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Porträt

30.04.2015

Vogelwilde Liebesgeschichte

Ein erfolgreiches Team: Der Taubenzüchter Reinhold Heim mit seinen Coburger Lerchen Silber ohne Binde
Bild: Marcus Merk

Wenn Reinhold Heim bei seinen Coburger Lerchen ist, dann strahlt er. Zu verdanken hat er die tierische Romanze ausgerechnet seiner Frau Ottilie

Bewaffnet mit einem Kescher betritt Reinhold Heim den Käfig. Was er fangen möchte, ist kein Fisch oder Krebs, sondern eine seiner Coburger Lerchen. In Silber. Ohne Binden. Seit 17 Jahren züchtet er die Taubenrasse in seinen zwei kleiderschrankgroßen Vogelkäfigen oder „Volieren“, so der Fachbegriff. „Normalerweise brauche ich den Kescher nicht, da fliegen die von alleine auf die Hand“, sagt Heim. Doch derzeit brüten seine Vögel, da ist Vorsicht geboten.

Heim möchte seine Zuchtvögel aus der Nähe zeigen. Die Tauben haben aber offensichtlich andere Pläne, versuchen aufzusteigen, rudern wild mit den Flügeln. Das Pech für die Tauben: Reinhold Heim ist auf der Pirsch. Schnappt einmal zu. Und hat ein Tier eingefangen. Mit geröteten Backen und strahlenden Augen kommt er aus dem Käfig, packt den Vogel an den Füßen.

„Wenn er den Kescher nicht nimmt und sie so packt, dann reißt er noch eine Feder aus“, sagt Ehefrau Ottilie Heim. Und das wäre nun wirklich schlimm. Denn die Coburger Lerchen der Familie Heim sind besondere Vögel.

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Regelmäßig reisen die Heims mit ihren Tieren durch Bayern, gewinnen auf Ausstellungen einen Preis nach dem anderen.

Der Vogel wehrt sich, aber Reinhold Heim gibt nicht nach, genießt vielmehr den Moment. „Die Lerchen sind eine besonders schwere Rasse“, sagt er. Für ihn die ideale Taubenrasse. „Stark und brav.“ Wenn sie nicht gerade brüten.

Vor 17 Jahren begann er seine Zucht mit vier Vögeln, die ihm seine Frau zum 50. Geburtstag schenkte. Beide waren schon Mitglied im Rassegeflügelzuchtverein Welden. Seitdem ist es um Reinhold Heim geschehen und aus den vier wurden 16 Vögel. „Man muss die Tauben lieben wie eine Frau“, verrät er sein Geheimnis. Seine eigene Frau zieht dazu eine Grimasse, spöttelt: „Ich hab ihm schon gesagt, ich stell das Bett in die Voliere.“ Doch wirklich beschweren will sie sich nicht.

Derweil zeigt Reinhold Heim seinen ganzen Stolz: „Das Wichtigste ist das Ocker am Kropf. Das haben nur wenige so schön“, sagt er und streicht seiner Taube über den Kropf. Auch andere Körperteile fließen in die Wertungen ein: die silbrig-weißen Schwanzfedern mit den schwarzen Spitzen, die Augen, die Schnabelfarbe, das Gewicht. Die Juroren haben einen strengen Katalog, den sie abarbeiten. Und nur die wenigsten Vögel bekommen das Prädikat „V“ wie „vorzüglich“.

Reinhold Heim ist das zum ersten Mal 2001 gelungen. Es war auch die kurioseste Geschichte, die er erlebt hat: „Ich habe da die Tauben geschminkt“, gesteht Ottilie Heim. Wobei sich ihr Part auf das Einölen von Schnabel und Füßen beschränkte. „Den Rest haben dann die Vögel gemacht“, erinnert sie sich. Also das ganze Öl mittels Schnabel ins Gefieder geschmiert. Der Schock war groß, „ein Konkurrent hatte mir geraten, die gleich wieder heimzunehmen. Die würden eh nicht bewertet.“

Doch über Nacht geschah das Wunder: Alles Öl war weg, als die Juroren kamen, ohne dass die Heims etwas damit zu tun hatten, wie sie schwören. „Und der Vogel, der am schlimmsten aussah, ist am Ende ein ‚V‘ geworden“, erinnert sich Reinhold Heim. „Die haben damals alle geschaut, wie das geht.“ Die Illusion macht aber Frau Ottilie zunichte: „Eigentlich gar nichts, das ging von allein weg. Schade, dass dieses Öl nicht mehr hergestellt wird“, sagt sie und lacht. Also nichts mehr mit Anpinseln? „Das geht leider nicht, die Juroren nehmen die Tiere in die Hand“, sagt sie weiter.

So kamen die Heims zu ihrem ersten Band. Mittlerweile ist der Trophäenschrank voller Bänder und Pokale, so weit das Auge reicht. Seit 2007 ist er ununterbrochen Vereinsmeister, kürzlich hat er erst die Bundesplakette in Gold bei der Bezirksschau in Maihingen gewonnen. Nur eines fehlt ihm noch: „Das Championsband“, sagt Ottilie Heim und Ehemann Reinhold lacht laut. Das Band für den schönsten Vogel der gesamten Ausstellung. „Da ist viel Glück dabei und du musst gut sein. Nicht jedem gefällt jedes Tier – wie beim Menschen“, sagt Reinhold Heim.

Wer auch mit dem Taubenzüchten anfangen möchte, für den hat Reinhold Heim ein paar Tipps: „Die Rasse muss passen, dafür sollte man zu Ausstellungen gehen. Dann sollte der Käfig groß genug sein. Mindestens drei mal drei Meter. Die Vögel müssen genug Platz haben, dass sie sich nicht gegenseitig verletzen. Und man muss mit dem Herzen dabei sein. Wenn Du die Tiere nicht liebst, dann brauchst Du auch keine zu haben.“

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