aufsehen und Spott gesorgt, als sie am ersten Tag des Distanzunterrichts unter dem digitalen Ansturm der Schulen zusammenbrach. Rektorin Claudia Bschorr hat aber eine klare Haltung: Sollen Schulen digital arbeiten, muss das Kultusministerium auch die entsprechenden Werkzeuge zur Verfügung stellen. Und das sei nun mal allein Mebis. Ihren Weg für den Distanzunterricht hat die Schule mit 336 Grundschulkindern auch so gefunden: Unterrichtsmaterial, das über Mebis verschickt wird, wird zu Hause eher nachmittags oder abends heruntergeladen und ausgedruckt, dann werden auch die Hausaufgaben wieder hochgeladen.

Die Rektorin hat sich um Dienst-Handys gekümmert

Vormittags gibt es dann Videokonferenzen, ebenfalls über ein nichtkommerzielles Angebot. "Da sind dann aber jeweils nur etwa ein Drittel der Kinder aus einer Klasse dabei, damit sie sich besser angesprochen fühlen. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass die Lehrkräfte mit einer Unterrichtseinheit dreimal so lange beschäftigt sind", beschreibt Claudia Bschorr. Sie sagt auch: "Wir brauchen dringend die Mitarbeit der Eltern." Gemeinsam habe sich die Schulfamilie den Herbst über aber auf die jetzige Situation vorbereitet. "Unser größtes Ziel ist es, dass niemand auf der Strecke gelassen wird."

Und dazu greift sie auch auf Mittel zurück, die sie heute schon als "analog" bezeichnet: Frühzeitig hat Claudia Bschorr dafür gesorgt, dass alle Lehrkräfte mit dienstlichen E-Mail-Adressen und Dienst-Handys ausgestattet werden, um für ihre Schülerinnen und Schüler immer erreichbar zu sein. Wohl zu Recht: Im Sommer hatten Bund und Länder beschlossen, Lehrkräfte mit Dienst-Laptops auszustatten. Für die 15 Landkreisschulen wären das 1400 Stück. Die konnten aber bislang noch nicht einmal bestellt werden, weil es noch keine Förderrichtlinie des Bundes gebe, heißt es aus dem Landratsamt.

Info: Distanzunterricht kann klappen - bedeutet aber für Familien auch eine große Herausforderung. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen in dieser Zeit an redaktion.landbote@augsburger-allgemeine.de.

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