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Neusäß

12.02.2020

Vor 62 Jahren den Ehering im Acker verloren: Dann passiert etwas Unglaubliches

Nach 62 Jahren wurde der verlorene Ehering auf einem Acker bei Hainhofen gefunden. Im Bild (von links): Walburga Ellenrieder, Finder Jeffrey Miller, Sohn Hubert Ellenrieder und Ehemann Sebastian Ellenrieder.
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Nach 62 Jahren wurde der verlorene Ehering auf einem Acker bei Hainhofen gefunden. Im Bild (von links): Walburga Ellenrieder, Finder Jeffrey Miller, Sohn Hubert Ellenrieder und Ehemann Sebastian Ellenrieder.
Bild: Marcus Merk

Plus Walburga Ellenrieder hatte das Schmuckstück 1958 bei der Kartoffelernte verloren. Plötzlich steht ein junger Mann mit einer freudigen Nachricht vor der Tür.

Der Ehering hat für die meisten verheirateten Paare eine ganz besondere Bedeutung. Er steht für Treue und Verbundenheit. Man ist verheiratet, gehört zu jemandem und will dies, insbesondere wenn man jung verheiratet ist, auch nach außen zeigen. Man trägt ihn jeden Tag, will ihn möglichst nie ablegen. So war das auch für Walburga Ellenrieder, als sie vor 62 geheiratet hat. Um so schlimmer, was dann passierte: Auf einmal war der Ring einfach weg. Und ist jetzt, auf praktisch unglaubliche Weise, wieder aufgetaucht.

So fing die Geschichte an: Im Mai 1958 hatte sie mit 24 Jahren geheiratet. Während die Ehe auch heute, nach so langen Jahren sehr glücklich ist und auch mit Ersatzring hielt, hatte sie mit ihrem nagelneuen Ehering nicht so viel Glück. „Bei der Kartoffelernte im darauffolgenden Herbst, die damals noch per Hand erledigt wurde, ist es passiert“, erinnert sich Ellenrieder noch, als wenn es gestern gewesen wäre. „Man arbeitete eben den Ackerboden mit den Händen um und plötzlich war der Goldring verschwunden. Er saß tatsächlich etwas locker. Früher hat man eben gedacht, man müsse den Ehering immer anhaben“, erzählt Walburga Ellenrieder.

Ein Wiederfinden schien aussichtslos

Das Entsetzen war groß und die junge Ehefrau untröstlich, als sie den herben Verlust bemerkte. Ein Wiederfinden des Schmuckstücks auf dem Acker in Hainhofen mit einer Größe von 3,5 Hektar, also 30.500 Quadratmeter, schien aussichtslos. Dennoch haben sie und ihre Familie in all den Jahren immer wieder bei der Bearbeitung des Felds an jener Stelle besonders Acht gegeben. Für ihren Ehemann war eines klar, er besorgte so schnell wie möglich Ersatz beim ehemaligen Juwelier Wagner in der Annastraße in Augsburg.

Vor 62 Jahren den Ehering im Acker verloren: Dann passiert etwas Unglaubliches

Aber es war eben nicht der Ehering. Lange hatte Walburga Ellenrieder keine Zeit dem Verlust nachzutrauern, denn schon bald kam ihr erster Sohn und mit Familie und der Arbeit in der Landwirtschaft, war sie weitgehend ausgelastet. Über die Jahre hinweg stand der Verlust somit nicht mehr so im Fokus. Dass der verlorene Ehering sie dennoch nie losgelassen hat, davon erzählt ihr Sohn Hubert.

Mit einem Metallsuchgerät nach alten Münzen gesucht

„Die Geschichte hat sie immer bewegt, denn immer wieder hat sie uns Kindern davon erzählt“. Somit wurde er auch aufmerksam, als er vor drei Jahren einem jungen Mann aus Deubach im Schmuttertal begegnete, der dort mit einem Metallsuchgerät nach alten Münzen suchte. Bis 20 Zentimeter unter dem Boden könne er Metall wahrnehmen, erklärte ihm Jeffrey Miller damals. „Da kurz darauf die Diamantene Hochzeit meiner Eltern anstand, habe ich ihn gefragt, ob er auf dem bewussten Acker nach dem Ehering meiner Mutter suchen wollte“, erzählt der Sohn und so zog Miller, immer dann, wenn der Acker am Himmelreich begehbar war, mit seinem Metallsuchgerät los.

„Am Sonntag, den 4. Januar 2020 klingelte es plötzlich und ein junger Mann stand völlig verdreckt vor der Haustüre“, erinnert sich die Familie Ellenrieder. Es war Jeffrey Miller, der freudestrahlend und völlig aus dem Häuschen Hubert Ellenrieder den verlorenen Ehering überreichte. Über 60 Jahre hatte er im Ackerboden gelegen. „Ich hatte ja von der Suche keine Ahnung. Somit war es für mich nicht nur eine besondere Freude, sondern auch eine riesige Überraschung, den Ring wiederzubekommen“, strahlt Walburga Ellenrieder immer noch, wenn sie den Ring in Händen hält.

Nach wie vor ist die Gravur zu lesen

Wenn man bedenkt, wie oft der Acker in all den Jahren bearbeitet wurde, so ist dem Goldring kaum etwas anzumerken. Nach wie vor ist die Gravur „Gott gebe Glück“ und das Hochzeitsdatum deutlich zu lesen. Nur eine kleine Verletzung habe der Ring gehabt. Nach Aufarbeitung und Reinigung durch den Goldschmied ist auch davon kaum mehr etwas zu sehen.

Dennoch kann Walburga Ellenrieder auch jetzt nicht ihren originalen Ring tragen. „Die Finger sind größer geworden“, bedauert sie, die den Ring aber nun an einer Kette tragen wird. Weiten lassen will sie ihn nicht mehr. „Damit weiß man immer, welch zartes Fingerle sie als junge Frau gehabt hat“, sieht Sohn Hubert liebevoll einen Vorteil. Im kommenden Mai wird das Ehepaar Ellenrieder seinen 62. Hochzeitstag feiern, den ersten mit dem Originalehering. „Es war ein richtiger Glücksfall“, freut sich Hubert Ellenrieder, seiner Mutter eine so große Freude gemacht zu haben. „Vielleicht zeigt er aber auch, dass man auch Unmögliches schafft, wenn man nur wirklich will“.

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