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Gedenkfeier

17.04.2019

Von einer Frau verraten, von den Nazis getötet

Max Josef Metzger

Heute vor 75 Jahren wurde der Meitinger Priester Max Josef Metzger hingerichtet

Er war ein Pazifist und ein Weltbürger mit einer Weitsicht, die über seine Zeit hinaus ging. Aber er war auch ein Verfolgter des Naziregimes, einer, der sich nicht beugen wollte und stattdessen bewusst Grenzen überschritt. Am Ende war Max Josef Metzger ein Mann, denn die Nazis nicht mehr dulden wollten. Als „Pestbeule“ bezeichnete ihn sein Richter im Jahr 1943. Hingerichtet wurde der Pfarrer, der viele Jahre auch in Meitingen gewirkt hatte, schließlich am 17. April 1944 in Brandenburg-Görden. Zum heutigen 75. Jahrestag dieses Datums gedenkt die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi an der Gedenkstele für Metzger vor dem Augsburger Dom des Pfarrers.

Einer, der sich intensiv mit der Person Metzgers beschäftigt hat, ist der ehemalige Bistum-Mitarbeiter Ludwig Rendle. Seine Forschungen hat er zu einer Biografie zusammengetragen, die in Kürze erscheinen soll. In einer kurzen Gedenkrede will er bei der heutigen Feierstunde daran erinnern, was Metzger auszeichnet: Er stand für die Vereinigung aller Menschen gegen Krieg und er setzte sich für ein Zusammengehen der Konfessionen ein, um mit einer Stimme gegen die faschistischen Strömungen der Zeit sprechen zu können. „Er war seiner Zeit in Vielem voraus und kam sicher auch mit seiner eigenen Kirche in Konflikt“, glaubt Ludwig Rendle.

Mehrmals während der Zeit des Naziregimes war Max Josef Metzger in Haft gewesen, nun berichtet Ludwig Rendle, was schließlich zu seiner Verurteilung zum Tode führte: Nach der Schlacht von Stalingrad 1941 glaubte Metzger nicht mehr an einen Sieg der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Er befürchtete eine Zerschlagung Deutschlands im Falle einer Niederlage. So hatte er ein Memorandum erstellt, wie Deutschland föderal regiert werden könnte. Eine Vertraute, eine Schwedin, sollte das Papier an einen Geistlichen in ihrem Heimatland weiterleiten, der sollte es zu den späteren Alliierten bringen. Doch es kam anders: Die Frau war eine Spionin der Gestapo, sie verriet Max Josef Metzger. Er wurde des Hochverrats angeklagt und in wenigen Minuten abgeurteilt. „Aber wie es mit Deutschland weiterging, das hat er fast genauso vorausgesehen“, beschreit Ludwig Rendle die Hellsicht des Geistlichen.

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Obwohl schon seit 75 Jahren tot, hat Max Josef Metzger Spuren auch im Landkreis hinterlassen. Das von ihm gegründete Christkönig-Institut, das sich auch um Alkoholkranke kümmerte, hatte er 1928 an seinen damaligen Wirkungsort Meitingen verlegt. Heute trägt die dortige Realschule seinen Namen und ein „Stolperstein“ erinnert an ihn. An jedem 17. April findet vor dem Augsburger Dom um 17 Uhr eine Gedenkfeier statt.

Seit 2006 gibt es in der Heimatdiözese von Max Josef Metzger, in Freiburg, Bemühungen um eine Seligsprechung des Pfarrers. Inzwischen gebe es „hoffnungsvolle Anzeichen“ für eine Bewegung in dem Verfahren, sagt Ludwig Rendle: Die beauftragte Kongregation habe eine Zusammenfassung des Wirkens Metzgers angefordert. (jah)

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