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Steinbach-Kontroverse

04.03.2009

Vertriebene zeigen sich solidarisch mit Steinbach

Die Entscheidung ist gefallen: Der Bund der Vertriebenen (BdV) beugt sich den tagelangen politischen und medialen Kontroversen im In- und Ausland und wird seine Präsidentin Erika Steinbach vorerst nicht mit einem Sitz im Stiftungsbeirat des geplanten Zentrums für Vertriebene in Berlin versehen. Bei den Vertriebenen im Landkreis sorgt diese Entwicklung vor allem für eins: Unverständnis.

Von Christian Paul

Landkreis Augsburg - Die Entscheidung ist gefallen: Der Bund der Vertriebenen (BdV) beugt sich den tagelangen politischen und medialen Kontroversen im In- und Ausland und wird seine Präsidentin Erika Steinbach vorerst nicht mit einem Sitz im Stiftungsbeirat des geplanten Zentrums für Vertriebene in Berlin versehen.

Bei den Vertriebenen im Landkreis sorgt diese Entwicklung vor allem für eins: Unverständnis. Kurt Stoupa empfindet diesen Schritt als "überhaupt nicht nachvollziehbar". Der 88-Jährige aus Horgau ist Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft Zusmarshausen-Horgau und sieht in dem Vorgang "all zu viel Rücksicht auf unsere Nachbarn".

Gerade in Polen hatte sich in den vergangenen Tagen massiver Widerstand gegen Steinbach geregt. Mehr oder weniger offen wurde befürchtet, dass in der geplanten Gedenkstätte Deutsche vorrangig als Vertreibungsopfer dargestellt werden würden, sollte Steinbach im Stiftungsrat sitzen.

Vertriebene zeigen sich solidarisch mit Steinbach

"Das ist reiner Nationalismus, der uns aus Warschau und Prag entgegenschlägt", sagt Stoupa. Der Erzgebirgler empfindet die Situation als unausgewogen: "Man kann nicht immer auf der deutschen Seite herumhacken."

Alois Proksch vom Bund der Eghalanda Gmoin schlägt in die gleiche Kerbe. "Ich kann nicht erkennen, dass Frau Steinbach die Polen brüskiert hat. Sie ist dort einfach eine Reizfigur." Der Egerländer ist sich sicher, dass "die Polen von Anfang an nicht von dem Projekt begeistert waren". Und das, obwohl er immer nur gelesen habe, das Zentrum in Berlin solle ein "Zeichen des Friedens" sein.

Aber auch innerhalb Deutschlands vermisst Proksch Rückendeckung für die Präsidentin des BdV, besonders in der Politik. "Vor allem die Grünen und die SPD wollen die Stimme der Vertriebenen offenbar nicht mehr hören", ärgert sich Proksch. Die jetzt vom BdV getroffene Entscheidung hält er für "nicht zufriedenstellend".

Gottfried Schwarz ist Vorsitzender der Kreisgruppe Augsburg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen. Und auch wenn er damit "nicht direkt von den Dingen betroffen" sei, empfindet er den Verzicht des BdVs auf Steinbach im Stiftungsbeirat als "vernünftig, aber nicht gerecht". "Jede Volksgruppe sollte an das, was passiert ist, erinnern dürfen", findet er. Die Aufregung in Polen verstehe er daher nicht.

Für Manfred Pietsch kommt ein Zentrum für Vertriebene in Berlin "viel zu spät". Seine Familie kam 1948 unfreiwillig aus dem Sudetenland in den Landkreis, nach Friedensdorf in Zusmarshausen. Sein Vater war Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft Zusmarshausen-Horgau, er selbst kann einem Zentrum in Berlin wenig abgewinnen: "Wir haben doch eh alles verloren."

Adolf Bier, Vorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft Herbertshofen setzt sich seit jeher für den Bau eines gesamtdeutschen Zentrums für Vertriebene ein. Aber auch er räumt ein, dass man das schon "viel früher hätte machen müssen". Die Erlebnisgeneration sterbe aus. Den Schritt des BdVs interpretiert Bier dennoch als Zeichen dafür, den Bau des Zentrums weiter voranzutreiben.

Schließlich gelte es, einen wichtigen Teil der Geschichte entsprechend zu würdigen. Adolf Bier: "Und an den muss man erinnern. Tut man das nicht, dann werden wir von der Geschichte gleich ein zweites Mal vertrieben."

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