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11.08.2014

Von Lumpen und anderen Strizzis

In unserer Serie geht es heute um Weiberhelden, Angeber und Schlawiner

„Veni, vidi, vici, der Cäsar war a Strizzi“ – diesen Spruch haben die Lateinschüler mal gelernt. Was der kriegerische Römer mit einem Strizzi zu tun hat, bleibt unklar. Vermutlich geht’s bei dieser Eselsbrücke für Gymnasiasten nur um den Reim – es sei denn, man legt die Liaison Cäsars mit Kleopatra als strizzihaft aus.

„Strizzi“ stammt wohl von dem tschechischen „stryc“ ab, was Onkel heißt. Im Wienerischen ist ein „Strizzi“ nicht nur ein Lausbub oder auch Strolch, sondern vornehmlich die Bezeichnung für einen Zuhälter, und die Südtiroler nennen die Österreicher gelegentlich so. In unseren Breiten ist ein nichtsnutziger Angeber und Weiberheld ein Strizzi. Man könnte auch „Stenz“ sagen.

Seit Helmut Dietels Kultserie „Monaco Franze“ weiß in der Republik wohl jeder, was damit gemeint ist. Der Duden erklärt Stenz mit „geckenhafter, selbstgefälliger junger Mann, Schnösel“ und, wie der Wiener „Strizzi“ auch, „Zuhälter“. Der Begriff geht auf das veraltete Wort „stenzen“ zurück, was so viel wie „flanieren“, „bummeln“, aber auch „stoßen“ bedeutete. Und so heißt auch der Wanderstab „Stenz“.

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Seinen Ursprung im Vagabundieren hat auch ein weiterer Begriff für einen Schlingel, Lumpen, Gauner: „Bazi“. Ursprung ist wohl eine Verkürzung des dem Lateinischen nachempfundenen Begriffs „lumpaz“ für Lump (man denke an Nestroys Singspiel „Lumpazivagabundus“). Und als „Bazis“ bezeichnen die Österreicher manches Mal auch die Bayern. Auch wenn das Wort insgesamt eher negativ belegt ist, kann es durchaus mal bewundernd und somit positiv sein, da kommt es auf Zusammenhang und Betonung an. So ist die Aussage „so ein Bazi“ zunächst nicht gerade schmeichelhaft, aber kann auch mit kopfschüttelndem Respekt artikuliert werden. Deutlicher wird dies im Zusammenhang mit der Bezeichnung „Hund“ für einen Schlawiner (hergeleitet von Slowenen, die als besonders geschickte Händler galten): Wenn sich beispielsweise ein Politiker aus einer Skandalgeschichte herausmogelt, dann sagen wir unter Umständen bewundernd: „A Hund is er scho, der Lump!“

Wobei der Schwabe für „Lump“ auch „Fetzen“ sagt, was rechts des Lechs eher unüblich ist. Links des Grenzflusses kennt man auch „Siech“ oder „Siach“ als Bezeichnung für einen Taugenichts. Und auch hier liegen negativ und positiv eng zusammen. So gibt es nicht nur den „dreckerten Siach“ sondern auch die Bezeichnung „gscheidr Siach“ für einen klugen Burschen. Dabei geht der Begriff auf das mittelhochdeutsche Wort „siech“ für krank und schwach zurück.

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