Newsticker

Österreich verhängt Quarantänepflicht für alle Einreisenden aus Risikogebieten von 7. Dezember bis 10. Januar
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Verstärkung für Dinkelscherber Pfarrer

Dinkelscherben

15.11.2018

Verstärkung für Dinkelscherber Pfarrer

Pater Joe Arun Prakash (links) wird in den kommenden 14 Monaten in Dinkelscherben leben. Pfarrer Martin Gall unterstützt den 33-jährigen Inder. Er bringt ihm nicht nur den Ablauf des Gottesdienstes bei, sondern hilft auch bei alltäglichen Problemen. 

Martin Gall bekommt Verstärkung. In den kommenden 14 Monaten wird ihn Pater Joe unterstützen. Weshalb der Mann aus Indien in der Marktgemeinde eingesetzt wird.

 Pater Joe wirft sich eine dicke Winterjacke über. Auf dem kurzen Weg vom Pfarrbüro in die Kirche wird klar, was der Mann aus Indien am meisten vermisst. „Es ist so kalt hier“, sagt er an diesem trüben Herbsttag. Doch nicht nur das Wetter in Dinkelscherben ist anders als in seiner Heimat Indien. Sprache, Essen, Führerschein – Pater Joe Arun Prakash hat viel vor. In den kommenden 14 Monaten soll er von Pfarrer Martin Gall nicht nur alles über den Gottesdienst lernen.

In der Pfarreiengemeinschaft gibt es jetzt drei Pfarrer

Der 33-jährige Inder lebt seit vergangenem Freitag zusammen mit Pfarrer Gall und Pater Joshi im Dinkelscherber Pfarrheim. Er gehört den Setyler Missionaren an, einer Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche. Weil es in der Region immer weniger Pfarrer gibt, wurde Pater Joe, der vor einem Jahr in Indien zum Priester geweiht wurde, von seinem Orden nach Dinkelscherben geschickt. Für den Inder ist es nicht der erste Besuch in Deutschland. Er lebte und predigte bereits in Bonn und Dresden, weshalb er schon gut deutsch spricht.

Dass er nun in die Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben geschickt wurde, freut Pater Joe besonders. Denn hier gebe es deutlich mehr Katholiken als in Nord- oder Ostdeutschland. Außerdem möge er die vielen Traditionen und schönen Kirchen in der Region. Bisher habe man ihn mit offenen Armen empfangen. „Ich hatte keinen Kulturschock“, sagt der Pater. Im Gegenteil, er sei ein großer Freund der hiesigen Kultur. Ein Brauch habe es ihm besonders angetan. In Köln habe er sich beim Karneval einmal in ein afrikanisches Gewand geschmissen, dazu eine Krawatte. „Es war sehr lustig“, sagt der Inder. Ob er auch im schwäbischen Fasching unterwegs ist, bleibt abzuwarten.

In den kommenden Wochen und Monaten wird der indische Pater zusammen mit Pfarrer Gall in allen Kirchen der Pfarreigemeinschaft unterwegs sein. Sie werden auch den Gottesdienst zusammen gestalten. Wohin es für den Inder nach den 14 Monaten in Dinkelscherben geht, stehe noch nicht fest. Sein Orden wird ihn aber weiterhin in einer deutschen Pfarrei einsetzen.

Pater Joe will Führerschein machen

In Dinkelscherben steht seinem neuen Kollegen der erfahrene Pfarrer Gall zur Seite. Zum einen gehe es darum, dem neuen Pater den Ablauf des Gottesdienstes zu erklären. Der unterscheide sich allerdings nicht stark von dem der Katholiken seines Ordens in Indien. Viel wichtiger sei die Hilfe seines Kollegen bei alltäglichen Dingen, meint Pater Joe. Ein Bankkonto eröffnen zum Beispiel, oder die Anmeldung in der Gemeinde. Eine der größten Herausforderungen aber sei der Führerschein. Eigentlich habe er den zwar bereits, sagt Pater Joe, aber sein indischer Schein gelte nicht in Deutschland. „Die größte Umstellung ist der Rechtsverkehr“, meint Pfarrer Gall. Er will seinen Kollegen so gut es geht beim Lernen für die Prüfung unterstützen.

Dass der indische Priester ausgerechnet zu ihm nach Dinkelscherben gekommen ist, liege vor allem daran, dass hier ausreichend Platz sei, sagt Gall. Außerdem habe der Orden des Inders auch in Friedberg eine Gemeinschaft. Weil Pater Joe dort immer wieder auf Fortbildung ist, habe man eine Pfarrei gesucht, die nicht zu weit entfernt ist.

Immer weniger deutsche Pfarrer in der Region

Dass Pater Joe den weiten Weg aus dem südindischen Tamil Nadu auf sich nimmt, um als Pfarrer in Deutschland zu arbeiten, liegt auch daran, dass es hierzulande immer weniger Priester gibt. In der Diözese Augsburg gebe es etwa 1000 Pfarreien mit rund 400 Priestern, erklärt Martin Gall. 160 davon seien aus dem Ausland. Woran liegt das?

Für Gall sei dies die Entwicklung eines tieferliegenden Problems. „In der westlichen Welt hat die Kirche nicht mehr den Stellenwert, den sie einmal hatte“, meint der Dinkelscherber Pfarrer. Nicht nur Pfarrer werden deshalb immer seltener, sagt Gall. Auch andere Mitarbeiter in den Pfarreien und kirchlichen Einrichtungen fehlen. Es gebe zu wenige christliche Vorbilder und Gläubige. Gegen diesen Trend helfe nur, seinen Glauben offen zu leben, sagt der Pfarrer. „Wir müssen leidenschaftlich bei der Sache sein und ein glaubwürdiges Zeugnis als Christen ablegen“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren