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Neusäß

06.05.2019

Waldstraße: Bürger wollen Kobelwald schützen

Die Interessengemeinschaft Waldstraße möchte die Asphaltierung verhindern und den Kobelwald unberührt lassen.
Bild: Interessengemeinschaft

Beim Informationsabend im voll besetzten Pfarrsaal Westheim gibt es viel Unterstützung für den Protest der Anwohner. Die Debatte verläuft teilweise hitzig. Was die Betroffenen als Nächstes vorhaben.

Die Zukunft einer 230 Meter lange Sackgasse am Rande des Kobelwalds in Westheim brachte am Freitagabend rund 150 Bürger auf die Beine und sorgte im voll besetzten Pfarrsaal für eine hitzige Debatte über die geplante Asphaltierung der Waldstraße. Es herrschte eine spannungsgeladene Stimmung; die Debatte war zeitweise recht hitzig.

Von dem Projekt sind zwar nur neun Anlieger unmittelbar betroffen, die Pläne schlagen dennoch hohe Wellen bei vielen Westheimern und Freunden des Kobelwalds. Sie kamen zum Infoabend der Ausbaugegner – sieben Anlieger, die sich inzwischen zur „Interessengemeinschaft Waldstraße“ (IG) zusammengeschlossen haben und sich mit allen Mitteln gegen das Projekt zur Wehr setzen wollen. Und sie erhielten breite Unterstützung bei ihrem Protest: An dem Abend sammelten sie 122 Unterschriften für eine Petition an den Bayerischen Landtag und brachten auch die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens ins Gespräch. Vor Kurzem wurde auch wieder ein Flugblatt an die Haushalte rund um den Kobel verteilt.

Es geht den Anliegern um den „massiven Eingriff“

Die sieben Anlieger wollten beim Infoabend den Bürgern den „unnötigen und massiven Eingriff in den Kobelwald“ und ihre Sicht der Dinge darlegen, da sie die Argumente für den Ausbau vehement anzweifeln und auf ihre Vorschläge niemals reagiert wurde, so Richard Pohl von der IG. „Mit uns hat noch nie jemand geredet.“ So hätten die Anwohner zum Beispiel angeboten, einen naturnahen Ausbau selbst zu finanzieren, doch bei der Stadt sei der Vorschlag auf taube Ohren gestoßen. Briefe und Anfragen blieben unbeantwortet.

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Wie mehrfach berichtet will die Stadt die rund 230 Meter lange Sackgasse asphaltieren, um aus Gründen ihrer Verkehrssicherungspflicht Fahrzeugen von Feuerwehr und Rettungsdiensten sowie der Müllabfuhr einen sicheren Zugang zu gewährleisten. Zudem soll ein Wendehammer mit einer drei Meter hohen Stützmauer errichtet werden, dem 28 Bäume des Landschaftsschutzgebiets Kobelwald zum Opfer fallen müssten. Die Gegner schätzen die Zahl höher ein. Dies alles könnte die Anwohner bis zu 30000 Euro kosten.

Das sagt der Bund Naturschutz

Johannes Enzler, Kreisvorsitzender des BUND Naturschutz, appellierte an die Verantwortlichen, den Kobelwald unangetastet zu lassen und „den Bürgerwillen im Sinne der Ökologie“ zu respektieren und erhielt dafür kräftigen Applaus.

Wie die Anwohner ausführlich erläuterten, sei bisher noch nie ein Unfall passiert, es habe nie eine Beschwerde vom Müllentsorger gegeben. Die Gründe für den Ausbau seien unverständlich.

Ein Rechtsanwalt, der die Anwohner berät, erklärte: „Diese Planung ist nicht alternativlos, es würde auch andere Ausführungsvarian-ten geben.“ Mit Blick auf die aktuell 2200 Unterstützer auf der Facebook-Seite der IG sagte der Anwalt, dass auch die etwa 2400 nötigen Unterschriften für ein Bürgerbegehren kein Problem sein dürften.

Thomas Geiger zählte etliche unbefestigte Straßen im Stadtgebiet auf, die ebenfalls nicht ausgebaut sind, zum Beispiel Lerchenweg, Dammstraße, Erpelweg, Schmutterhang und Hermann-Utech-Straße. „Wir sind überrascht, wie rücksichtslos die Planung seit einigen Jahren ausgerechnet für die Waldstraße vorangetrieben wird“, so Geiger. Der Ausbau der Waldstraße sei nie ein Thema gewesen, bis 2006 dann der CSU-Stadtrat Axel Salzmann in die Waldstraße gezogen sei. Er ist für einen Ausbau.

Die Kritik richtet sich gegen die CSU

Daher richtet sich die Hauptkritik der Bürger gegen die CSU im Stadtrat. So mancher verbale Treffer landete dabei unter der Gürtellinie und brachte die Gemüter zum Kochen. Aus der CSU-Fraktion waren ein paar Stadträte zum Infoabend gekommen, von den anderen Parteien fast alle. Bürgermeister Richard Greiner war aufgrund der Kurzfristigkeit der Einladung terminlich schon anderweitig verplant.

Einzig der Neusässer CSU-Ortsvorsitzende und Stadtrat Jörg Roehring, selbst gebürtiger Westheimer, nahm tapfer zu den teils provokanten Fragen Stellung, indem er auf die vielen Expertenmeinungen und Sitzungen zum Thema Waldstraße verwies: „Wenn uns offizielle Stellungnahmen vorliegen, dass Rettungskräfte und Polizei hier ein Problem sehen, müssen wir uns als Stadtrat doch damit beschäftigen“, sagte er. Noch sei nichts entschieden. Derzeit würden ja die Träger öffentlicher Belange im Zuge des Verfahrens zu fachlichen Stellungnahmen aufgefordert, die dann in öffentlicher Sitzung abgewogen werden. „Das ist ja nicht geheim und wir denken uns die Argumente auch nicht aus“, so Roehring. In dieser Sache gäbe es außerdem keine Kobelwald-Gegner.

Es gibt noch zwei Varianten zur Auswahl

Im Planungsverfahren sind derzeit zwei Varianten in der Prüfung: einmal mit dem Wendehammer ganz am Ende der Straße (Variante 1), einmal auf etwa halber Strecke (Variante 2). Letztere würde den geringeren Eingriff in den Wald bedeuten. Richard Pohl kritisierte, dass die Anwohner im Zuge des Beteiligungsverfahrens aber nur die Variante 1 zur Stellungnahme erhalten hätten. Was seltsam ist – haben sich doch die anderen Parteien im Stadtrat gegen die CSU Ende vergangenen Jahres mühsam mit ihrer Forderung durchgesetzt, dass auch die Alternativvariante 2 noch ins Verfahren aufgenommen und von den Fachbehörden geprüft wird.

Kritik musste sich auch Jürgen Schalk, Geschäftsführer der Hans und Hermine Sailer Stiftung, gefallen lassen: Die Stiftung ist zum Großteil Eigentümer des Kobelwalds und habe sich bisher nicht gegen die geplante Rodung der Bäume im Kobelwald gewehrt. „Wir entscheiden neutral nach Sachargumenten, wenn uns alle Unterlagen vorliegen“, so Schalk, der die Diskussion „polemisch“ nannte.

Zu Anfang fragte er seinerseits provokant, wer für den Kobelwald gespendet hätte.

Ein alter Freund Hans Sailers, Dr. Möller, konterte, Sailer hätte mit der Stiftung ein derart großes Vermögen hinterlassen, dass kein Bürger dafür spenden müsse. Sein größtes Anliegen sei der Erhalt des Waldes gewesen.

Interessengemeinschaft Waldstraße und ihre Online-Petition im Internet unter www.ig-waldstrasse.de

Lesen Sie auch den Kommentar: Der Ärger der Bürger ist verständlich

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