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Dinkelscherben

24.09.2019

Vom Maurer zum Priester in Dinkelscherben

Michael Sommer (rechts) unterstützt Pfarrer Martin Gall (links in den kommenden 15 Monaten bei der Arbeit.
Bild: Philipp Kinne

Plus Michael Sommer ist für 15 Monate quasi der neue Praktikant des Dinkelscherber Pfarrers Martin Gall. Dabei ist der 48-Jährige eigentlich Handwerker.

Personalwechsel in der Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben: Auf Pater Joe Arun Prakash folgt Michael Sommer. Er ist in den kommenden 15 Monaten sozusagen der neue Praktikant von Pfarrer Martin Gall. Im sogenannten Pastorialjahr soll Sommer die praktische Arbeit in der Pfarrei kennen lernen. Für den Quereinsteiger eine große Herausforderung. Der 48-Jährige fand erst spät zu seiner Berufung.

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Denn eigentlich ist Sommer ausgebildeter Maurer und Stahlbetonbauer. Nach seinem Hauptschulabschluss und dem Zivildienst hat er die Ausbildung 1987 begonnen. Aufgewachsen ist der neue Pfarrer-Praktikant in Illerrieden, einer Gemeinde im baden-württembergischen Alb-Donau-Kreis. 16 Jahre lang hat Sommer er auf dem Bau gearbeitet. Wie kommt es, dass er plötzlich einen ganz anderen Weg einschlug? „Ein Trauerfall in der Nachbarschaft hat mich zurück zum Glauben gebracht“, sagt Sommer. In dieser Zeit habe er auch wieder zur Kirche gefunden. Er habe viel gebetet und zu Gott gesprochen. Sommer fand Halt in einem Gebetskreis, unternahm eine Wallfahrt in Bosnien-Herzegowina. Dort lernte er mehrere Priester kennen, die ihn beeindruckten. „Das war ein entscheidender Moment in meinem Leben“, sagt der 48-Jährige.

Ein Theologiestudium auch ohne Abitur

Lange habe er mit sich gezögert, ob er den langen Weg zum Priester tatsächlich einschlagen möchte. „Ich wusste auch nicht, ob ich das überhaupt kann“, sagt Sommer. Schließlich habe er nur einen Hauptschulabschluss und kein Abitur. Doch Sommer war sich sicher, seine Berufung gefunden zu haben. 2005 schloss er sich der Ordensgemeinschaft der Missionare zum Kostbaren Blut an. Deren Niederlassung befindet sich in Salzburg. In Österreich habe sich die Möglichkeit ergeben, eine Prüfung zu machen, die ihn auch ohne Abitur zum Theologiestudium berechtigte, erklärt Sommer.

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Zwei Jahre lang habe er für die Prüfung gelernt, schließlich bestand er. „Das war keine leichte Zeit“, erinnert sich der 48-Jährige. Schließlich sei er schon seit vielen Jahren aus der Schule gewesen und habe plötzlich wieder Pauken müssen. „Mit Gottes Hilfe habe ich es geschafft“. Nach dem Studium übernahm Sommer Aufgaben innerhalb seines Ordens. Nun steht für ihn die praktische Ausbildung in der Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben an. Im November könnte der 48-Jährige zum Diakon geweiht werden. Nach der Priester-Weihe im Sommer soll er auch auch Trauungen oder Taufen übernehmen. „Ich freue mich schon darauf“, sagt Sommer.

Als Jugendlicher ging er lieber in die Disco als in die Kirche

Für den 48-Jährigen war es ein langer uns kräftezehrender Weg bis in die Pfarreiengemeinschaft Dinkelscherben. „Ich habe mich auch persönlich stark verändert“, sagt Sommer. Zwar sei er auch in seiner Kindheit schon regelmäßig in die Kirche gegangen. In der Jugend habe sich das aber geändert. Wie die meisten Jugendlichen sei er lieber in die Disco als in den Gottesdienst gegangen. Als er dann mit Mitte 20 zurück zum Glauben fand, habe sein Umfeld überrascht reagiert. Besonders sein Vater habe Schwierigkeiten mit der Entscheidung gehabt, dass Sommer den Weg zum Priester einschlagen werde. Auch Arbeitskollegen hatten kaum Verständnis dafür, erinnert sich Sommer. Doch sein Glaube gebe ihm Kraft. Er sei der Überzeugung, dass Gott diesen Weg für ihn vorgesehen habe. Sommer: „Das Ziel wird immer konkreter“.

Und privat? Der leidenschaftliche Fußballfan ist gerne auf Reisen. Besonders Wallfahrten reizen den Gläubigen. So war er schon in Polen Spanien oder Italien unterwegs. „Ich liebe Italien“, sagt er. Ansonsten liest der 48-Jährige in seiner Freizeit gerne. Besonders Biografien von Heiligen.

Seit knapp zwei Wochen ist er nun schon in Dinkelscherben. Sein Erster Eindruck? „Ich wurde herzlich aufgenommen“. Auch Pfarrer Martin Gall freut sich über die Unterstützung. Momentan gibt es gleich vier Geistliche im Pfarrhaus. Pater Joe Arun Prakash wird die Pfarreiengemeinschaft aber nach Weihnachten wieder verlassen. Er wechselt als Kaplan in eine Pfarrei nach München.

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