Grüner gärtnern

24.06.2019

Verehrt oder verhasst

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Der heutige Johannitag ist ein wichtiger Tag im Gartenjahr. Da gehört die Brennnessel mit dazu und auch sonst ist sie eine wahre Allrounderin

Eine meilenweit unterschätzte Pflanze, die so gut wie jedes Kind kennt, ist die Brennnessel. Sie ist entweder hoch verehrt oder verhasst. Denn wie der Name schon sagt, brennt diese Nessel. Aber nur, wenn man sie falsch anfasst. Ihre Brennhaare wachsen senkrecht nach oben, sodass man die Pflanze in Wuchsrichtung der Haare gut von unten nach oben anfassen kann. Nur am Stiel angefasst, brennt sie nicht und die Jungpflanzen piksen übrigens auch nicht. Die Brennnessel gibt es nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Nur in der Antarktis gibt es sie nicht.

Als Heilpflanze ist sie blutreinigend, harntreibend, entgiftend und entschlackend und sie ist ein natürliches Aphrodisiakum, also quasi das Viagra der Natur. Denn der hohe Anteil an Mineralien, Vitaminen, Aminosäuren und den pflanzlichen Hormonen stärkt die männliche Potenz genauso wie die Fruchtbarkeit der Frau. Sie enthält zudem mit rund 40 Prozent Eiweißgehalt mehr als die beliebte Proteinquelle Soja.

Als Futterbeigabe für die geliebten Vierbeiner verhilft das Kraut zu einem schöneren Fell und einer besseren Nierenfunktion.

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Schmetterlinge wie der Admiral, das Tagpfauenauge oder der Kleine Fuchs lieben die Brennnessel und sie dient ihnen als Futterpflanze. Wer eine eigene Schmetterlingsweide im heimischen Garten haben möchte, pflanzt am besten Unmengen dieses Krauts an.

Es kann wunderbar als Dünger dienen und die bekannte, nicht sehr gut riechende Brennnesseljauche ist leicht selbst gemacht. In einem biologischen Garten kann ein Kaltwasserauszug gut als Pflanzenstärkungsmittel verwendet werden, denn die enthaltene Kieselsäure stärkt die damit gegossenen Pflanzen. Die verdünnte Jauche kann als Öko-Herbizit, also als Unkrautvernichter, eingesetzt werden. Denn in den Brennhaaren ist Ameisensäure und so wirkt die Jauche zum Beispiel gegen Löwenzahn und Giersch. Brennnesseln, als Mulchschicht im Garten eingesetzt, verbessern die Bodenqualität. Gibt man übrige Blätter in den Kompost, wird der Verrottungsprozess beschleunigt.

Um die Wende ins 20. Jahrhundert war das Nesseltuch das Leinen der Armen. Tatsächlich wurden aus Brennnesseln Stoffe hergestellt und in Deutschland im Zweiten Weltkrieg speziell für Armeekleidung verwendet.

Am heutigen Johannitag ist es Brauch, die Heilkräuter für die eigene Apotheke zu Hause zu sammeln. Denn an diesem Tag, so sagt man, haben die Kräuter besondere Kräfte. Sehr lecker und ebenfalls zum Brauchtum gehörend an diesem Tag ist der Brennnessel-Pfannkuchen. Dazu gibt man etwa eine Handvoll frische, junge, ganz fein gehackte Brennnesselblätter in den Teig. Wer das Kraut auch mal als Gemüse ausprobieren möchte, kann es wie Spinat zubereiten. Schmeckt nämlich ähnlich wie Spinat, nur etwas würziger. Und wer nun Lust bekommen hat, diese Allrounderin wieder in seinem Garten zu haben, der sollte ihr ein feuchtes, halbschattiges bis sonniges Plätzchen verschaffen.

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