1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg Land)
  3. Waldschäden: Jetzt geht es den Käfern an den Kragen

Forst

12.07.2019

Waldschäden: Jetzt geht es den Käfern an den Kragen

Ein Stück Rinde mit dem typischen Brutbild eines Borkenkäfers begutachten (von links) FBG-Geschäftsführer Philipp Hanner, Xaver Schweigert, Franz Beck und Ralf Gang (Forstamt Biburg).
Bild: Johann Kohler

Waldbesitzer sollten nach den Schädlingen suchen und dann schnell handeln. Warum die Holzpreise derzeit im Keller sind und wo es Unterstützung gibt.

„Es ist keine Schande Käferbäume im eigenen Wald zu haben – doch eine Schande ist es, diese nicht zu entfernen und im Wald zu lassen“, mit diesem Satz konfrontierte der Abteilungsleiter Ralf Gang vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg zahlreiche Waldbesitzer, die sich mit dem Problem des Borkenkäfers informieren wollten. In Zusammenarbeit mit der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Augsburg West wurde Waldbesitzer nördlich von Agawang gezeigt, was dieser Schädling anrichtet – es bot sich ein erschreckendes Bild.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Über ein Dutzend hundertjährige stattliche Fichten ragten in den abendlichen Himmel, mit rötlichen statt grünen Baumkronen, und an den Stämmen lösten sich die ersten Rindenteile. Anhand dieser Teile zeigten Ralf Gang und Revierleiter Thomas Miehler vom Forstamt Biburg, wie der vier bis fünf Millimeter große Borkenkäfer, beziehungsweise Buchdrucker, arbeitet.

Sein Werk beginnt mit dem ersten Befall im April mit den Pionierkäfern. In der Folgezeit werden immer mehr schwärmende Käfer angelockt. So kann ein einziges Weibchen mit dessen Nachkommenschaft bei drei Generationen Geschwisterbruten für mehr als 100000 neue Käfer sorgen. Diese brüten dann unter der Rinde (Borke) und legen hier ihre Gänge, vorwiegend quer zur Faserrichtung, an. Dabei werden die Bastschicht zerstört und bei starkem Befall der Nährstofftransport des Baumes unterbrochen. Wenn man bedenkt, dass schon 500 Käfer für den Tod eines gesunden Baumes reichen, kann man leicht die große Gefahr für die Wälder erkennen. Anfällig sind vor allem die Fichten, die durch Trockenheit oder andere Einflüsse geschwächt sind.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

So stellt der Waldbesitzer fest, in welchen Bäumen sich der Käfer eingenistet hat

Wie kann der Waldbesitzer nun feststellen, in welche Bäume sich der Käfer eingenistet hat, damit er die befallenen Bäume schnellstens aus dem Wald entfernen kann – bevor die neue Brut ausschwärmt? Am sichtbarsten ist das Absterben der grünen Baumkrone. Deutlich wird auch, wenn der Baum durch oft als vergebliche Abwehrreaktionen Harztropfen am Stamm erzeugt. Wichtig sei vor allem, dass die gesund wirkenden Bäume in der Nähe eines kranken Baumes nach braunem Bohrmehl an der Rinde und am unteren Stammende untersucht werden. Sollten hier Hinweise auf Käferbefall auftauchen, dann müsse sofort gehandelt werden, so Geschäftsführer Philipp Hanner von der FBG Augsburg West. Sollte ein Waldbesitzer nicht in der Lage sein, die Fällungen durchzuführen, werde dies die Forstbetriebsgemeinschaft organisieren. Auch die Vermarktung und zeitnahe Abfuhr vom Lagerplatz, der mindestens 500 Meter vom Wald entfernt sein muss, werde von der Geschäftsstelle übernommen.

Ein Problem: Die Preise beim Verkauf an die Sägewerke seien zurzeit im Keller. Durch große Sturmschäden im vergangenen Winter und Frühjahr lagerten in Norddeutschland, Tschechien und Südtirol noch Millionen Festmeter von Schadholz. Dort bedienten sich die Großsägereien und drückten somit die Preise. Trotzdem müssten befallene Bäume sofort gefällt werden, damit wenigstens ein Teil der Stämme als besseres Frischholz verkauft werden kann. Löst sich die Rinde vom Stamm, dann müsse der Waldbesitzer froh sein, die Kosten der Aufarbeitung noch zu erzielen.

In Schwaben und um Augsburg ist der Befall noch überschaubar

Im Gegensatz zu anderen Regionen in Bayern sei die Lage mit Käferbefall in Schwaben und um Augsburg noch überschaubar. So gehören Waldgebiete nach dem neuesten Lagebericht der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) noch zur Warnstufe und sind gelb markiert. Unter www.borkenkaefer.org kann diese Karte aktuell eingesehen werden. Sollte dennoch ein Waldbesitzer sehr stark mit Borkenkäferschäden betroffen sein, so unterstützt der bayerische Staat mit einer Förderung bis zu zwölf Euro pro Festmeter die Aufarbeitung des Käferholzes. Dies ist aber an Bedingungen geknüpft, deshalb steht das Forstamt Biburg mit Ralf Gang und Thomas Miehler mit Rat und Tat den Betroffenen zur Seite. Auch die FBG Augsburg West Geschäftsstelle in Kutzenhausen steht für Beratungen zur Verfügung.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren