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Langweid-Achsheim

17.11.2018

Vortrag in Achsheim: Wie hilft man Bienen in Not?

Während Honigbienen bis zu drei Kilometer weit fliegen, um an Futter zu kommen, sind Wildbienen auf einen Radius von wenigen hundert Metern beschränkt.

Fachleute geben Tipps zum Erhalt der nützlichen Insekten. Zur Rettung der Bienen kann jeder einzelne beitragen.

Die Nöte der Umwelt interessieren die Menschen zunehmend. Deshalb wurden auch die Veranstalter der Podiumsdiskussion „Bienen in Not – Braucht’s mehr ökologische Landwirtschaft?“ im Pfarrheim Achsheim vom Besucheransturm angenehm überrascht. Die Katholische Landvolkgemeinschaft im ehemaligen Dekanat Meitingen hatte mit dem KLB Bildungswerk Augsburg eingeladen. Und auch ein Volksbegehren der ÖDP „Rettet die Bienen“ hat die erste Hürde genommen.

Ihre Sicht der Dinge stellten in Achsheim die Imkerin Doro Stuhlmüller, der Biolandbauer Franz Rotter, Landwirt Stefan Jakob als Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes und Johann Dennert, landwirtschaftlicher Versuchstechniker, vor.

Den von ihren Haltern umsorgten Honigbienen geht es vergleichsweise gut, so die Erfahrung der Imkerin. Ihre Stöcke sind mobil und werden in der Nähe guter Futterquellen aufgestellt. Sie werden oft eingeladen, ihre Bienenvölker bei Rapsfeldern oder in Obstwiesen aufzustellen, denn die Tiere sorgen durch ihre Bestäubung für höheren Ertrag.

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Viel schlechter sieht es für Wildbienen und andere Insekten aus

Für die Honigbiene ist vor allem die Varroamilbe eine Bedrohung. Die durch den Parasiten geschwächten Tiere sind anfällig für Krankheiten. Kommen dann noch schlechtes Wetter oder verunreinigtes Futter dazu, dann steht auch ein ansonsten stabiles Bienenvolk vor dem Aus. Viel schlechter sieht es für Wildbienen und andere Insekten aus. Deren Rückgang ist dramatisch, „die haben keine Lobby“, so Stuhlmüller. Während Honigbienen bis zu drei Kilometer weit fliegen, um an Futter zu kommen, sind Wildbienen auf einen Radius von wenigen hundert Metern beschränkt. Wenn dort nichts blüht, sieht es schlecht aus für sie.

Biobauer Franz Rotter legt großen Wert darauf, dass auf seinem Land „blühen erlaubt“ ist, doch auch ein Biobauer müsse vernünftige Erträge haben und den Nutzpflanzen den Vorrang geben. „Bio heißt nicht, dass alles blüht.“ Seine Wiesen mäht er zweimal im Jahr, die Sonnenblumenfelder sind ein gedeckter Tisch für Insekten und auf der Streuobstwiese stehen Bienenstöcke. 2019 wird es eine zusätzliche Blumenwiese geben mit Auslauf für Hühner. Eine ganze Menge könnte der Einzelne beitragen, ist er überzeugt. Regionale Produkte kaufen und im eigenen Garten Blühpflanzen wachsen lassen, seien einfache Schritte in die richtige Richtung.

Nicht verteufeln, sondern zusammenarbeiten

Stefan Jakob betreibt seine Landwirtschaft in Achsheim konventionell und muss sich dabei oft verteidigen. Er und seine Kollegen seien bestrebt, das Land für ihre Kinder und Kindeskinder zu erhalten. „Wir brauchen beides“, ist er überzeugt, dass biologische und konventionelle Landwirtschaft ihre Berechtigung haben. Nicht verteufeln, sondern zusammenarbeiten ist seine Devise.

Mit sorgsamer Nutzung moderner Technik könne die Anwendung von Spritz- und Düngemitteln in der konventionellen Landwirtschaft weiter minimiert werden. Viele Faktoren, die zum Insektensterben beitragen, haben nichts mit der konventionellen Landwirtschaft zu tun, so Jakob. Die Klimaveränderung bewirke am anderen Ende der Welt in Costa Rica denselben Rückgang an Insekten wie hierzulande. Durch die globalisierte Wirtschaft kommen Tiere und Pflanzen ins Land, die einheimische Arten verdrängen und nicht zuletzt trage die Lichtverschmutzung zum Insektensterben bei. „Wie viele Insekten verbrennen an unnötigen Flutlichtern und beleuchteten Werbeschildern.“

Honig aus der Region zu kaufen ist ein guter Anfang

Am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München hat Johann Dennert jahrzehntelang Forschung betrieben. Welche Schäden die verschiedenen in die Natur eingebrachten Wirkstoffe anrichten, ist in der Breite noch nicht klar, so sein Fazit. Dass Mobilfunkstrahlung die Insekten irritiert, wie ein Besucher nachfragte, dafür gibt es keine schlüssigen Erkenntnisse. Weniger ist immer besser, doch seien auch in der konventionellen Landwirtschaft große Fortschritte gemacht worden um den Schadstoffeintrag zu reduzieren. „Letztendlich entscheidet die Gesellschaft, welche Landwirtschaft sie möchte.“ Honig aus der Region zu kaufen wäre ein guter Anfang, so Dennert.

Landwirte, egal ob sie biologisch oder konventionell arbeiten, Konsumenten, private Gartenbesitzer und Kommunen müssen zusammenarbeiten um mehr blühendes Grün zu schaffen, so das Fazit des Abends. Eine pflegeleichte Steppe aus Stein und Rollrasen sei weder im eigenen Garten, am Ackerrain, noch im Straßenbild der richtige Weg in eine Zukunft mit bunten Blumen und vernünftigen Lebensmitteln.

Die Ökologisch Demokratische Partei (ÖDP) hat für ihr Volksbegehren „Rettet die Bienen“ im Oktober 94700 Unterschriften beim Bayerischen Innenministerium eingereicht. 25000 hätten bereits gereicht. Das Ministerium urteilte nun, dass aus juristischer Sicht nichts gegen die Zulassung des Volksbegehrens spräche. Nun müssen sich vom Donnerstag, 31. Januar, bis Mittwoch, 13. Februar, zehn Prozent der bayerischen Wähler in Unterstützungslisten bei den Gemeinden eintragen, damit ein Bürgerentscheid abgehalten werden kann, betont der Augsburger ÖDP-Stadtrat Christian Pettinger.

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