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Ustersbacher

10.03.2020

Ustersbach erinnert an den Widerstandskämpfer Theodor Haecker

Das Bild zeigt den Widerstandskämpfer Theodor Haecker und seine Familie. Es wurde um 1920 in München aufgenommen.
Bild: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg/ Deutsches Kunstarchiv

Plus Vor 75 Jahren starb der Widerstandskämpfer Theodor Haecker in Ustersbach. Der Schriftsteller hat entscheidend das Wirken der Geschwister Scholl beeinflusst.

In der Gemeinde Ustersbach erinnert an Theodor Haecker eine nach ihm benannte Straße und eine Gedenktafel an seinen Sterbeort an der Hauptstraße. Doch sein Name und sein Wirken sind nicht nur dort fast vergessen. Dabei zählt er zu den bedeutendsten katholischen Schriftstellern zwischen den beiden Weltkriegen. Darüber hinaus gilt er als Kämpfer gegen den Nationalismus und Mentor der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Er starb am 9. April 1945 in Ustersbach. Anlässlich seines 75. Todestags erinnert die Gemeinde mit einer Theodor-Haecker-Woche.

An seinem Sterbehaus weist eine Gedenktafel auf den Schriftsteller Theodor Haecker.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Doch wer war dieser Mensch? Theodor Haecker war ein in sich zerrissener Zeitgenosse, von Schwermut über die Ohnmacht der Realität geprägt, aber auch von existenzieller Leere, in der der Lebenssinn zunehmend verschwunden war. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs verurteilte er – tief verwurzelt im christlichen Glauben – die „ehrlose Menschenschlächterei“ des Feldzugs. Als die Zensur ihn mundtot machen wollte, richtete sich sein Zorn gegen die liberale protestantische Kirche.

Ustersbacher Theodor Haecker sprach von Hitler als "Bestie"

Um seinem Leben Sinn und Halt zu geben, setzte er sich intensiv mit dem Existenzphilosophen Søren Kierkegaard und dem Systemkritiker Karl Kraus auseinander. 1921 trat Haecker zum katholischen Glauben über. Monate später betrachtete er sich innerlich gefestigter. „Ich musste große Umwege machen, ehe ich zu mir selber kam“, gestand er.

Ustersbach erinnert an den Widerstandskämpfer Theodor Haecker

Theodor Haecker wurde am 4. Juni 1879 im württembergischen Eberbach geboren. 1905 holte er das Abitur nach. Danach arbeitete er als Autor und veröffentlichte zahlreiche Werke, darunter „Vergil, Vater des Abendlandes“, „Was ist der Mensch?“ und „Der Christ und die Geschichte“. Bereits nach Hitlers Putschversuch im November 1923 nahm er klar politisch Stellung. Er sprach von Adolf Hitler als der „Bestie“, von der „Singularität der Juden“ als auserwähltes Volk, bezeichnete das Dritte Reich als „bodenlose Betrügerei“ und das Hakenkreuz als „Symbol der sinnlosen Bewegung“.

Nach dem Publikationsverbot agiert er im Untergrund

Seine Äußerungen und kritischen Werke veranlassten das NS-Regime zum Handeln. 1933 wurde Haecker kurz verhaftet. 1935 erhielt er Rede- und später Publikationsverbot. Der Literat agierte fortan im Untergrund. Im Herbst 1941 lernte er die Widerstandskämpfer Hans und Sophie Scholl kennen und wurde zum geistigen Helfer der Bewegung „Weiße Rose“. Die Schärfe und Wortwahl deren Flugblätter ließ deutlich seine Handschrift erkennen.

Unmittelbar nach der Verhaftung der Geschwister Scholl im Februar 1943 durchsuchte die Gestapo Haeckers Wohnung. Ein Verfahren wegen Hochverrats gegen ihn wurde allerdings eingestellt.

In diesem Haus an der Ustersbacher Hauptstraße starb Theodor Haecker.
Bild: Deutsches Kunstarchiv

Aufzeichnungen erscheinen posthum

Als sein Haus 1944 bei einem Luftangriff zerstört wurde, bot ihm seine aus Ustersbach stammende Haushälterin Amalie Wagner an, bei ihr und ihrer Familie zu wohnen. So verbrachte Haecker seine letzten Lebensmonate in Ustersbach. Dort erlag er am 9. April 1945 wegen fehlendem Insulin einem diabetischen Koma. Jakob Knab nannte den Widerstandskämpfer Theodor Haecker „ein exemplarisches Beispiel, wie man sich als Katholik in Zeiten einer zunehmenden denkerischen und persönlichen Unfreiheit verhalten kann“. Haeckers „Tag- und Nachtbücher“, die er während der NS-Zeit heimlich geschrieben hatte, erschienen 1947 posthum. Experten zählen sie zu den bedeutendsten Zeugnissen des inneren Widerstands deutscher Intellektueller in der Zeit des Nazi-Regimes.

Den 75. Todestag Haeckers nimmt die Gemeinde Ustersbach zum Anlass, ihm vom 4. bis 10. April mit einem Theaterstück, einer Ausstellung sowie einer Passionsandacht und Filmvorführung zu gedenken.

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