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Glaube

16.06.2018

Von wegen altmodisch: Die Bruderschaft boomt

Die Fahne der Albanusbruderschaft.
Bild: Michael Koch

In Affaltern gibt es eine besondere Gemeinschaft, für die sich immer mehr Menschen interessieren.

Es sind die düsteren Zeiten im Leben. Wenn das Kind, die Mutter, der Vater oder man selbst schwer krank wird. Gerade dann seien viele Leute sehr dankbar, wenn sie wissen, dass für sie gebetet wird. Das berichtet Michael Koch. Er ist Sprecher der Albanusbruderschaft Affaltern.

Die Bruderschaft, die seit 1733 besteht, betet einmal im Monat für die verschiedenen Anliegen der Menschen. Die Gemeinschaft ist ein fester Teil der Dorfgemeinschaft. Es ist auch ein fester Termin im Kirchenjahr, dass im Juni das Albanusfest gefeiert wird.

Am Sonntag ist es wieder so weit. Der Gottesdienst in der Kirche St. Sebastian beginnt um 9 Uhr. Bei der Messe erteilt Ortspfarrer Ulrich Lindl den Segen mit einer Reliquie des heiligen Albanus. Anschließend trifft sich die Bruderschaft zur jährlichen Versammlung.

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In einer Zeit, in der immer mehr Menschen aus der Kirche austreten, hat die Bruderschaft keinerlei Nachwuchsprobleme. Ganz im Gegenteil. Waren es 2011 noch 241 Mitglieder, sind es mittlerweile 301, die nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus Kaufbeuren, Ingolstadt oder Neusäß kommen. Fast jeder, der will, kann der Bruderschaft beitreten. Einzige Voraussetzung: Er muss ein getaufter Christ sein und jährlich mindestens einen Euro zahlen.

Bei Koch hat sich beispielsweise vor zwei Wochen eine Familie samt Baby gemeldet, die in die Bruderschaft aufgenommen werden wollte. Das kleine Mädchen ist jetzt die jüngste Albanusschwester.

Koch sagt: „Wir drängen niemanden. Die Leute kommen auf uns zu.“ Doch er hat einen Erklärungsansatz, warum die Bruderschaft so geschätzt wird: „Die Gesellschaft funktioniert heute nach den Prinzipien ,immer höher, größer, weiter‘. Doch was ist, wenn man krank wird, wenn es in Richtung Tod geht?“ Dann sei es für die Betroffenen wichtig, dass man zusammensteht und sich nicht allein gelassen fühlt.

Die Bruderschaft, die sich im früheren nahen Kloster Salmannshofen gründete, wurde 1758 nach Affaltern übertragen. Der heilige Albanus wird in der Region besonders für kranke Kinder angerufen. Deshalb verpflichten sich die Mitglieder der Bruderschaft, für diese Mädchen und Buben zu beten. Ein Zweck der Bruderschaft ist es aber auch, eine glückselige Sterbestunde zu erlangen.

In der Kirche in Affaltern gibt es ein spezielles Kästchen, in das Bittsteller einen Zettel mit ihrem Anliegen einwerfen können. Daneben findet sich auch ein Fürbittbuch, in das jeder reinschreiben kann.

Diese Anliegen werden bei der stillen Anbetung der Bruderschaft vorgetragen. Diese Gebetsstunde findet jeden ersten Dienstag im Monat in der Kirche in Affaltern statt.

Die Frage, ob es Heilungen gab, will Koch so nicht beantworten. Er verrät nur, dass es bei jeder Versammlung den Tagesordnungspunkt „Heilsberichte“ gebe und sich da schon Leute gemeldet hätten.

Wer in die Bruderschaft aufgenommen wird, verpflichtet sich nicht nur zum Gebet, sondern auch zu „Werken der Barmherzigkeit“. Dazu gehört beispielsweise, Almosen an Bedürftige zu geben, Kranke zu besuchen oder auch mit denjenigen zu reden, die vom „rechten Weg“ abgekommen sind.

Die Gemeinschaft ist auch außerhalb der Kirchenmauern aktiv. Sie engagiert sich im Dorfleben von Affaltern und unterstützte beispielsweise die Johanniter-Weihnachtstrucker, die Päckchen nach Albanien, Bosnien-Herzegowina oder nach Rumänien brachten. Es gibt aber auch gemeinsame Ausflüge oder andere Veranstaltungen.

Doch nicht nur in Affaltern stößt die Bruderschaft auf Interesse. Auch in der Westendorfer Pfarrei St. Georg wurde die Rosenkranzbruderschaft belebt. Diese war 1667 gegründet worden. Damals gehörte ihr das halbe Dorf an. Während der Säkularisation wurde die typische Kleidung verboten. Die Bruderschaftsstäbe blieben bis dagegen erhalten und werden heute noch bei Prozessionen von einigen Mitgliedern mitgetragen.

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