Newsticker
RKI meldet 8103 Neuinfektionen und 96 Tote
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Wachrütteln – hinsehen – handeln

Neujahrsempfang

17.01.2019

Wachrütteln – hinsehen – handeln

Ziehen an einem Strang beim Opferschutz: (von links) Zweiter Bürgermeister Stefan Buck, Wolfram Goschin, Gabriele Schmidthals-Pluta, Filmemacher Georg Merz und der Organisator der Nachtwanderer Hermann Rosenwirth.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Gersthofer Opferschutzverein Sicheres Leben zieht eine positive Bilanz. Vielen Kindern wurde ein Aufenthalt in Peißenberg ermöglicht. Und die Arbeit geht weiter

Einsatz für die Opfer in der Gesellschaft: Von Gerechtigkeit, mühsamen Unterfangen und Zweifeln, aber auch von bewältigten Herausforderungen sprach Vorsitzende Gabriele Schmidthals-Pluta beim Neujahrsempfang des Opferschutzvereins Sicheres Leben im Gasthaus Stern am Kirchplatz. Dabei ließen sie und ihr Stellvertreter Wolfram Goschin zudem Vereinsaktionen wie Nachtwanderer, Notinsel und Flohmarkt Revue passieren.

Die größte Herausforderung im abgelaufenen Jahr seien die Vorbereitungen zur Errichtung der Gersthofer Gedenkstätte für getötete und misshandelte Kinder gewesen, so Schmidthals-Pluta. „Mit der Einweihung wurde auf eine Thematik aufmerksam gemacht, die nach wie vor nicht an Brisanz verloren hat.“ Beigetragen dazu habe ebenfalls der von Georg Merz erstellte Film „Wachrütteln – Hinsehen – Handeln“ über die Gedenksteineinweihung, der über die Vereinshomepage abrufbar ist, betonte sie.

Darüber hinaus ermöglichte der Verein 2018 wieder zahlreichen missbrauchten oder elternlosen Kindern einen Aufenthalt im Sternstundenhaus in Peißenberg. Auch die Weiterbildung nahm breiten Raum ein. Die Vereinsspitze nahm unter anderem am Opferforum des Weißen Rings in Mainz, an der Fachtagung Kinderschutz in Duisburg, an den Deutschen Präventionstagen in Dresden und der Internationalen Fachtagung „Wen(n) der Terror trifft“ in Bensberg teil. Die daraus resultierenden Forderungen fasste Schmidthals-Pluta zusammen: „Opfer brauchen anwaltliche Vertreter, analog dem Pflichtverteidiger für Täter. Und: Opfer warten in unserem Land immer noch zu lange auf eine Therapiemöglichkeit.“ Dementsprechend sei auch 2019 erklärtes Ziel, das Informationssystem Riskid, Kinder- und Opferschutz, die Nachsorge nach Terroranschlägen sowie Prävention und Intervention zu diesen Themen weiter öffentlich voranzutreiben.

Mit Zufriedenheit nahm der Verein eine Urteilsverkündung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte auf. „Der sogenannte Joggerin-Mörder aus Kehlheim bleibt weiter in Sicherungsverwahrung“, so die Vereinschefin. Dasselbe Urteil erwarte der Verein im Fall des Mörders von Vanessa, da beide Fälle rechtlich identisch seien. Die damalige zwölfjährige Gersthoferin wurde 2002 mit mehreren Messerstichen ermordet.

Ein Aushängeschild des Vereins sind die vor sieben Jahren gegründeten Nachwanderer. Die in roten Jacken gekleideten Ehrenamtlichen sind als Ansprechpartner, Streitschlichter und Ersthelfer für junge Menschen auf den Straßen Gersthofens unterwegs. „Doch die draußen angetroffenen Jugendlichen werden immer weniger“, bilanzierte Wolfram Goschin. Als Gründe dafür nannte er die digitalen Spiele sowie Kommunikations- und Nachrichtendienste, die ohne Gruppenzwang auszuüben seien.

Für das aktuelle Notinsel-Hausaufgabenheft habe der Verein keine Sponsoren finden können, bedauerte Schmidthals-Pluta. Daher übernahm der Verein die Finanzierung der 700 Hefte für die Grundschulen der Stadt Gersthofen. Erfolgreich abgelaufen seien dagegen wieder die vom Verein organisierten Flohmärkte auf dem Festplatz.

Die Vereinschefin berichtete aber auch von Zweifeln. „Tun wir genug, könnte es noch mehr sein?“, fragte sie. Beim Bau eines Hauses erlebe man täglich den Wachstumsprozess. „Unsere Opferschutzarbeit und die Früchte dieses Engagements sieht man jedoch nicht wirklich“, meinte sie. Es sei oft ein mühsames Unterfangen, das unendlich viel Geduld und einen langen Atem erfordert. „Nichtsdestotrotz widmen sich alle Vereinsmitglieder mit großem Einsatz diesem wichtigen Aufgabengebiet“, resümierte sie.

Große Anerkennung attestierte Zweiter Bürgermeister Stefan Buck. Der Verein schließe eine Lücke, die die Politik bis heute verursache, meinte er. Dabei setzen sich die Ehrenamtlichen nicht mit Abstraktem auseinander, sondern mit Konkretem, nämlich dem Schutz von Opfern einer Straftat, die sich meist gedemütigt, hilflos und allein gelassen fühlen. Und wenig sei dies wirklich nicht. Im Gegenteil.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren