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Zusmarshausen

27.11.2017

Von Giesing bis Chicago wurde bayrisch g’rockt

Phil Höcketstaller, der „Hundling“ in seinem Element: viel gute Laune und bayerische Rock ‘n‘ Roll-Power.
Bild: Michaela Krämer

Der „Hundling“ ist eine echte Rampensau. Und nach einiger Zeit brachte er auch den Kultur-Stadl in Wallung.

Es wäre gelogen zu sagen, dass das Publikum von erster Minute lang so mitging, wie man es bei einem Rockkonzert erwartet hätte. Richtig brav saßen sie vor ihren Getränken und hörten zu, was „Hundling“ zu sagen hatte. Hundling ist halt nicht nur ein Rocksänger, er ist auch Liedermacher. Seine Texte erzählen die Geschichten über die Liebe, über Münchner Geschichten und Geschichten aus dem Musikerleben. So taute das Publikum erst nach dem zweiten Block so richtig auf. Aber dann war es nicht mehr zu bremsen.

Hundling ist eine Rampensau. Mit starker Stimme und dem richtigen Gefühl für den Sound boten Hundling und seine Band ein Konzert, das man einfach nur mit den Worten „A Hund is a scho“ bezeichnen konnte. Denn „Hundling“ ist ja eigentlich ein Kompliment.

Hundling, das ist aber nicht nur der Frontman, Songschreiber und Gitarrist Phil Höcketstaller. Hundlinge sind auch die Bandmitglieder Klaus Reichardt (Steel Gitarre), Dominik Schulz (Drums) und Christian Klos (Bass), die für eine außergewöhnliche Atmosphäre im Kultur-Stadl sorgten.

Wer denkt nicht an Tscharlie in den Münchner Geschichten von Helmut Dietl, wenn er das Lied „Ois Chicago“, was so viel wie „alles klar“ bedeutet, hört? Das Lied, das uns daran erinnert, die Dinge des Lebens so zu nehmen, wie sie sind. Oder wie Höcketstaller sagt: „Die Wahrheit liegt irgendwo zwischen gestern und dem 3. Stock“, wie auch der Titel seiner aktuellen CD lautet.

Der Sound seiner Songs besteht aus einer Mischung von Rock’n Roll, Soul, Blues, Folk und Country. Nicht nur der fetzige Sound ging ins Ohr, Hundling hat auch ein untrügliches Gespür für ruhige Töne, die nach unerfüllter Sehnsucht und melancholischer Erinnerung klingen. Die Texte sind philosophisch, politisch nachdenklich aber auch skurill-komisch und mitunter sehr ironisch. Er singt grad raus und schaut dabei auch unter die Oberfläche. Damit punktete er bei den Menschen im Stadl. Er erzählte Geschichten in seinen Liedern - locker, gut gelaunt und direkt aus dem Leben. Er erzählte von einer nervigen Nachbarin, die keine Musik mag („Musikfreie Zone“) bis hin zur Liebe, die durch den Magen geht („Kuacha“). Und er erzählte vom „Schuhkarton“, in dem er Bilder von seinen Verflossenen aufbewahrt.

„Nix wia nix“ hatte er im zweiten Teil seines Konzerts die Leute bei sich. „Rock’n Roll Business“ oder „Probiert hod a’s“ waren nur einige Geschichten aus dem Musikerleben, die Hundling erzählte. Seine Vorliebe für den Reggae und Rock’n Roll war für den Songwriter und Gitarrist unüberhörbar. Und die kamen an. Egal ob es um glücklich verlassene Ehemänner, tangotanzende Ritter geht - es sind auch die kleinen, alltäglichen Dinge, die ihm am Herzen lagen: „Die allergrößte Freid macht uns oft a Kleinigkeit“. Und zum Schluss saß dann auch niemand mehr brav auf den Stühlen. Sie alle sangen, tanzten und klatschten in einer Endlosschleife zu dem Refrain „I sing, weil i sing, weil i so gern sing“ begeistert mit.

Und so gefiel es dem Frontman. „Alles ist erlaubt, alles ist Wörleschwang“, grölte er. Nichts hielt ihn jetzt noch auf der Bühne. Er stellte sich auf den Tisch mitten ins Publikum, von wo er den Leuten zurief: „Ois Chicago Baby“.

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