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Betreuung

05.06.2020

Waldkindergarten findet eine Heimat

Freuen sich über den baldigen Start des Waldkindergartens auf einem Grundstück am Waldrand in Rommelsried: die Vorstandsmitglieder des Vereins Blätterdach, Judith Schneider (links) und Kathrin Langenmair, sowie Kutzenhausens neuer Bürgermeister Andreas Weißenbrunner.
Bild: Siegfried P. Rupprecht

Ende gut, alles gut: Am 1. Juli geht es mit der Eltern-Kind-Gruppe erstmals auf Entdeckungstour. Später schließt sich eine Waldspielgruppe ab zwei Jahren an. Die „Großen“ müssen noch etwas Geduld aufbringen

Judith Schneider aus Maingründel und Kathrin Langenmair aus Deubach fiebern dem Ereignis schon entgegen. Die beiden Vorstandsmitglieder des Vereins Blätterdach haben dazu allen Grund. Ihr Projekt Waldkindergarten nimmt Kontur an. Ab Mittwoch, 1. Juli, startet der Verein im Kutzenhauser Ortsteil Rommelsried mit einer Eltern-Kind-Waldgruppe. Bald darauf will er auch eine Spielgruppe für Kinder ab zwei Jahren anbieten.

Das Projekt „Waldkindergarten“ hat in den Köpfen der Verantwortlichen schon seit langer Zeit konkrete Formen angenommen. Ein schlüssiges Konzept, unter anderem zu Haftung und Hygiene, wurde ebenso erstellt wie ein Business- und Finanzplan und eine Betriebserlaubnis beantragt. Doch an der Unterbringung haperte es zunächst. Ursprünglich hatte der Verein für seinen Waldkindergarten ein Waldstück im Staatsforst bei Agawang ins Auge gefasst.

Doch daraus wurde nichts. Zuletzt wollten die Initiatoren ein gemeindliches Grundstück in Maingründel nutzen. Da gab es jedoch unter anderem Einwendungen von der dortigen Jagdgenossenschaft. Sie sorgte sich bei der Nutzung des Waldgrundstücks um eine Störung des Wildbestands und eine erschwerte Bejagung von Wildschweinen. „Wir waren natürlich sehr enttäuscht, dass wir beim Thema Waldstück wieder bei null anfangen mussten“, sagte damals Judith Schneider.

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Jetzt ist die Suche beendet. Der Kutzenhauser Gemeinderat Johann Rößle, die ehemaligen Gremiumsmitglieder Irene Rößle und Elisabeth Rausch sowie der jetzige Bürgermeister Andreas Weißenbrunner hatten sich unter anderem starkgemacht, dass der Verein ein Grundstück am Waldrand von Rommelsried pachten konnte. Und das auf unbefristete Zeit. Es umfasst rund 5000 Quadratmeter und führt über den Aystetter Weg. Beim Feldkreuz geht es rechts ab. Nach einigen Hundert Metern direkter Anfahrt ist das künftige Domizil des Waldkindergartens erreicht.

„Dort können die Kinder bereits auf kleinem Raum viel Natur erleben“, so Gemeindechef Andreas Weißenbrunner bei einem Ortstermin mit unserer Zeitung. In der Tat: Ein kleiner Bach schlängelt sich idyllisch durch das Areal. Gleich daneben stehen auf einer Streuobstwiese hochstämmige Obstbäume mit unterschiedlichen Arten und Sorten. Farne, Binsen und gelbblühende Blumen auf feuchten Untergrund runden die Fläche mit einem hölzernen Unterstand ab.

„Hier können wir optimal unsere Ziele umsetzen“, freut sich Judith Schneider. Sie spricht von einem „respektvollen, achtsamen und bedürfnisorientierten Umgang mit den Kindern“. Kathrin Langenmair ergänzt: „Wir ermöglichen den Kindern, sich völlig frei und selbstbestimmt in der Natur zu bewegen und sich zu entwickeln.“

Sowohl die beiden Vereinsmitglieder als auch der Bürgermeister sehen den Waldkindergarten als Alternative und Ergänzung zur örtlichen Regelbetreuung. „Wir sind keine Konkurrenz“, verdeutlicht Schneider.

Ab Juli geht es nun mit den Kleinen auf Waldentdeckungstour. Alle Interessenten seien dazu willkommen, macht Kathrin Langenmair aufmerksam. Sie ist als Kinderpflegerin mit langjähriger Erfahrung in Kindergarten und Krippe bei der künftigen Betreuung des Nachwuchses aktiv. Für alle Kinder, die dann bereit dazu sind, Erfahrungen ohne Mama oder Papa zu sammeln, schließt sich eine Waldspielgruppe ab circa zwei Jahren an. Sie findet zweimal wöchentlich für je zweieinhalb Stunden statt. „Das genaue Startdatum legen wir in Absprache mit den Eltern und im Einklang mit den Bedürfnissen der Kinder fest“, betont Judith Schneider. Bis zum Kindergartenstart mit den „Großen“ bedürfe es allerdings noch einigen Aufwands und etwas Organisation.

Auch wenn es im Waldkindergarten nur wenig vorgefertigtes Spielzeug geben soll, brauchen die Verantwortlichen noch das eine oder andere. „Als Elterninitiative sind wir finanziell nicht so frei und auf die Mithilfe engagierter Menschen angewiesen“, erläutert Schneider. „So wünschen wir uns unter anderem noch einen Bauwagen und ein Tipi.“ Auch Personal wird noch gesucht: einen Erzieher und einen Kinderpfleger, männlich oder weiblich, Teilzeit möglich.

Auch im Umfeld des Waldkindergartens tut sich etwas: Die Gemeinde hat ins Auge gefasst, den Aystetter Weg mit einer Spritzteerdecke zu versehen. Zudem will die Jagdgemeinschaft den weiteren Weg zur Betreuungseinrichtung auf eigene Kosten herrichten.

Verein Blätterdach, E-Mail: info@blaetterdach-ev.de, Telefon 0176/55639645.

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