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JVA Gablingen

18.07.2015

Venenscanner und Farbkonzept: So modern ist das neue Gefängnis

Die JVA Gablingen ist das modernste und größte Gefängnis Bayerns.
Bild: Marcus Merk

Die Bauarbeiten sind fast beendet, derzeit wird das Sicherheitskonzept für Bayerns modernstes Gefängnis erstellt. Das soll Ende Oktober in Betrieb gehen.

Wer in einem der Innenhöfe der Justizvollzugsanstalt Gablingen steht, kommt nicht auf den ersten Blick auf die Idee, dass es sich dort um ein Gefängnis handelt: Jede der sieben Grünflächen wird von einer farbigen Tartanbahn umrahmt. Die Farbskala reicht von Gelb oder Grün bis hin zu Rot, Blau oder Pink und findet sich auch im Inneren des Gebäudes wieder. Den Hintergrund erläutert Zoraida Maldonado de Landauer, Leiterin der Anstalt: „Anhand der Farben können sich auch Häftlinge orientieren, die kein Deutsch sprechen.“ Das Farbkonzept ist eines von vielen Gründen, warum das Gablinger Gefängnis als das derzeit modernste in Bayern gilt. Der bayerische Justizminister Winfried Bausback verkündete bei einem Besuch am Freitag an der Baustelle, dass der 100 Millionen Euro teure Bau nach derzeitigen Stand der Planungen am 26. Oktober eröffnen soll – nach insgesamt 21 Jahren Planungs- und Bauzeit.

Gablingen: Das modernste und größte Gefängnis in Bayern

Schon jetzt gibt es konkrete Pläne, das Gefängnis zu erweitern: Der offene Vollzug und der Jugendarrest sollen ebenfalls nach Gablingen verlegt werden, außerhalb der Gefängnismauern. Laut Bausback geht es nur noch darum, wann das passieren wird. Auf Nachfrage bestätigte der Politiker: „Das könnte sehr schnell gehen.“ Die Planungen dafür werden voraussichtlich nächstes Jahr starten. Laut einer Untersuchung des Staatlichen Bauamts müssten knapp zehn Millionen Euro investiert werden, um die Jugendarrestanstalt mit 45 Plätzen und ein Gebäude für den offenen Vollzug mit 34 Haftplätzen zu bauen. Geld, das wohl im nächsten Doppelhaushalt Bayerns 2017/18 bereit gestellt wird. Sollten eines Tages sowohl das Gefängnis als auch der Arrest und der Jugendvollzug voll ausgelastet sein, hielten sich knapp 700 Häftlinge in Gablingen auf.

JVA Gablingen
25 Bilder
So sieht es in der neuen JVA Gablingen aus
Bild: Marcus Merk

Damit ist die Justizvollzugsanstalt Gablingen nicht nur eines der modernsten, sondern auch der größten Gefängnisse. Bis jetzt sind in der Augsburger Justizvollzugsanstalt 246 Häftlinge untergebracht. Dass in Gablingen mehr als doppelt so viel Insassen sein werden, hat auch Auswirkungen auf den Personalstand: „Auch der wird sich auf rund 250 Leute verdoppeln“, sagt Maldonado de Landauer. Wie diese eingesetzt werden, ist derzeit die Frage, die die JVA-Leiterin austüfteln muss. Denn die Bauphase ist fast abgeschlossen – jetzt geht es darum, das Sicherheitskonzept zu erstellen.

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Ein Handvenenscanner am Eingang

Im Detail soll zum Beispiel geklärt werden, wie die Überwachung mit Kameras funktioniert oder wie lange ein Beamter vor dem Bildschirm sitzen kann, bis seine Aufmerksamkeit schwindet. Bausback betonte: „Wir haben hier die modernste Technik.“ Einige Beispiele: Am Eingang erwartet die Besucher ein Handvenen-Scanner, der den Verlauf der Blutbahnen im Körper untersucht. Die Position der Venen bleibt zeitlebens unverändert und ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Alle Autos, die durch die Schleuse der JVA fahren, werden im wahrsten Sinne des Wortes durchleuchtet: Ein Herzschlagdetektor soll blinde Passagiere erkennen.

Auch die Größe der Anstalt ist ein Vorteil, sagt Maldonado de Landauer: „Wenn sich hier eine Art Mafia bilden sollte, verteilen wir die Insassen eben auf mehrere Gebäude.“

Sobald das Sicherheitskonzept steht, wird unter Realbedingungen getestet: Zu diesem Zweck ziehen ausgewählte Häftlinge aus dem Augsburger Hochfeld nach Gablingen um. Maldonado de Landauer erklärt: „Dabei handelt es sich um Häftlinge, von denen ein geringes Risiko ausgeht.“ Läuft auch hier alles nach Plan, sollen langfristig alle Häftlinge aus Augsburg nach Gablingen umziehen. Auch aus anderen bayerischen Gefängnissen sollen Häftlinge nach Gablingen verlegt werden und so die angespannte Belegungslage in Bayern entschärfen.

Im Augsburger Hochfeld sollen neue Wohnungen entstehen, wie der Sozialstaatssekretär und ehemalige Anstaltsbeirat Johannes Hintersberger erklärt: „Das Hochfeld-Areal wird städtebaulich eine wichtige Rolle einnehmen.“ Wie es in der Karmelitengasse aussieht, ist noch unklar – auch hier verdichten sich die Anzeichen, dass in der begehrten Lage Wohnungen entstehen.

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