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Serie „Schlossherren“

12.11.2016

Vom Lustschloss zum Kulturhaus

Für das Untere Schlösschen in Bobingen ist die Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhard zuständig. Es erfüllt vielerlei Zwecke.
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Für das Untere Schlösschen in Bobingen ist die Kulturamtsleiterin Elisabeth Morhard zuständig. Es erfüllt vielerlei Zwecke.
Bild: Marcus Merk

Elisabeth Morhard erklärt, was den besonderen Charme des Unteren Schlösschens in Bobingen ausmacht.

Die gemeinsame Geschichte von Elisabeth Morhard, der Leiterin des Bobinger Kulturamts, und dem Unteren Schlösschen begann zu einem wahrlich historischen Zeitpunkt. Im Jahr 1994 feierte die Stadt Bobingen, die im Jahr 994 erstmals urkundlich erwähnt wurde, das 1000. Jubiläum. Und genau zu diesem Anlass betrat Elisabeth Morhard das erste Mal in ihrem Leben das Untere Schlösschen in Bobingen. „Es war ein beeindruckendes Gefühl“, erinnert sie sich zurück und ergänzt: „Ich war erstaunt über die Größe.“

Als imposant beschreibt die heutige Leiterin des Bobinger Kulturamtes das Schlösschen, das sie ganz privat kennenlernte, bevor sie 2008 ihre Anstellung im Kulturamt antrat. Heute zeichnet sie dafür verantwortlich, dass das Untere Schlösschen in seiner ganzen Pracht auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Kunst prägt das hübsche gelbe Anwesen an der Römerstraße auf Schritt und Tritt. Im Eingangsbereich zeugen zahlreiche Informationsschriften vom kulturellen Leben im Schlösschen. Dort hat auch der Kunstverein Bobingen seine Heimat. Wo Ausstellungsbesucher linkerhand in die schönen Räumlichkeiten der Galerie geleitet werden, die einst eine Kapelle waren und die heute Ausstellungen namhafter Künstler zeigen, erstreckt sich rechter Hand eine beeindruckende, zweiflüglige Treppe, die fast schon zum Motiv für das Untere Schlösschen geworden ist.

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Über knarrende Stufen führt der Weg ins Obergeschoss. Der schwäbisch-bayerische Heimatverein „D´Hochsträßler“ Bobingen und der örtliche Schachklub haben dort ihre Vereinsheimat gefunden. Das Bobinger Kammerorchester probt hier. Die Kinderkunstschule bietet dem kunstinteressierten Nachwuchs Kunst zum Anfassen und Mitmachen und aus dem Prachtstück des Schlösschens, dem Barocksaal, tönt Musik. Es probt das Musikinstitut Piano & Voice.

Im ehemaligen Speisesaal finden mittlerweile jährlich an die 100 Trauungen unter dem Deckengemälde „Göttermahl“ und mit Blick auf die herrliche Parkanlage statt. Erst im Jahr 2006 konnte bestätigt werden, dass eben dieses Deckengemälde vom berühmten Maler Christian Ehrhardt stammt, der von 1730 bis 1805 gelebt hat, und mit dem Fresco „Göttermahl“ eine Hochzeitsszene zeigt. Vor den Trautisch schreiten die Meernymphe Thetis und der achäische König Peleus, die weit weniger bekannt sind als ihr gemeinsamer Sohn Achill, der einer der Helden des Trojanischen Krieges war. Auch erinnert eben dieses Gemälde an die prunkvollste Zeit des Gebäudes (siehe kurz informiert), in der Baron Josef Maria von Zech auf Deubach das Untere Schlösschen wahrlich „barockisiert“ hat, wie Elisabeth Morhard es fast schon schwärmerisch bezeichnet.

Auch wenn vom Zech’schen Prunk heute nur noch wenige Details geblieben ist, so freut sich Elisabeth Morhard doch sehr über das „architektonische Juwel, eine Barockperle, die heute ein beliebtes und belebtes Kulturhaus geworden ist.“ Dass das rein organisatorisch betrachtet gar nicht so einfach ist, weiß die Leiterin des Bobinger Kulturamtes aus ihrer eigenen Arbeit. „Manchmal habe ich es selbst schwer, einen freien Termin für eine eigene Veranstaltung zu bekommen“.

Ein Blick in den Veranstaltungskalender zeigt: Das Schlösschen rockt. Da gibt es die „Histörchen im Schloss“ oder Open-Air-Veranstaltungen wie „music goes picnic“. Bei den „Schlösschen Open“ warten schon mal ungewohnte Kunst- und Hörerlebnisse, die Stadt Bobingen hält ihren Sommerempfang mit Kulturpreis-Verleihung und und und. Es könnte durchaus noch mehr werden: Ein Sommertheater im Barockgarten, eine Art Freilichtbühne im Park - das würde sich Morhard wünschen zum 50-jährigen Stadtjubiläum, das im Jahr 2019 ansteht.

Viele schätzen den einzigartigen Veranstaltungsort, obgleich dieser mit der Mittleren Mühle und der Singoldhalle durchaus Konkurrenz hat in der Stadt. Nicht einmal ein Schlösschen an sich ist in Bobingen eine große Besonderheit.

Auch das Mittlere und das Obere Schlösschen liegen an der einstigen Hauptstraße, die durch den Ort führte. Beide Schlösser sind heute im Privatbesitz. Und das Cosimosinische Schlösschen ist seit der Sanierung ein wahres Prunkstück in der Stadt geworden, verrät die Kulturchefin.

Wer einen Blick in die Geschichtsbücher wirft, dem wird klar, dass der heutige Bestand an Schlössern nur noch ein Abglanz früherer Zeiten ist. Im 15. Jahrhundert soll es elf Schlösschen in Bobingen gegeben haben. Geblieben sind heute noch vier. Das Heilig-Kreuz-Schlösschen, das einst in der Bäckergasse in Bobingen gestanden haben muss, ist zumindest noch Thema in der Stadtchronik. Von den anderen Schlösschen gibt es nur spärliche Überlieferungen und Überreste.

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