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Oberschönenfeld

09.11.2020

Unterwegs auf dem neuen Meditationsweg nach Oberschönenfeld

Der geplante Meditationsweg führt von der Abtei Oberschönenfeld bis zur Kapelle Maria Sieben Schmerzen am Weiherhof, dem Ursprungsort des Klosters. Zwölf Holzstelen aus Eiche begleiten ihn.
Foto: Siegfried P. Rupprecht

Plus Rückzug und Meditation gehören zum Klosterleben. Das sollen nun Besucher zwischen Oberschönenfeld und Weiherhof auf besondere Weise erfahren können.

Der Meditationsweg zwischen Kloster Oberschönenfeld und Weiherhof ist derzeit in Planung, doch das Ziel steht bereits fest. Der Wanderer soll auf dieser kleinen Besinnungsreise sich selbst mit jedem Schritt etwas näher kennen lernen. Es werde ein Weg, der zum Schauen einlädt, um zur Ruhe zu kommen, verdeutlicht Schwester Emmanuela von der Zisterzienserinnen-Abtei.

Die Idee zu dem Besinnungsweg speise sich aus verschiedenen Quellen, sagt Ferdinand Reithmeyr, Vorsitzender des Freundeskreises des Klosters. Vor rund zwei Jahren habe der Plan konkrete Formen angenommen. Hintergrund dazu war der Weiherhof, die Urzelle des Ordens, der 2012 wieder in das Eigentum des Klosters Oberschönenfeld zurückkehrte.

Meditation im Schwarzachtal

Wunsch war, die Beziehung der beiden Orte im Schwarzachtal deutlich sichtbar herauszustellen. So entstand schließlich der Plan, entlang des Weges am Waldrand zwischen Kloster und Weiherhof auf einer Länge von rund drei Kilometern einen Meditationsweg entstehen zu lassen. Damit komme letztlich zusammen, was zusammen gehöre, resümiert Reithmeyr.

So sehen die Stelen aus. Noch ist von ihnen nur ein Modell vorhanden. Im Frühjahr sollen sie allerdings den neuen Besinnungsweg flankieren.
Foto: Peter Brinker

Schwester Emmanuela erarbeitete daraufhin ein Konzept mit zwölf Holzstelen von der Klosterkirche bis zur Kapelle Maria Sieben Schmerzen. Der Besinnungscharakter der Unikate soll in Schlagworten und kurzen Sätzen gipfeln. „Der Betrachter soll mit Worten wie 'Stille', 'Höre', 'Lausche' und 'Sehe' die Natur um sich wahrnehmen“, verdeutlicht die Ordensfrau. Immerhin stehe die Schöpfung im Mittelpunkt des Lebens.

Auch die Corona-Pandemie spielt eine Rolle

Während der Corona-Pandemie seien neue Werte entstanden, wie das Leben zu entschleunigen, langsamer zu werden und aufzuatmen, für Ruhe und Impulse, ergänzt sie. „Diese neue Lebensweise gilt es, verstärkt in die Gegenwart mit hinein zu nehmen“, erläutert Schwester Emmanuela. Der neue Meditationsweg biete sich dafür bestens an.

Ergänzt werden die Holzstelen mit kleinen Texten des heiligen Bernhard von Clairvaux, einem der Väter des Zisterzienserordens. Diese Idee stammte von Äbtissin Gertrud Pesch. Von dem mittelalterlichen französischen Abt und Theologen stammen Zitate wie „Den Garten des Paradieses betritt man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Herzen“ oder „Besser noch, das Ärgernis entsteht, als dass man die Wahrheit im Stich lässt“. „Seine Texte sollen zum Innehalten anregen“, wünscht sich Schwester Emmanuela. Soll heißen: Das von der Natur Vorgegebene weder zu überrennen noch zu ignorieren.

Peter Brinker aus Ustersbach gestaltet die Stelen

Während Schwester Emmanuela die Grundidee zu den Entwürfen hatte, ist der in Ustersbach lebende Holzkünstler Markus Brinker der Gestalter der zwölf Stelen. Sie alle weisen eine Größe von 30 mal 30 mal 180 Zentimeter auf und werden aus Eiche gefertigt. „Die Arbeiten finden in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Schwester Emmanuela statt, die ja selbst Künstlerin ist“, so Brinker.

Neben Schlagwort und Spruch ist jeweils im oberen Bereich der Skulptur ein Doppelband zu sehen. „Es symbolisiert zum einen die Verbindung zwischen Oberschönenfeld und Weiherhof, zum anderen das Miteinander zu Gott“, erläutert der Holzkünstler, für den nach eigenen Worten „das Formen des Holzes auf ursprüngliche Weise und mit traditionellem Werkzeug ein meditatives Erlebnis“ ist. Aus dieser eigenen Stille heraus entstehe die Skulptur. Und noch etwas Spezielles beinhalten die Stelen. In sie wird jeweils ein Naturstein aus der Region eingelassen.

Im Frühjahr sollen die Stelen aufgestellt werden

Vor der Platzierung am Wegrand werden im Frühjahr dafür noch massive Betonfundamente erstellt. Hinter jeder Skulptur werde zudem eine Bank aufgestellt, mit Blick auf Stele und umliegende Natur, berichtet Max Strehle, der auch darauf verweist, dass das Projekt vom Verein Naturpark Augsburg Westliche Wälder Unterstützung erhält. Hier herrsche ein Miteinander - und kein Konkurrenzdenken. Der ehemalige Landtagsabgeordnete aus Deubach unterstützt federführend den Freundeskreis bei der Gewinnung von Sponsoren und Spendern. Denn die sind für die Verwirklichung des Projekts dringend notwendig. „Wir gehen von Kosten in Höhe von circa 25.000 Euro aus“, schätzt er. Der Landrat und die Kreissparkasse Augsburg haben unter anderem bereits signalisiert, ein Scherflein beizutragen.

Für Max Strehle, dem Heimatverbundenen, ist der Meditationsweg, der übrigens eine Teilstrecke des berühmten Jakobswegs darstellt, etwas Besonderes: „Hier finden sich auf wenige Kilometer Mensch und Natur, Kultur und Kunst, gewollt oder ungewollt, zusammen.“ Das könne in einem ruhelosen Herzen durchaus Freude, Besinnung oder den einen oder anderen Impuls erwecken.

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