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Dialekte

18.08.2014

Unverständliches Kauderwelsch

Unsere Serie über sprachliche Besonderheiten befasst sich heute mit unverständlichen Mundarten

„Welschen“, „walschen“ oder auch „welscheln“ heißt in unserer Mundart so viel wie undeutlich, unverständlich, fremdländisch reden, ja auch lallen und stottern und sogar Dialekt sprechen – nach Sprachforscher König kann es aber durchaus auch mal schwäbisch sprechen heißen.

Es ist ein alter Begriff, der nach dem Duden auf die Bezeichnung „wal(a)hisc“ für den keltischen Volksstamm Volcae zurückzuführen ist. Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung des Wortes „welsch“ europaweit in vielen Sprachen, insbesondere für alles Romanische, durchgesetzt. Wenn einer „welsch“ spricht, dann ist das für germanische Ohren eben unverständliches Französisch oder Italienisch, ja einfach südländisch. Und Regionen in fernen südlichen Landen verkommen dann auch zur „Walachei“.

Unser „Welschkorn“ ist ein Begriff für südländisches Getreide, also Mais aus der Türkei. Auch die Italiener nennen Mais übrigens türkisches Korn. Und die „Walnuss“ kommt auch aus dem romanischen Raum, ist eine „welsche“ Frucht, die „nux gallica“.

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Und es gibt in unserer Region, aber auch in Südtirol viele Orte, die mit „welsch“ zusammenhängen. Zum Beispiel der Walchensee oder die Orte Waldkirch bei Günzburg (aus „walch“ wurde „wald“) oder Waldstetten. Und in Aichach gibt es einen Ortsteil Walchshofen.

Nun heißt das natürlich nicht, dass man überall dort unverständlich spricht und romanische Vorfahren hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass diese Orte in römischer Besatzungszeit entstanden sind, also von Menschen südlich der Alpen gegründet wurden. Und so gibt es in unserer Regionen auch noch zahlreiche Familiennamen, die mit „welsch“ zusammenhängen.

Das Unverständliche bezeichnen auch die Begriffe „Rotwelsch“ und „Kauderwelsch“. Ersteres ist die Geheimsprache der Gauner, auch der Sinti und Roma sowie der Fieranten aus dem Süden. Dabei steht die Silbe „rot“ für Bettler – verwandt mit unserem Wort Rotte für Bande.

Die Herkunft von Kauderwelsch hingegen ist ungeklärt. In Kluges Etymologielexikon findet man einen Bezug zu dem alten Wort „kaudern“, das Handel treiben bedeutete. Damit wäre wieder ein Bezug zu den fahrenden Händlern aus dem Süden hergestellt, die man nicht so recht verstehen konnte.

Eine weitere Erklärung ist laut Duden ein Bezug auf die Stadt Chur in der Schweiz. Danach wäre das Kauderwelsch ein Churer Romanisch – auch eine unverständliche Sprache, eher ein Gestammel also. Ähnlich haben bereits die alten Griechen „Fremdsprachen“ empfunden. Denn im antiken Hellas nannte man Fremde Barbaren, nicht in unserem abwertenden Sinn, sondern weil sie lautmalend nur „br, br“ sagten – oder die Griechen mit gewisser Arroganz nur das verstehen wollten.

Der Schweizer Kanton Wallis hat übrigens nichts mit „welsch“ zu tun, so naheliegend es auch sein mag. Hier ist das lateinische Wort „vallis“ für Tal der Ursprung.

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