Newsticker

Zahl der Neuinfektionen in Italien stabilisiert sich - mehr als 100.000 bestätigte Fälle in New York
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Vom Schreiner zum Bildhauer

Diedorf

02.09.2019

Vom Schreiner zum Bildhauer

Ein Besuch beim akademischen Bildhauer Friedrich Brenner ist wie ein Museumsbesuch. Stück für Stück kann man in Diedorf die eindrucksvollsten Kunstwerke bewundern. 
Bild: Jutta Kaiser-Wiatrek

Der akademische Bildhauer Friedrich Brenner lebt in Diedorf. Weshalb viele Euro-Münzen die künstlerische Handschrift des 80-Jährigen tragen.

Schon früh wusste Friedrich Brenner, dass er Bildhauer werden wollte. Das Künstlerische lag ihm einfach im Blut. Bereits in der Schule war Zeichnen sein liebstes Fach, auch wenn Werken und Basteln ihm noch lieber gewesen wären. „Diese Fächer gab es damals aber noch nicht“, bedauert der fast 80-Jährige noch heute.

Sein weiterer beruflicher Lebensweg nach dem Schulabschluss schien somit klar vorgezeichnet. Die Berufsberatung machte ihm damals aber einen dicken Strich durch die Rechnung: Bildhauer könne man nicht lernen, man werde es einfach so, wurde dem jungen Mann damals kategorisch sein Berufswunsch abgelehnt. Er landete somit in einer Modellschreinerei, eine Lehrzeit, die er wegen seines bösen Meisters in nicht allzu guter Erinnerung hat. Er war zwar letztlich sehr gut in seinem Fach. Sein Traumberuf, da war er sich sicher, war es aber nicht.

Somit hat ihn der Gedanke an die Bildhauerei nicht losgelassen. Heimlich meldete er sich zur Aufnahmeprüfung an der Akademie der Bildenden Künste in München an und beschritt schließlich den Weg, den er sich schon lange gewünscht hatte.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Lehrauftrag für Prägemünzenschnitt an der Akademie in München

Die Kunst war nun sein Leben, aber es folgten magere Zeiten. Denn an der Akademie hatte er zwar viel über Kunst gelernt, nicht aber wie diese auch zu vermarkten ist. Finanziell aufwärts ging es, als er auf Empfehlung von Professor Josef Heinzelmann 1968 einen Lehrauftrag für Prägemünzenschnitt an der Akademie in München erhielt. Und doch erinnert er sich auch an diese Zeit nicht unbedingt als besonders angenehm: „Die 68-er-Studenten diskutierten lieber, als sich mit dem diffizilen Münzbereich auseinander zu setzen“, erzählt Brenner.

Er beendete also 1971 diese Aufgabe und entschloss sich in fester Anstellung in einem Architektenbüro zu arbeiten. Eine Arbeit, die ihn sehr interessierte und ausfüllte, konnte er hier doch sogar die Bauleitung übernehmen und selber Projekte entwickeln.

Brenner renovierte den Goldenden Saal in Augsburg

Seit 1980 geht Friedrich Brenner neue Wege als selbstständiger Bildhauer. Er übernahm renommierte Aufträge der Kirche für Volksaltäre in Augsburg und Umgebung. Sein größtes Werk seiner künstlerischen Karriere war aber die Renovierung des Goldenen Saals in Augsburg, die er zusammen mit Holzbaumeister Friedrich Mayet ausführte. Ein Achtel der Decke war von einem Österreicher ausgeführt worden, die restlichen sieben Achtel wurden von Brenner und Mayet in fünfjähriger Arbeit fertig gestellt.

Der akademische Bildhauer erinnert sich dabei vor allem an eine höchst schwierige und komplizierte Aufgabe, mussten die Arbeiten doch nach alten Schwarzweiß-Fotos ausgeführt werden, die oftmals zusätzlich unscharf und verzerrt waren.

Nachdem er sein eigenes Haus in Anhausen fertig gestellt hatte, war es ihm von nun an problemlos möglich, freischaffend zu arbeiten.

Inzwischen konzentrierte sich Brenner auch vermehrt auf die Teilnahme an Münz- und Medaillenwettbewerben, aus welchen er höchst erfolgreich hervor ging. So gewann er im Jahr 2000 beim Internationalen Münz- und Medaillenwettbewerb den ersten Preis für eine Münze für Japan. Er hatte dafür das Thema „100 Jahre Dieselmotor“ gewählt.

Viele Euro-Münzen tragen seine Handschrift

Zahlreiche weitere erste und zweite Preise folgten, etwa 2008 für die Zwei-Euro-Münze für Saarbrücken, 2010 „500 Jahre Till-Eulenspiegel“, 2014 die Bundesmünze 100 Euro in Gold „Unesco Oberes Mittelrheintal“ sowie im folgenden Jahr die Goldmünze 100 Euro „Altstadt Regensburg mit Stadtbauhof“ und „Otto Dix 20 Euro in Silber“. „Ich habe bei Einladungen zu Wettbewerben viermal hintereinander den ersten Preis gemacht, das hat noch keiner geschafft“, ist Brenner stolz auf seine Erfolge.

Allerdings hätte er sich diese gerne 20 Jahre früher gewünscht, räumt er ein. Da er aber aktiv und agil wie eh und je seinen Aufgaben nachgeht, darf angenommen werden, dass diese Erfolgsserie nicht so schnell abreißen wird. Zunächst aber stehen zwei Ausstellungen anlässlich seines runden Geburtstags im Oktober ins Haus. Sie zeigen Abgüsse von Münzentwürfen der letzten 53 Jahre sowie Porzellanarbeiten, für die sich Friedrich Brenner ebenfalls von jeher interessierte.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren