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Langweid-Foret

05.02.2020

Vier Nordafrikaner flüchten im Container nach Langweid

Vier Personen rennen nach Öffnung eines Containers davon.
Bild: Roland Weihrauch, dpa (Symbolfoto)

Eine Spedition in Langweid-Foret bekommt eine Lieferung aus Genua. Als ein Mitarbeiter den Container öffnet, ist die Überraschung groß.

Mit dieser Lieferung haben die Mitarbeiter einer Spedition in Langweid-Foret sicherlich nicht gerechnet. Am Montag bekam das Unternehmen gegen 9.20 Uhr einen Container aus Genua zugestellt. Die Box war verschlossen und ordnungsgemäß verplombt. Als einer der Arbeiter die Türe öffnete, war die Überraschung groß.

Vier Männer kamen ihm plötzlich entgegen, rannten über das Firmengelände, überstiegen einen Zaun und flüchteten. Mehrere Streifen der Polizei fuhren daraufhin zur Spedition und machten sich auf die Suche. Zwei der Flüchtigen konnten laut Polizei in Stettenhofen gesichtet werden. Die anderen beiden wurden am Bahnhof Gablingen aufgegriffen.

Eine Person wurde mit Haftbefehl gesucht

Beim Antreffen der Männer riefen alle „Asyl“. Zur weiteren Abklärung wurden die Männer auf die Dienststelle der Polizei in Gersthofen mitgenommen. Nach der Befragung und Überprüfung wurden drei Männer ins Ankerzentrum nach Augsburg gebracht. Eine Person hielt sich bereits vor Jahren in Deutschland auf. Gegen ihn bestand ein Haftbefehl, der sofort vollzogen wurde. Die vier Männer müssen nach Auskunft der Polizei offenbar mehrere Tage in dem Container gelebt haben. „Aufgegeben wurde die Ladung wohl in einem afrikanischen Hafen“, vermutet Polizeihauptkommissar Gerhard Miehle. Mittlerweile hat sich auch die Kripo in die Ermittlungen eingeschaltet, denn die Wahrscheinlichkeit, dass hier professionelle Schleuser am Werk waren, ist hoch. „Da die Plombe noch im Originalzustand gewesen ist, müssen die vier Männer Helfer von außerhalb gehabt haben“, sagt Miehle. Zudem habe es sicherlich auch für den Aufenthalt im Auflieger entsprechender Vorbereitungen bedurft.

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Bei dem Container handelte es sich nach Auskunft der Polizei um eine Wechselbrücke. Diese in der Regel sieben bis acht Meter langen Frachtbehälter werden am Starthafen vom Lastwagen abgekoppelt und am Zielort dann wieder aufgeladen. Vermutet wird, dass die vier Männer in Tunesien oder Libyen an Bord gelangt sind. Die schnellste Überfahrt zwischen Tunis und Genua einer Fähre beispielsweise beträgt immerhin noch knapp 24 Stunden.

Männer waren wahrscheinlich bis zu einer Woche im Container

Rechnet man die Strecke von Genua bis Langweid-Foret hinzu, die je nach gewählte Route zwischen 620 und 760 Kilometer betragen kann, kommen schnell noch einmal zehn Stunden dazu. Da die vier blinden Passagiere aber sicherlich nicht eine Minute vor dem Ablegen in den Container geklettert sind und dieser auch nicht in Genua binnen weniger Minute auf den Lastwagen verladen wurde, könnten sich die vier Männer ohne Weiteres bis zu einer Woche in dem Container aufgehalten haben.

Lebensgefahr aber hat für die Männer offenbar nicht bestanden. „Der Auflieger ist weder luftdicht verschlossen gewesen, noch handelte es sich um einen Kühlcontainer“, sagt Miehle. Gefährlich war der Transport aber dennoch. Der World Shipping Council (WSC) geht davon aus, dass Schiffe pro Jahr zwischen 350 bis 675 Container im Meer verlieren. Umweltverbände schätzen sogar, dass bis zu 20.000 Stück jährlich verloren gehen. Die Überlebenschancen sind in dem Fall für die Eingeschlossenen gleich Null. Die Container stellen zudem eine große Gefahr vor allem für Segler dar.

Unklar war am Mittwoch immer noch die Nationalität der drei Männer, die sich zurzeit im Augsburger Ankerzentrum befinden. Es handelt sich zwar offenbar um Nordafrikaner, weitere Details waren aber noch nicht bekannt. Von Interesse ist für die Polizei vor allem, wer die Hintermänner dieser Schleusung sind.

Der Container dürfte sich jedenfalls bereits wieder auf Reisen befinden. Er wurde laut Hauptkommissar Miehle nicht sichergestellt und verblieb für den Weitertransport bei der Spedition.

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