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Zusmarshausen

10.04.2016

Vom Nichtschwimmer zum Triathleten

Mitten drin, statt nur dabei. Martin Brenner am Start beim Schwarzbräupreis in Zusmarshausen. Als Anfänger nahm er an diesem Radrennen teil.
Bild: Foto: Andreas Lode

Martin Brenner aus Zusmarshausen arbeitet an einer atemberaubenden sportlichen Karriere. Er brachte sich das Schwimmen bei, um an Thriathlonveranstaltungen teilzunehmen.

Im vergangenen Jahr stand Martin Brenner noch am Straßenrand, als die Radrennfahrer beim Schwarzbräupreis in Zusmarshausen an ihm vorbei bretterten. „Da möchte ich auch mal mitfahren“, dachte sich der 34-Jährige aus Vallried. „Doch jeder, dem ich davon erzählte, hielt es für unmöglich, als absoluter Anfänger ins Ziel zu kommen.“ Doch was sich der Maschinenbau-Ingenieur in den Kopf setzt, das zieht er gnadenlos durch. Am Sonntag ging Brenner an den Start. Und er kam ins Ziel. Für Brenner war es der bisher größte sportliche Erfolg. „Meine Motivation war, etwas zu schaffen, was vor einem Jahr noch unerreichbar schien.“

Mit dem Mountainbike aus Spanien nach Deutschland

Das Unerreichbare scheint für Martin Brenner immer das Ziel zu sein. Als er letzten Sommer mit dem Fußballspielen aufhörte und in der Kreisligamannschaft des SC Altenmünster nur noch bei personellem Engpässen aushilft, suchte er eine neue sportliche Herausforderung. Seit Februar 2015 bringt sich der bisherige absolute Nichtschwimmer das Schwimmen bei, um an Triathlonveranstaltungen teilnehmen zu können. Über dieses Vorhaben schreibt er auch einen Blog.

Im April letzten Jahres ist Martin Brenner den Jakobsweg gewandert. Von Saint Jean Pied de Port (Frankreich) bis nach Santiago de Compostela. Für die 870 Kilometer hatte er 35 bis 40 Tage eingeplant. Er war aber schon nach 20 Tagen am Ziel. Anstatt den Rückflug umzubuchen, hat er sich in Spanien ein Mountainbike gekauft und ist die gesamten 2500 Kilometer zurück in seinen Heimatort mit Wanderschuhen auf dem Mountainbike zurück gefahren. „Ich war quer durch ganz Spanien, die Pyrenäen beziehungsweise das Vorland in Frankreich unterwegs, danach durch die landschaftlich schöne Schweiz und schließlich der Donau entlang nach Vallried“, erzählt er mit Begeisterung. „Dabei habe ich in den Herbergen immer wieder neue Leute getroffen, weil die mir ja entgegen kamen. Ansonsten trifft man ja zu den Übernachtungen meistens die selben.“

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Auch Brenners beruflicher Werdegang war nicht gerade der klassische Weg zum Ingenieur mit Abitur und anschließendem Studium. „Um genau zu sein, habe ich nicht mal Abitur“, grinst der 34-Jährige, „doch durch das heutige Bildungssystem sind zum Glück unterschiedliche Wege zu einer akademischen Ausbildung möglich.“ Nach der Mittleren Reife erlernte er zunächst den Beruf des Betriebsschlossers. Im Anschluss an die Ausbildung war er als Monteur weltweit im Einsatz. Mit ein paar Jahren Berufserfahrung im Gepäck heuerte er bei einem Druckmaschinenhersteller an. „Auch hier bereiste ich berufsbedingt die Welt und stellte Zeitungsdruckmaschinen auf, um sie anschließend in Betrieb zu nehmen.“ Der sogenannte zweite Bildungsweg ermöglichte Brenner das Studium zum BEng Aeronautical and Mechanical Engineering an der Glyndwr University in Wrexham, Wales. „So landete ich bei meiner jetzigen Tätigkeit als Inbetriebnahme-Ingenieur“, lässt er aus Monfalcone bei Triest wissen.

Im September erstmals Marathon gelaufen

Nach den ersten Versuchen im Triathlon im Jahre 2015 (Lauingen Volkstriathlon, Wörthsee Volkstriathlon, Allgäu Triathlon-Sprintdistanz und 3MUC über die Olympische Distanz) lief Martin Brenner im September seinen ersten Marathon in Ulm in 3:28 Stunden. Seit November trainierte er sehr viel und hart, um als absoluter Anfänger auf das Niveau zu kommen ein solches Rennen wie den Schwarzbräupreis zu fahren. „Ich habe mir extra einen Rollentrainer gekauft, um auch bei schlechter Witterung trainieren zu können.“ Zu guter Letzt war Brenner im Februar noch für 15 Tage auf Zypern und konnte dort bei besten Bedingungen trainieren. Seit Mitte Februar hat er mit dem Rennrad 2400 Kilometer zurückgelegt.

Doch es gab ein weiteres Problem. Bei Triathlon- und Laufwettbewerben startet Martin Brenner unter dem Teamnamen der von ihm im Juni 2015 gegründeten Hobbysportgruppe „Trifit Vallried“. Da dies aber kein offizieller Verein ist, konnte er keine Lizenz für Radrennen beantragen. „Ich suchte also nach einem passenden Radteam. Vor allem eines, das auch einem 34-jährigen Anfänger die Möglichkeit gibt zu starten“, hat Brenner bei einigen Teams in der Region angefragt, doch keiner wollte ihm die Rennlizenz beantragen. „Im letzten Moment kam mir die Idee, beim Veranstalter selbst anzufragen.“ Und wieder wurde das Unmögliche möglich. „Bei Phönix Augsburg war das kein Problem. Ein Anruf und ich wurde aufgenommen. Ich beantrage die Mitgliedschaft und der Verein hat sich für mich um die Lizenz gekümmert“, ist Brenner insbesondere Sportwart Johannes Kammerer sehr dankbar, dass ihm die Möglichkeit gegeben wurde, beim Heimrennen von Phönix und natürlich seinem Heimrennen als Bürger von Zusmarshausen zu starten.

Nach 2:46 Stunden war Martin Brenner im Ziel. „Ich bin leider ein paar Minuten hinter dem Hauptfeld angekommen, weil ich zu Beginn der dritten Runde mit einem anderen Fahrer kollidiert bin und kurz vom Rad musste.“ Nach diesem Zwischenfall ist der Kontakt zum Feld abgerissen. „Die Hügel Richtung Bieselbach sind eine Schlüsselstelle und das Tempo des Feldes war sehr hoch, so dass ich das Loch nicht mehr zufahren konnte“, berichtet er. Er sei aber mit seiner Leistung hoch zufrieden, da er 53 Kilometer im Alleingang gefahren sei und das Rennen in einem 39er Schnitt durchgezogen habe. „Ich denke, dass das ein Anfängerfehler war, sich so weit hinten im Feld aufzuhalten. Ich war richtig gut drauf, vor allem am Berg konnte ich mithalten. Ich will auf jedem Fall nächstes Jahr wieder starten.“

Wenige Stunden nach dem Rennen wurde Martin Brenner im Spiel des SC Altenmünster gegen den TSV Wasserburg (1:0) kurz vor Schluss eingewechselt. Fast hätte er mit seinem ersten Ballkontakt sogar einen Treffer erzielt. „Eine Riesenchance. Aber egal. Drei Punkte.“

Am Sonntag wird er nach Altenmünster zurückkehren, am SCA-Halbmarathon teilnehmen. Sein diesjähriger Saisonhöhepunkt soll der Ironman 70.3 in Budapest sein. Ein weiteres kleines Highlight wird der Allgäu Triathlon sein. „Letztes Jahr konnte ich über die Sprintdistanz die Altersklasse 30-34 gewinnen und gesamt Neunter werden. Eine Woche danach werde ich beim Transvorarlberg Triathlon starten. Die Radstrecke dort ist eine der anspruchsvollsten die es bei uns so gibt.“ Aber Unmögliches ist für Martin Brenner ja das Normale.

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