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Diedorf

16.01.2020

Vatikanexperte Andreas Englisch: Wie unterschiedlich ticken die Päpste?

„Ratzinger mag drei Dinge: Schweinsbraten, Weizenbier und eine HB.“Der deutsche Vatikanexperte Andreas Englisch plauderte in Diedorf aus dem Nähkästchen und verriet, was Papst Benedikt gerne isst oder wie Papst Franziskus tickt. 
Bild: Marcus Merk

Bei einem Vortrag des Vatikanexperten Andreas Englisch in Diedorf erzählt dieser zahlreiche Anekdoten über die drei letzen Päpste. Was er zum Streit um den Zölibat zu sagen hat.

„Ausverkauft“ hieß es am Mittwochabend im Pfarrsaal Herz Mariä in Diedorf: Andreas Englisch, der gefragteste deutsche Vatikanexperte, hielt dort einen Vortrag. Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit und konnten ihn unter anderem auch zu dem aktuellen Streit um den Zölibat zwischen Papst Franziskus und seinem Vorgänger befragen.

Der Buchautor Andreas Englisch kennt die Päpste der vergangenen Jahrzehnte gut und verfügt über exzellente Kontakte zur höchsten Riege der katholischen Kirche. Dabei ging der heute in Rom lebende Journalist nach seinem Studium eigentlich nur in die italienische Hauptstadt, um für ein halbes Jahr die Sprache zu lernen. Von der katholischen Kirche habe er damals überhaupt keine Ahnung gehabt, erzählte Englisch den Diedorfern. Bei seinem ersten Treffen mit Papst Johannes Paul II. 1988 habe dieser ihn daher gefragt, von was er denn überhaupt etwas verstehe. Englisch antwortete: „Von Fußball!“ Eben jener Papst war es dann jedoch, der Englisch dauerhaft veränderte. „Ich bin sehr dankbar, dass ich Paul II. vor seinem Tod noch sagen konnte, dass ich durch ihn wieder zum gläubigen Christen wurde.“ Er beschreibt die Zeit nach dem Tod Wojtyłas als für seine ganze Familie sehr schwierig. Besonders sein Sohn hatte den Papst ins Herz geschlossen und nannte diesen „Opa Papst“.

Was Papst Benedikt XVI am liebsten mag

Auch Papst Benedikt XVI. lernte Englisch gut kennen und charakterisiert ihn so: „Ratzinger mag drei Dinge: Schweinebraten, Weizenbier und eine HB.“ Seine Schwester habe ihm das oft verboten und ihm stattdessen Salat und Milch verordnet. Für ihn sei es daher kein Wunder, dass der letzte Papst immer so grimmig schaute, sagte Englisch scherzend.

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Papst Franziskus ist der dritte Papst, den Englisch begleiten darf. Er charakterisiert ihn als Menschen, der ihn mit seiner Bescheidenheit und seiner Willensstärke immer wieder aufs Neue überrascht hat. „Geht nicht in die Kirchen und betet für Verbesserung, sondern aus ihnen raus und verbessert ewas. Dann wird Gott bei euch sein“, zitiert er aus dem Gottesdienst von Papst Franziskus am Weltjugendtag in Rio de Janeiro 2013. Diesen Gottesdienst am Strand von Rio beschreibt Englisch als den spirituellsten seines Lebens.

Wie steht Andreas Englisch zum Streit um das Thema Zölibat?

Bei einer abschließenden Fragerunde in Diedorf kommt wie von Englisch bereits erwartet natürlich auch die Frage nach dem aktuellen Streit um den Zölibat zwischen Papst Franziskus und Benedikt auf. Englisch erklärt dabei zuerst, dass der Konflikt zwischen der sehr konservativen Front um Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus schon seit Jahren schwele und die beiden Päpste grundsätzlich verschieden tickten.

Während Benedikt sehr auf das Jenseits fokussiert sei, sei es für Franziskus am wichtigsten, den Armen hier und jetzt zu helfen. Zu der jetzigen Debatte findet Englisch klare Worte: „Es gibt so viele Probleme in der Kirche, wie die Armut auf der Welt, die eigentlich zu lösen wären. Stattdessen streiten sie sich darum, ob irgendein verheirateter Mann am Amazonas Pfarrer werden darf.“ Im Pfarrsaal gibt es daraufhin schallenden Beifall. Das ist nicht das einzige Mal: Immer wieder kommt es zu Zwischenapplaus und das Publikum ist sichtbar begeistert von Englischs lebhaften, witzigen und persönlichen Art zu erzählen.

Kommt der Papst bald nach Deutschland?

Auf die Frage, ob der Papst bald auch bald nach Deutschland kommen würde, antwortet der Experte mit einem klaren Nein. Der Papst interessiere sich für die Peripherie, es sei ihm viel wichtiger, zum Beispiel einmal nach Bosnien zu reisen, als nach Deutschland. Trotz aktueller Probleme blickt der Vatikanexperte positiv in die Zukunft der katholischen Kirche. „Franziskus darf man nicht unterschätzen. Der Mann ist echt entschlossen.“ Schon nach dem Gottesdienst des Papstes in Rio 2013 habe er sich gedacht: „Vielleicht kann dieser Papst ja dieser eingefrorenen katholischen Kirche doch noch etwas Leben schenken.“

Das Buch „Mein Rom“von Andreas Englisch ist momentan nicht auf dem Markt erhältlich. Es erscheint wieder am 21. Januar 2020.

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