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Landkreis Augsburg

17.11.2018

Unterstützung für Erzieherinnen

Den Modellversuch für die pädagogische Qualitätsbegleitung in Kitas leiten Magdalena Blon (links) und Manuela Billing. 

Das Projekt „Pädagogische Qualitätsbegleitung“ vom Landkreis Augsburg coacht Mitarbeiter bei ihrer Arbeit. Denn die Anforderungen an die Pädagogen steigen stetig.

Zwischen Spielen, Aufpassen und Trösten fehlt vielen Erzieherinnen häufig die Zeit, um sich über Probleme auszutauschen oder Projekte vorzubereiten. Genauso bringen der ständige Personalmangel und die länger andauernden Betreuungszeiten die Pädagogen immer mehr an ihre Belastungsgrenzen.

In Krippen, Kindergärten und Horten entstehen an vielen unterschiedlichen Stellen Probleme zwischen Personal, Kindern und Eltern. Um gezielt die Erzieherinnen in den Einrichtungen zu unterstützen, hat der Landkreis Augsburg ein Projekt eingerichtet, das vom bayerischen Sozialministerium zu großen Teilen finanziert wird. Es heißt pädagogische Qualitätsbegleitung (PQB) und wird von Manuela Billing und Magdalena Blon am Landratsamt Augsburg geleitet (siehe Infokasten). Billing erklärt: „PQB ist ein Teamcoaching für die Mitarbeiter in den Betreuungseinrichtungen. Die Erzieherinnen in den Einrichtungen sind Profis, sie wissen am besten, was sie an ihrer Arbeit verbessern wollen.“ Ihr Kollegin Magdalena Blon versteht „die Arbeit von PQB als Hebammenkunst. Wir helfen dem Team, dass es selbst das eigene Know-how und die Ressourcen vor Ort besser nutzen kann.“

Im Landkreis Augsburg haben bisher 36 Einrichtungen teilgenommen

Die PQB dreht sich allein um die Erzieherinnen, Voraussetzung ist, dass sich die Einrichtungen freiwillig für das Projekt anmelden. Im Landkreis Augsburg haben bisher 36 Einrichtungen teilgenommen, zum Beispiel aus Thierhaupten, Gersthofen, Diedorf, Stadtbergen, Schwabmünchen und Bobingen. Manuela Billing erklärt: „Es sind aber keine Fortbildungen, bei denen wir unser Wissen raushauen. Es geht um ein prozessartiges Verbessern der alltäglichen Arbeit.“

Billing und Blon gehen zum Beispiel in Teambesprechungen und arbeiten mit den Erzieherinnen an konkreten Themen. Zum Beispiel üben die Mitarbeiter in Rollenspielen, wie sie sich bei schwierigen Gesprächen mit Eltern richtig verhalten. Genauso gehen Billing und Blon in die Gruppen und analysieren die Fähigkeiten der Erzieherinnen. Blon: „Es ist wichtig, dass wir nicht die Probleme anprangern, sondern, dass die Erzieherinnen selbst reflektieren, was sie gut machen.“ Dafür braucht es eine vertrauensvolle Beziehung zwischen den Mitarbeiterinnen des Landratsamtes und den Pädagogen. Die Basis dafür ist die Schweigepflicht, der Manuela Billing und Magdalena Blon unterliegen. Blon: „Alles was zur Sprache kommt, bleibt im Team und wird in der Kita bearbeitet. So grenzen wir uns von den Kollegen der Aufsichtsbehörde am Landratsamt ab.“

Krippe und im Kindergarten schaffen die Grundlagen für das spätere Leben

Dass die Pädagogen konstant an sich arbeiten, halten die Expertinnen vom Augsburger Landratsamt für wichtig. Blon: „Viele Menschen denken: Ach, die Erzieherinnen spielen ja nur ein bisschen mit den Kindern. Dabei ist das eine hoch qualifizierte Arbeit.“ Denn in der Krippe und im Kindergarten würden die Grundlagen für das spätere Leben geschaffen, wie Bindung, soziale Kompetenz und psychische Gesundheit, erklärt Blon. Die Pädagogen hätten einen wichtigen Einfluss auf die Kinder, der besonders bei den immer länger andauernden Betreuungszeiten stetig größer werde.

Die Aufgaben der Erzieherinnen seien deshalb wie bei einem Lehrplan für die Schule in einem Erziehungsplan festgelegt. Billing: „Sprachliche, räumliche, motorische und kognitive Fähigkeiten, Gleichgewicht, Feinmotorik, soziale Interaktion. Die Erzieherinnen müssen einschätzen, wo die Kinder bei diesen Fähigkeiten stehen und wie sie sie unterstützen müssen.“

Manuela Billing und Magdalena Blon sind überzeugt: „Wenn diese Aufgaben mehr wertgeschätzt würden, dann könnte vielleicht auch die Anerkennung für die pädagogische Arbeit steigen und es würden sich mehr junge Menschen für den Beruf entscheiden.“ Denn nach wie vor ist der Personalmangel bei Erziehern groß. Hürden wie zu geringe finanzielle Anreize, die lange Ausbildungszeit von fünf Jahren und immer längere Betreuungszeiten belasten das Berufsbild.

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